Entflohene Tiere einfangen
Der Nager springt erschrocken auf den Boden oder knabbert sich durch sein Gehege oder Sie vergessen mal, eine Tür zu schließen. Es gibt viele Situationen, in denen ein Tier entwischen kann. Und dann stehen Sie vor der Frage: Wie kriege ich das Tier wieder in sein Gehege? Im Folgenden werden einige Tips gegeben, was zu beachten ist, und mehrere Varianten beschrieben, mit denen Sie die Tiere wieder einfangen können.
Wie finde ich das Tier in der Wohnung?
Wenn Sie nicht sofort bemerken, dass einer Ihrer Schützlinge auf der Flucht ist und die Tür offen stand, kann er in allen zugänglichen Räumen sein. Manche Tiere drücken sich auch unter einem Türspalt durch.
Entweder stellen Sie in jedem erreichbaren Zimmer eine Lebendfalle auf oder Sie füttern das Tier an.
Anfüttern bedeutet, dass Sie Wasser und Futter in jedem Raum aufstellen und die Türen schließen. Sie sehen dann an den benutzten Schüsseln, in welchem Raum sich der Nager aufhält und können ihn nun gezielter einfangen.
Suchen Sie Ihr Tier länger als 12 Stunden, sollten sie in jedem Fall Futter und Wasser aufstellen.
Mäuse fängt man besser zu zweit!
Wer keine Lebendfalle besitzt oder verwenden möchte und schon einmal alleine Mäuse aus der Wohnung fangen musste, weiß, warum man sie besser zu zweit fängt.
Meist verstecken sich die Tiere hinter oder unter Möbeln. Hier ist es praktisch, wenn Sie zu zweit sind. So kann ein Fänger das Tier aus seinem Versteck scheuchen, während der andere den flüchtenden Nager wieder einfängt. Das gilt für alle Fangmethoden, bei denen Sie den Tieren direkt auflauern.
Ein weiterer Vorteil der Jagd zu zweit: Der Helfer kann dem Tier den Fluchtweg versperren.
Insgesamt können Sie die Tiere also mit einem Helfer schneller und einfacher fangen als allein.
Die Wohnung ist gefährlich!
Die Wohnung birgt für ein Nagetier viele Gefahren. Die Versuchung, an freiliegenden Kabeln zu nagen, kann schnell das Letzte sein, was Ihr Schützling tut, wenn das Kabel genügend Strom führt.
Auch giftige Pflanzen wie Ficus, Efeu oder Dieffenbachie können dem Tier zum Verhängnis werden. Die Folgen können von Verdauungsbeschwerden bis hin zur tödlichen Vergiftung reichen.
Ebenfalls gefährlich sind Gegenstände und Gefäße, in die die Tiere zwar hineingelangen können, aber nicht wieder herauskommen. Werden sie nicht rechtzeitig gefunden, verdursten und verhungern die kleinen Säuger schnell.
Auch in der Wohnung selbst können entflohene Nager an Nahrungs- und Wassermangel sterben. Stellen Sie deshalb immer Futter und Wasser im betreffenden Raum auf.
Eine unterschätzte Gefahr sind offene Wasserflächen wie Gießkannen und ähnliches, in welche die Tiere auf der Suche nach Wasser fallen können. Da sie in der Regel nicht wieder aus dem Gefäß herauskommen, ertrinken sie. Besonders groß ist hier die Gefahr für entflohene Afrikanische Zwergschläfer, da diese eine große Affinität zu allen Flüssigkeiten, egal ob Gießkanne oder offene Milchpackung, zeigen.
Verschiedene Fangmethoden
Eimerfalle
Für die Eimerfalle brauchen Sie einen möglichst hohen Eimer sowie eine Leiste oder ein schmales Brett und etwas Futter. Verwenden Sie als Köder etwas, von dem Sie wissen, dass Ihr Tier es gern frisst.
