Vergesellschaftung – Tipps und Tricks
Im folgenden finden Sie kleine Hilfen und Verfahrensweisen, die sich in der Praxis allgemein oder für bestimmte Situationen bewährt haben. Sie sind vielfach erprobt und haben ihren Nutzen erwiesen. Die meisten eignen sich besonders für Problemfälle. Jedoch gelten für sie auch Einschränkungen. Beachten Sie diese jeweils erwähnten Einschränkungen unbedingt! Diese Rubrik beruht ausschließlich auf meinen persönlichen Erfahrungen und sollte daher nicht als allumfassend gesehen werden, sondern eher als die Sammlung kleiner „Gemeinheiten“ mit denen es dann eben doch klappt.
Müde Tiere zanken weniger!
Sie kennen es vielleicht von sich selbst: Mitten in der Nacht oder eben geweckt, sind die meisten Menschen nicht besonders fit und in körperlicher Höchstform. Den Tieren geht es hier nicht anders. Daher kann es Aggressionen bremsen, dann mit der Vergesellschaftung zu beginnen, wenn die Tiere eben zu Bett gegangen wären. Das funktioniert allerdings nur bei Arten, die recht streng an eine Aktivitätszeit gebunden sind. Bei wechselaktiven Arten fruchtet das nichts.
Besonders praktisch ist es bei extrem zeitgebundenen Schläfern wie Wüstenspringmäusen oder Afrikanischen Zwergschläfern.
Gehen Sie ihren Tieren auf den Senkel!
Aggressionen können sich in einer Vergesellschaftung schnell hochschaukeln und in offenen Konfrontationen enden. Da heißt es: Wehret den Anfängen! Stören Sie die aggressiven Tiere schon beim ersten Ansatz und zeigen Sie Ausdauer, will heißen, setzen Sie sich daneben und stören Sie den Aggressor, wenn es sein muß, auch über 2 oder 3 Stunden. Irgendwann wird es den meisten Kandidaten zu blöd und sie stellen die Aggressionen ein.
Das hilft allerdings nur bei leichten Aggressionen. Greifen die Tiere offensiv und ohne Bedenken an, fruchtet auch Stören nichts.
Eine Nacht allein hilft manchmal Wunder!
Manchmal hat man in einer Vergesellschaftung ein Tier dabei, das immer wieder anfängt zu stänkern und so die ganze Vergesellschaftung zu sprengen droht. Hier kann es helfen, den Aggressor für eine Nacht (und harten Fällen für max. 48h!) zu separieren. Kommt er oder sie zurück, ist die Gruppe nicht mehr ganz so vertraut, da der Gruppenduft einer ständigen Wandlung unterliegt. Vor allem, wenn die Gruppe, in der er/sie zurückkehrt, etwas größer ist, backt der Aggressor meist kleinere Brötchen als vorher.
Achtung: Hier liegt die Gefahr verborgen, dass die Gruppe das Tier nicht mehr haben will! In sehr seltenen Fällen kann der Aggressor danach auch noch aggressiver reagieren.
Käfigunterschale ist NICHT = Käfig!
Vor allem Farbmauskastraten können arschig sein. Dieser Tip eignet sich aber auch für renitente Damen. Er ist dann angeraten, wenn Farbmäuse in der Wanne sehr aggressiv aufeinander reagieren.
Nehmen Sie zur Vergesellschaftung nicht einen Hamsterknastkleiner, handelsüblicher Gitterkäfig bis zu einer Seitenlänge von 80cm
sondern nur die Unterschale desselben und befüllen Sie diese mit Streu. Dort hinein kommen die Tiere mit Futter und Wasser.
Meistens spazieren sie dann eine Weile in der Schale und auf deren Rand umher, bevor sie sich niederlassen. Die Tiere sollten mindestens 48 Stunden in der Schale bleiben, bevor Sie das Käfigoberteil drauf machen. Daher funktioniert die Methode auch nur mit Farbmäusen, da die aufgrund ihrer Höhenangst in der Schale bleiben.
Bevor das Oberteil drauf kommt, können Sie auch schon ein Häuschen anbieten.
Stellen sie die Schale über Nacht so, dass die Tiere mindestens 50cm zum Boden haben und auch die Ränder dessen, worauf die Schale steht, nicht sehen können.
Verstehen sich die Tiere nach dieser Maßnahme nicht, können Sie die Vergesellschaftung abbrechen. Es wird dann auch keine andere Methode mehr fruchten.
Achtung: Bei unkastrierten Böcken fruchtet diese Methode gar nicht! Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Mäuse verdrücken, wenn Sie sehr junge Tiere oder solche ohne Höhenangst dabei haben.
Dann lasst sie sich doch kloppen!
Achtung: Das ist ein Tip ausschließlich für erfahrene Halter, die die Tiere sehr gut einschätzen können!
Besonders bei Farbmäusen (und da bei Kastraten) hat es sich in einigen Fällen bewährt, wenn man sich die Tiere einfach prügeln lässt. Bei Merionesarten geht dieses dagegen grundsätzlich schief. Sinn des Ganzen ist dabei, sie den Rang selbst ausmachen zu lassen.
Die Kämpfe sind dann meist nicht sehr lang, aber dafür heftig und meist mit kleinen, blutigen Wunden verbunden. Dafür ist das Ergebnis dann eine stabile Rangordnung.
Es ergeben sich aber folgende Probleme: Wann lohnt es sich, sie sich kloppen zu lassen? Wie lange und wie heftig dürfen die Kämpfe sein? Schaukeln sich die Tiere hoch oder klären sie wirklich den Rang? Wo sind die Grenzen? Diese Fragen kann man nur mit extrem viel Erfahrung beantworten. Wer das ohne diese Erfahrung probiert, riskiert schwer verletzte Tiere oder sogar Tote, die durch den Streß einen Kreislaufkollaps erleiden! Nicht nur für Anfänger heißt es daher: Finger weg!