Gehegebeurteilungen
1. Nagerschrank
Der Nagerschrank ist ein für Kleinnager umgebauter Schrank mit einer oder mehreren Etagen, der meistens am Boden eine Buddeletage enthält oder für die meisten Arten zumindest enthalten sollte. Er kann aus Kleiderschränken, Kommoden und ähnlichen Möbeln hergestellt werden.
- bietet meistens sehr viel Platz für die Tiere
- gut einzurichten
- lässt sich je nach Bauart sehr hoch einstreuen
- lässt sich beim Bau gut an die geplante Tierart anpassen
- gute Lüftung durch große, senkrechte Lüftungsflächen
- Tiere können von vorn angefasst werden
- Wasserflaschen sind leicht zu befestigen
- Gitter als zusätzliche Kletterfläche
- schützt die Tiere auch vor Zug, wenn nur eine Fläche vergittert ist
- sehr selten störende Geräusche durch Gitternagen
Nachteile:
- je größer der Schrank ist, umso schwieriger ist es, den Überblick über die Tiere und ihren Gesundheitszustand zu behalten
- Einstreu krümelt auch mit den besten Verblendungen heraus
Eignung:
- gut geeignet für alle gut bis sehr gut kletternden Mäuse und Rennmäuse (Farbmäuse, Stachelmäuse, Buschschwanz-Rennmäuse, etc.)
- bedingt geeignet für Bleiche Rennmäuse, Mongolische Rennmäuse, Grasmäuse und ähnliche Nager (anpassen!)
- nicht geeignet für schlechte Kletterer wie etwa Duprasi-Rennmäuse
2. Voliere
Volieren bestehen an mindestens 3 Seiten aus Gitter mit einem Holz- oder Metallrahmen und sind in der Regel deutlich höher als breit. Im Zoohandel gibt es vor allem Volieren mit Parallelgitter zu kaufen. Selbstbauten wie auch Bausätze einiger Internetanbieter haben in der Regel Maschengitter.
Vorteile:
- bieten ausreichend bis viel Platz für die Tiere
- Etagen, Äste u.ä. lassen sich gut befestigen
- Selbstbauvolieren lassen sich beim Bau gut an die geplante Tierart anpassen
- sehr gute Lüftung
- Tiere können von vorn angefasst werden
- Gitter als zusätzliche Kletterfläche
Nachteile:
- handelsübliche Volieren haben eine niedrige Bodenschale, es fällt dadurch Streu heraus (kann bei Selbstbauten durch hohe Bodenverblendungen vermieden werden)
- bei handelsüblichen Volieren keine hohe Einstreu möglich
- störende Geräusche durch Nagen und Klettern am Gitter
- bei Volieren mit Parallelgitter Fluchtgefahr und Gefahr, dass Tiere stecken bleiben
- schützt nicht vor Zug
Eignung:
- gut geeignet für sehr gut kletternde Nager (z.B. Zwergschläfer, Stachelmäuse, Weißfußmäuse, Akazienratten)
- bedingt geeignet mäßig bis gut kletternde Arten (z.B. Persische Rennmäuse, Farbmäuse, Buschschwanz-Rennmäuse)
- nicht geeignet für schlecht oder gar nicht kletternde Arten (z.B. die meisten Rennmäuse, Wühlmäuse)
3. Selbstbau
Vor- und Nachteile sowie Eignung lassen sich hier schlecht darstellen, da sie von Form und Ausführung abhängen. Klarer Vorteil ist jedoch, dass der Selbstbau perfekt an die Bedürfnisse der geplanten Nager angepasst werden kann.
Auf dem Bild sehen Sie als Beispiel ein Gehege, das hier für Afrikanische Knirpsmäuse entworfen und gebaut wurde.
4. Käfig
Käfige gibt es im Handel mit Gitteroberteil und Plastikunterschale. Die für Mäuse angebotenen Größen reichen von 30x21x17 cm bis zu 100x50x45 cm. Es gibt aber auch große, für Mäuse geeignete Käfige, die vom Handel eigentlich als Hörnchenkäfige verkauft werden.
Vorteile:
- bei vielen kann man von vorn auf die Tiere fassen
- Inventar und Trinkflaschen lassen sich leicht befestigen
- Gitter als zusätzliche Kletterfläche
- gute Durchlüftung
- handlich
Nachteile:
- häufig zu klein
- zu flache Unterschale, dadurch fällt Einstreu heraus
- hohe Einstreu nicht möglich
- relative hoher Geräuschpegel durch Gitternagen
- Ausbruchsgefahr und Gefahr, dass Tiere stecken bleiben
- Entwicklung von Stereotypen durch zu geringe Größe
- kein Schutz vor Zug
- bei manchen Modellen kann man nur von oben auf die Tiere fassen
- oft verglichen mit tiergerechten Eigen- oder Umbauten sehr teuer
Eignung:
- in jeweils entsprechender Größe gut geeignet für kleine Gruppen von Farbmäusen
- für Vergesellschaftungen
- ungeeignet für fast alle Echten Mäuse (Ausnahme: Hörnchenkäfige) und alle Rennmäuse
5. Aquarium
Leere Aquarien sind in der Nagerhaltung sehr beliebt. Sie sollten für die Säugerhaltung niemals höher als breit sein.
