Offene Konfrontation
Beißereien sind bei Mäusen die höchste Form der Aggression. Die Länge und Art der Beißattacken sowie der daraus resultierenden Wunden sind dabei artabhängig und höchst unterschiedlich. Während Grasmäuse und Stachelmäuse sich nur kurz (ca. 1-3 Sekunden), aber dafür mit manchmal heftigen Folgen berühren, verbeißen sich viele Rennmausarten und auch Farb-, Vielzitzenmäuse und Anverwandte mitunter heftig und sehr fest im Gegner. Dabei haben die Tiere meist mehr als 5 Sekunden engen Körperkontakt. In extremen Fällen lässt ein Tier seinen Gegner nicht mehr los und man kann beide Tiere an einem Kampfpartner hochheben, so fest sind sie ineinander verbissen. Diese Tiere sollten Sie sofort und dauerhaft trennen! Trennen sich die Gegner nicht von allein, kann der Einsatz eines Blumensprühers helfen.
Bevor die Konfrontationen derartig heftig werden, gehen jedoch meist Drohungen und leichtere Kämpfe mit weniger Körperkontakt und wiederholten, kurzen Pausen voraus. Schon in dieser Phase sollten Sie in einer Vergesellschaftung eingreifen. Im Idealfall beißen sich die Tiere überhaupt nicht, wenn Sie schon an den gesteigerten Drohgesten das Zeichen zum Eingreifen erkennen.
In Einzelfällen können zwei Tiere auch fast ansatzlos – also ohne vorherige Droh- und kraftmessende Rituale – auf einander losgehen. Dies vor der eigentlichen Beißerei zu erkennen, erfordert viel Erfahrung mit dem Verhalten der Tiere, da man es nur noch an der Spannung und minimalen Bewegungen und Umpositionierungen des Körpers erkennt. Vorkommen kann das vor allem bei Mongolischen Rennmäusen, Arten mit sehr aggressiven Böcken (z.B. Farbmäuse) und erwachsenen Tieren mit schwieriger Vergesellschaftung (z.B. Akazienratten).
Ebenfalls vor allem bei Rennmäusen zu beobachten ist die seitliche Annährung direkt vor der eigentlichen Konfrontation. Dabei nähert sich das Tier seitlich gehend mit der gesamten Körperfront und schubst und boxt mit der dem Gegner zugewandten Vorderpfote. Diese Aggressionsvariante ist auch für Laien gut zu erkennen, da die Tiere einander nicht gegenüber, sondern direkt nebeneinander stehen. Hier sollte bei fortgesetztem Boxen eingegriffen werden, sonst artet die Lage zum offenen Kampf aus.
Bei den meisten Arten ist der ganze Körper von Bissen betroffen. Für Farbmausböcke lassen sich jedoch auch zwei sehr typische Stellen ausmachen, die bevorzugt Beißattacken ausgesetzt sind. Zum einen haben die Tiere bei längeren und wiederkehrenden Auseinandersetzungen oft ganze Bißwundenfelder am unteren Rücken und den Flanken, im Extremfall reichen diese Felder bis zur Rückenmitte. Das zweite Hauptziel der Beißattacken sind die Oberarme der betroffenen Tiere. Diese sehen dann von oben aus wie Bodybuilder mit extrem trainierten Armen, da hier viele Bisse auf engem Raum angebracht werden und sich das Gewebe schnell entzündet und dadurch anschwillt.
Aus der Lokalisation der Wunden, lässt sich in der Regel das Verhältnis der Gegner ablesen. An den Oberarmen zerbissene Böcke haben meist zurückgebissen, während Tiere, die am Hinterkörper zerbissen wurden, meist die Flucht ergriffen haben.
Hier finden Sie eine kurze Bildergalerie zum Ablauf einer Auseinandersetzung bei Knirpsmäusen.
