Gehölze und Äste
Geeignete Gehölze
- Birke (Blätter nur in kleinen Mengen, enthalten viel Gerbsäure)
- Buche (ohne Blätter, diese enthalten Oxalsäure)
- Eberesche
- Erle
- Espe (nicht frisch, Blätter und Rinde enthalten Salicylsäure-Verbindungen)
- Haselnuss (alle Formen)
- Kernobst (Apfel, Birne, etc.)
- Linde
- Pappel (alle Arten und Zuchtformen)
- Platane
- Steinobst (Kirsche, Pfirsich, etc.; in Maßen, ohne Blätter)
- Ulme
- Weide (nicht zu oft frische Zweige, Rinde enthält Gerbsäure und Salicin)
Ungeeignete Gehölze
- alle Nadelgehölze (enthalten ätherische Öle, die Nager nicht vertragen)
- Kastanie und Eiche (enthalten arzeneiliche Bestandteile)
- Walnuß und Lebensbaum (giftig!)
Auswahl des Holzes
Bäume, die an viel befahrenen Straßen oder mitten in der Stadt stehen, sind sehr starker Schadstoffbelastung ausgesetzt und daher für das Nagerheim ungeeignet.
Achten Sie außerdem darauf, dass die Äste nicht unter einer Höhe von 1,50 m zum Boden oder in der Nähe von Vogelnestern geschnitten werden. So vermeiden Sie eine mögliche Ansteckung mit Keimen oder Parasiten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie Zweige und Äste ohne Desinfektion anbieten möchten.
Sammeln Sie kein Totholz! Auch wenn es nicht immer sichtbar ist, setzen sich totem Holz schnell Schimmelpilze fest, die Ihre Tiere dann gesundheitlich durch Aufnahme beim Knabbern oder beim Einatmen schädigen können.
Manche Baumarten, z.B. Kirsche, harzen recht stark. Achten Sie darauf, daß sich an den angebotenen Ästen kein Harz mehr befindet!
Ein weiterer Wahlaspekt für die neuen Äste oder Zweige ist die Rindenstruktur in Hinblick auf den Verwendungszweck. Während es bei Zwergschläfern unerheblich ist, welche Struktur die Rinde aufweist, sollte man bei Mäusen und Rennmäusen einige Gedanken darauf verwenden.
Sind die Äste für Farbmäuse, Stachelmäuse oder andere stark kletternde Arten vorgesehen, empfehlen sich für senkrechte oder sehr schräg gestellte Äste Hölzer mit strukturierter Rinde (z.B. Apfel). Sind die Äste jedoch für Rennmäuse oder Echte Mäuse als eher waagerechte Sitzgelegenheit oder gar reine Deko gedacht, können auch Baumarten mit sehr glatter Rinde verwandt werden (z.B. Platane).
Geschnitten werden können in aller Regel Zweige, Äste und bei entsprechend großen Gehegen ganze Baumkronen. Das richtet sich im Einzelnen nach der Mäuseart und dem Verwendungszweck des Holzes.
Neben Ästen und Zweigen können Sie sich von einem gefällten Baum auch Baumscheiben sägen oder sägen lassen und diese als optisch schöne Sitzgelegenheit für die Tiere verwenden.
Große Holzstücken ablagern!
Möchten Sie für Ihre Tiere sehr große Äste oder Stammstücke verwenden, so müssen diese vorher getrocknet werden, da sie sonst sehr schnell im Gehege schimmeln.
Bei Ästen reichen je nach Dicke meist 7 bis 14 Tage trockene Lagerung. Sehr dicke Äste sollten mehrere Wochen, Stammstücke je nach Dicke bis zu einem Jahr ablagern.
Behandlung
Es gibt mehrere Möglichkeiten der Reinigung von Ästen und Zweigen.
Zum einen kann der frische Schnitt ins Gehege gebracht werden, wie er ist. Das hat den Vorteil, dass Blätter und Knospen noch intakt sind und von den Mäusen gern an- oder aufgefressen werden. Sie können dieses Holz aber auch vorher kurz kalt abduschen.
Möchten Sie das Holz so anbieten, achten Sie unbedingt auf die vorher genannten Auswahlkriterien!
Wollen Sie gründlicher vorgehen, um die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung von Parasiten und Keimen zu reduzieren, können Sie Äste und Zweige auch gründlich klar und heiß abduschen. Größere Äste können Sie zusätzlich mit der Bürste schrubben. So sind die Hölzer zwar sauberer, aber Blätter und Knospen leiden und werden für die Tiere dadurch uninteressant. Interessante Komponenten wie Flechten und Moose gehen ebenfalls durch Schrubben verloren. Zudem entfernen Sie beim Waschen einen Großteil der interessanten, fremden Gerüche.
Wer Äste regelrecht desinfizieren will, muß mit Chlorix oder ähnlichen Reinigern und viel heißem Wasser arbeiten. Am besten eignet sich dieses Verfahren für große, vorgetrocknete Äste. Vergessen Sie auf keinen Fall nach der Anwendung des Reinigers GRÜNDLICH mit viel klarem Wasser nachzuspülen. Der Reiniger kann für Ihre Tiere sonst gefährlich werden.
Ebenfalls sehr sauber bekommen sie vor allem größere Äste auch mit einem guten Dampfreiniger. Dieser hat den Vorteil, dass er ohne Chemie auskommt. Frisches Grün, Flechten und Moose leiden aber auch hier.