Das Futter verteilen Sie auf dem Boden des Eimers. An den Rand stellen Sie die Leiste/das Brett, worauf der Nager hoch laufen kann.
Ein klarer Vorteil dieser Falle ist es, dass man die Utensilien dafür in der Regel im Hause hat.
Kleiner Nachteil: Manche Tiere springen wieder raus aus dem Eimer.
Diese Form der Falle eignet sich nur für Nager, die auch von einer gewissen Höhe nach unten springen. Für Farbmäuse kommt sie daher nicht infrage.
Faunabox
Mäusejagd mit der Transportbox. Bei dieser Methode benötigen Sie eine Faunabox ohne Deckel. Alternativ kann es aber auch ein Topf, eine tiefe Schüssel oder ähnliches sein. Dazu brauchen Sie noch eine Pappe, eine stabile Zeitschrift oder ähnliches.
Lauern Sie mit der umgekehrten Box dem Tier auf und stülpen Sie die Faunabox (bzw. das gewählte Gefäß) von oben über das Tier. Schieben Sie dann die Pappe darunter und tragen Sie das Tier so zurück ins Gehege.
Achten Sie darauf, dass die verwendete Box groß genug ist für das zu fangende Tier. Sonst besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr!
Vorteil dieser Methode: Neben einer Box können auch Haushaltsgegenstände verwendet werden, die in jedem Haushalt zu finden sind.
Nachteil: Die Methode braucht (viel) Geduld. Man muß manchmal stundenlang lauern, bis der Nager sich aus seinem Versteck traut. Zudem besteht die Gefahr, dass das Tier im Eifer des Gefechts eingeklemmt wird. Im Zweifelsfall also lieber laufen lassen und einen neuen Fangversuch starten.
Geeignet ist diese Fangmethode alle Mäuse und Rennmäuse. Sie können sie auch für Schläfer verwenden. Für diese gibt es aber bessere Fangmethoden.
Gitterklappfalle
Gitterklappfallen sind typische Lebendfallen. Sie bestehen aus einem Gitterkäfig und einer von oben schließenden Klappe, die über eine Feder gespannt und durch einen Kontaktmechanismus ausgelöst wird. Diese Form der Lebendfalls gibt es in verschiedenen Größen und Maschenweiten, so dass Sie durchaus auch rattengroße Nager damit einfangen können.
Gitterfallen gibt es in den meisten Bau- und Gartenmärkten sowie in manchen Zoohandlungen.
Vorteil: Sie müssen dem Nager nicht stundenlang auflauern. Meist gehen die Tiere schon in der ersten Nacht in die Falle. Zudem bleibt dem Tier der Streß einer aktiven Jagd erspart.
Nachteil: Wenn das Tier vorher auf der Falle herumklettert, kann es den Schließmechanismus schon auslösen. Wenn der Auslöser nicht richtig gespannt wurde, können sich die Tiere bei zu schnellem Auslösen einklemmen.
Geeignet ist die Gitterfalle in der entsprechenden Größe für alle Tiere außer Zwergschläfer, die durch den meist vorhanden Spalt unter der Klappe schnell wieder flüchten, und sehr kleine Mäusearten wie Knirps- oder Zwergmäuse.
Hand
Sie fangen die Tiere einfach mit der hohlen Hand.
Vorteil: Sie benötigen kein Equipment und können sich sofort auf die Jagd begeben.
Nachteil: Nur für sehr wenige Tiere geeignet.
Diese Methode eignet sich nur für recht langsam flüchtende, eher zahme Tiere, die nicht beißen. Für bissige Tiere, können Sie aber auch entsprechende Handschuhe überziehen.
