Markieren
Alle Mäuse markieren ihr Revier und das, was sie als ihr Eigentum bzw. als das Eigentum der Gruppe betrachten. Dafür werden zum einen Sekrete aus speziellen Duftdrüsen verwendet, zum anderen dienen aber auch Urin und Kot zur olfaktorischen Markierung. Dabei müssen die Ausscheidungen nicht einmal für den Menschen einen besonderen wahrnehmbaren Geruch haben. Da Mäuse extrem gut riechen, nehmen sie auch feinste Noten wahr, die dem Menschen verborgen bleiben.
Auf diesem Prinzip fußt in der Vergesellschaftung zum einen die Maßnahme, Streu von zwei fremden Tieren zu vermischen, um den Erfolg der Vergesellschaftung zu fördern. Aber auch das Einreiben neuer Tiere mit Streu aus der Kloecke der Gruppe hat hier seinen Ursprung.
Auch das Duftsekret riecht der Mensch nicht so, wie es die Maus tut. Jedoch kann er es an einigen Stellen sehen. Je nach Mäuseart und Individuum markieren die Tiere mehr oder minder häufig dieselbe Stelle, z.B. den Rand der Futterschüssel. An dieser Stelle bilden sich meist gelblich-braune, klebrige Ablagerungen, die von Zeit zu Zeit mit klarem Wasser entfernt werden sollten. Entfernen Sie die Marken mit Essigwasser oder etwas anderem, das den Duft neutralisiert bzw. „überschreibt“, markieren die Tiere stärker nach, als wenn Sie die betreffende Stelle nur mit klarem Wasser reinigen.
Bei verschiedenen Rennmausarten kann der Halter beobachten, wie sich die Tiere ab und zu mit dem Bauch über den Boden schieben. Die Tiere haben unter dem Bauch einen Komplex, der Hardersche Drüse genannt wird. Sie ist recht einfach an der kleinen, kahlen Stelle am Bauch zu erkennen. Mit dem Sekret aus dieser Drüse markieren die Tiere, indem sie in der typischen Bewegung mit dem Bauch über den Boden schleifen und so den Untergrund mit dem Sekret benetzen.
Mäuse markieren umso stärker, je intensiver und öfter man ihre Markierungen entfernt, da sie ihr Revier als besetzt anzeigen wollen. Daher stinken Arten mit für Menschen wahrnehmbarem Eigengeruch deutlich mehr, wenn sie sehr oft und sehr gründlich ausgemistet werden oder gar beduftete Streu bekommen. Die Tiere versuchen dann, gegen die menschlichen Maßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes anzustinken – mit der fatalen Folge, dass der unwissende Mensch noch mehr putzt und die Mäuse noch mehr nachmarkieren.
Jeder, der schon längere Zeit z.B. Farbmäuse hält, wird auch schon festgestellt haben, dass neue Tiere in den ersten 2 bis 3 Wochen stärker riechen und der Geruch dann abflaut, wenn man nicht obigen Fehler begeht und putzt. Das gilt auch und besonders für Farbmausböcke.
Wer nicht oft putzt, liegt zwar duftstrategisch richtig, sollte aber auch immer bedenken: Der Käfig muß eine bestimmte Mindestgröße haben und die Besatzdichte sollte nicht zu hoch sein. Sonst funktioniert das Prinzip natürlich nicht. In ausreichend großen, minimal bis optimal besetzten Gehegen funktioniert es dagegen einwandfrei.