Im Winter können Sie die Äste auch bei Minustemperaturen mehrere Tage geschützt auf dem Balkon lagern. Potentielle Parasiten überleben die Kälte meist nicht.
Kleinere Aststücken können Sie auch in der Tiefkühltruhe einfrieren. Bei kleinen, grünen Zweigen lohnt sich das nicht, da die interessanten Bestandteile (Blätter, Knospen grüne Rinde) durch die niedrige Temperatur weitgehend zerstört werden.
Wurzeln
Mopani
Mopani ist sehr schönes, zweifarbiges, tropisches Holz. Sie erkennen es an der charakteristischen Aufteilung in hell- und dunkelbraune Anteile und an der relativ glatten Oberfläche. Im Gegensatz zu Mangrovenholz ist auch recht schwer.
Mopani oder Eisenholz ist wie die Bezeichnung „Savannenholz“ kein Name für ein Gehölz sondern ein Handelsname unter dem die Wurzeln vieler verschiedener Baumarten aus den unterschiedlichsten Herkunftsgebieten verkauft werden.
Diese Wurzeln enthalten Humin- und Gerbstoffe in sehr unterschiedlicher Konzentration. Jedoch nicht nur tropische Wurzeln enthalten Gerbstoffe, die so genannten Tannine. Bei einheimischen Hölzern sind die der Eichen sehr tanninhaltig.
Tannine wirken astringierendzusammenziehend → das Adstringens wirkt auf Schleimhäute und Wunden abdichtend und reizmildernd, hemmt die Sekretion der Verdauungsdrüsen
, schützen die Schleimhäute und setzen die Sekretion herab. Außerdem werden sie in der Medizin auch zur Blutstillung eingesetzt und sie vermindern die Aufnahme giftiger Stoffe vom Körper. Trotz ihrer positiven medizinischen Wirkung gelten Tannine bei einer Überdosis als krebserregend.
Der Gerbstoffgehalt einer Wurzel lässt sich verringern, indem Sie die Wurzel gründlich auskochen oder über einige Monate, besser ein Jahr in einem Fischaquarium liegen lassen. Hier schwemmen sich die Gerbstoffe nach und nach aus.
Mopani gilt nur dann als ungefährlich, wenn die Mäuse nicht andauernd daran nagen. Beobachten Sie deshalb ihre Tiere und entfernen Sie die Wurzel, falls sie zum bevorzugten Nageobjekt wird.
Auswahl
Es gibt zwei Möglichkeiten, für die Tiere Wurzeln zu finden. Zum einen können Sie das Holz in Zoohandlungen oder Internetshops kaufen. Rodipet etwa verkauft ausgewaschene Holzwurzeln von einheimischen Laubbäumen. In den Aquaristik- und Terraristikshops und –abteilungen finden Sie fast immer diverse Wurzeln zum Verkauf. Hier ist allerdings fast immer tropisches Holz wie Mopani oder Mangrovenwurzeln anzutreffen.
Zum anderen können Sie die Wurzeln selbst roden und aufbereiten. Das ist zwar die kostengünstigere, aber deutlich aufwändigere Variante. Wählen Sie grundsätzlich Wurzeln möglichst unbelasteter Bäume und nur solche Hölzer, von denen Sie auch die Äste verwenden können.
Unbelastete Bäume finden Sie zum Beispiel im Garten, an Wiesen, in Parks oder im Wald. Wichtig ist in jedem Fall, daß der Baum nicht allzu nah an viel befahrenen Straßen, Hundehauptwegen oder gespritzten Feldern stand.
Fragen Sie beispielsweise das Grünflächenamt Ihrer Stadt, wann und wo Bäume gefällt und Wurzeln entfernt werden und ob es möglich ist, dort je nach Größe ganze Wurzeln oder Wurzelteile zu bekommen.
Wurzeln aufbereiten
Wurzeln selbst für ein Gehege aufzuarbeiten, dauert eine ganze Weile und bedarf je nach Größe der Wurzel auch einer gewissen Anstrengung, wenn Sie die Wurzel wirklich sauber und weitestgehend von möglichen Parasiten und Keimen befreien wollen.
- Befreien Sie die Wurzel grob von der Erde.
- Lassen Sie sie mindestens 4 Wochen trocknen.
- Entfernen Sie angetrocknete Erdereste mit einer festen Bürste, sehr feste Reste am besten mit einem Schraubenzieher.
- Waschen Sie weitere Erdereste mit heißem Wasser gründlich ab!
- Kochen Sie die Wurzel oder überbrühen Sie sie.
- Gekochte Wurzeln sollten Sie jetzt mindestens 12 Wochen trocknen lassen. Danach können Sie sie verwenden.
- Lassen Sie die überbrühte Wurzel wieder etwa 4 Wochen trockenen.
- Schrubben Sie die Wurzel gründlich mit Bürste und Chlorix oder einem ähnlichen Reiniger ab oder verwenden Sie einen Dampfreiniger.
- Spülen Sie den Reiniger gründlich mit viel heißem Wasser ab.
- Lassen Sie die Wurzel 8 bis 12 Wochen trocknen. Dann können Sie sie verwenden.
Natürlich müssen die Wurzeln nicht unbedingt mit diesem aufwändigen Prozedere gereinigt werden. Sie können auch naturbelassenere Wurzeln für das Gehege verwenden. Jedoch steigt damit auch die Gefahr, unerwünschte Keime, Wurmeier und andere Parasiten einzuschleppen, mit dem Grad der Naturbelassenheit des Holzes.