Häuschen
Wählen Sie ein geschlossenes Häuschen mit Boden und aufklappbarem Deckel, also am besten einen Nistkasten oder etwas Ähnliches. Füllen Sie dieses mit Streu aus dem Gehege des entflohenen Nagers und mit etwas Futter und stellen Sie es in einen geschützten Winkel des Raumes in der Nähe des Nagers. Lassen Sie es mindestens 24 Stunden stehen. Halten Sie dann das Einstiegsloch zu und tragen Sie das Häuschen zurück ins Gehege und schauen Sie, ob der Nager darin geschlafen hat. Wenn nicht, wiederholen Sie die Prozedur. Achten Sie beim Fangen darauf, wann Ihr Nager normalerweise schläft. Nur dann lohnt es, das Häuschen zu kontrollieren.
Vorteil: Man muß lediglich das Häuschen aufstellen. Die Methode ist also wenig zeitintensiv. Man kann sie auch gut parallel zu anderen Fangmethoden anwenden.
Nachteil: Nicht alle Nager siedeln sich auch wirklich im Häuschen an.
Geeignet für alle Nager, die gern Häuschen und Höhlen als Schlafplatz nutzen.
Kescher
Kescher gibt es in den verschiedensten Ausführungen und für die verschiedensten Zwecke. Für die Nagerjagd eignet sich ein Kescher von mindestens 20 cm Durchmesser mit einem möglichst langen Stab.
Achten Sie darauf, dass die Maschenweite auch zu Ihren Pfleglingen passt. Sie sollte nicht zu groß sein, da der Nager sich sonst gefährlich im Netz verfangen kann oder schlicht durch die zu großen Maschen schlüpft.
Vorteil: Sie müssen an scheue Tiere nicht so nah herankommen. Außerdem kommen Sie mit dem Kescher auch hinter und unter diverse Möbel.
Nachteil: Es besteht die Gefahr, das Tier mit dem Rand des Keschers einzuklemmen und so zu verletzen. Im Zweifelsfall sollten Sie den Flüchtling also lieber noch einmal laufen lassen. Außerdem bedarf diese Methode eines gewissen Maßes an Geduld, da es einige Zeit dauern kann, bis sich das entflohene Tier aus seinem Versteck traut.
Geeignet ist der Kescher vor allem für sehr scheue Tiere.
TripTrap
Die TripTrap ist eine Lebendfalle aus leicht durchsichtigem, braunen Kunststoff, die über einen Klappmechanismus schließt ähnlich wie die Gitterfalle, nur dass hier keine Feder gespannt werden muß. Sehr praktisch ist das abnehmbare Endstück. So können Sie ihren Flüchtling problemlos aus der Falle nehmen. Außerdem lässt sich die Falle sehr gut reinigen.
Vorteil: Durch den veränderten Auslösemechanismus entfällt die Gefahr, dass sich die Tiere einklemmen können.
Nachteil: Nur für kleinere Arten geeignet. Zudem ist die Lüftung nicht sehr gut, da die Falle fast komplett geschlossen ist. Die Tiere sollten also nicht allzu lange darin sitzen müssen.
Besonders geeignet ist die TripTrap für Zwergschläfer und sehr kleine Nager wie Farb- oder Knirpsmäuse. Für größere Arten ist sie schlicht zu klein. Einige Arten, wie beispielsweise Stachelmäuse gehen einfach nicht in die Falle, sondern laufen meist drüber.
Tüte
Nehmen Sie eine einfache Plastiktüte – möglichst keine knisternde – und füllen Sie sie mit Heu und etwas Streu aus dem Gehege des entflohenen Tieres. Legen Sie die gefüllte Tüte in eine geschützte Ecke und warten Sie ab, bis sie das Tier in der Tüte rascheln hören. Dann halten Sie einfach die Tüte zu und tragen das Tier darin zurück ins Gehege.
Sie können die Tüte auch über Nacht liegen lassen und morgens mal nachschauen, ob sich die Maus eingenistet hat.
Vorteil: Die Bestandteile der Falle sind in fast jedem Haushalt vorhanden.
Nachteil: Die Methode bedarf einiger Geduld.
Geeignet ist die Methode für alle Echten Mäuse und viele Rennmausarten.