Vorteile:
- Streu kann beim Graben nicht herausfallen
- kann hoch eingestreut werden
- keine störenden Gitterstäbe
- kein Gitternagen (außer evtl. am Deckel)
- schützt vor Zug
Nachteile:
- Befestigung von Inventar und Trinkflasche ist schwierig
- in entsprechenden Größen schwer und unhandlich
- vergleichsweise schlechte Belüftung
- wird meist zu selten gereinigt, da der Geruch erst spät nach außen dringt
- Tiere müssen von oben angefasst werden
Eignung:
- gut geeignet für wenig bzw. schlecht bis gar nicht kletternde Arten (z.B. diverse Wühlmäuse, sehr viele Rennmäuse)
- bedingt geeignet für mäßig kletternde Arten (z.B. Baumwollratten)
- ungeeignet für Tiere, die sehr gut klettern und/oder viel Urin abgeben und damit eine hohe Ammoniakentwicklung haben (z.B. Farbmäuse, Stachelmäuse, Streifenmäuse)
6. Aquarium mit Volierenaufsatz
Auf ein handelsübliches Aquarium wurde ein volierenartiger Aufsatz von mindestens 50 cm Höhe gebaut.
- Streu kann beim Graben nicht herausfallen
- kann hoch eingestreut werden
- schützt zum Teil vor Zug
- bietet am Gitter zusätzliche Kletterfläche
- bietet ausreichende Höhe
- die Tiere sitzen nicht immer in der „dicken“ Bodenluft
- sehr gute Durchlüftung im Volierenteil
- Etagen, Inventar und Wasserflasche lassen sich im Volierenteil gut befestigen
- Tiere können z.T. von vorn angefasst werden
Nachteile:
- in entsprechenden Größen schwer und unhandlich
- am Boden vergleichsweise schlechte Belüftung
- weniger Schutz vor Zug
- Geräusche durch Nagen und Klettern am Gitter
- Streu kann von den Etagen um das Aquarium herum verkrümelt werden
Eignung:
- in entsprechenden Größen gut geeignet für alle gut bis sehr gut kletternden Mäuse und Rennmäuse (Farbmäuse, Stachelmäuse, Buschschwanz-Rennmäuse, etc.)
- bedingt geeignet für mäßig kletternde Nager (z.B. Streifenmäuse)
- nicht geeignet für schlechte Kletterer (z.B. Duprasi-Rennmäuse)
7. Terrarium
Terrarien sind Glasbehälter mit verschiebbaren Frontscheiben sowie waagerechten oder senkrechten Lüftungsgittern.
Vorteile:
- keine störenden Gitterstäbe
- kein Gitternagen
- die Tiere können von vorn angefasst werden
- kann wesentlich höher sein als ein Aquarium
- bei ausreichend großen, senkrechten Lüftungsgittern gute Lüftung
- Schutz vor Zug
Nachteile:
- Trinkflasche, Etagen und Inventar sind nur schwer zu befestigen
- bei waagerechten Lüftungsgittern schlechte Durchlüftung
- werden oft zu spät sauber gemacht, da der Halter Geruch erst spät bemerkt
- kann nicht sehr hoch eingestreut werden
- Streu krümelt durch die unteren Lüftungsgitter
- teuer
- in passenden Größen schwer und unhandlich
Eignung:
- in entsprechender Größe gut geeignet für nicht wühlende, mäßig kletternde Arten
- ungeeignet für gut bis sehr gut kletternde und wühlende Arten
- für Arten mit starker Urinausscheidung und damit verbundener Ammoniakbildung ungeeignet (z.B. Farbmäuse, Streifenmäuse, Vielzitzenmäuse)
8. Mäusetisch
Der Mäusetisch ist ein ganz normaler Tisch, dessen Fläche lackiert und mit einer Umrandung versehen wurde. Darauf verteilen sich Häuschen, Äste und anderes Mäusespielzeug.
Vorteile:
- sehr gute Durchlüftung
- man muss nicht von oben auf die Tiere fassen
- kein störendes Gitter
- kostengünstig
- leicht zu reinigen
- auch für handwerklich weniger begabte Menschen geeignet
Nachteile:
- kein Schutz vor Zug
- Mäuse können runterfallen oder runterspringen
- Einstreu krümelt auf den Boden
Eignung:
- nur für Farbmäuse, alle anderen Mäuse bleiben nicht auf der offenen Fläche
9. Duna
Als Duna werden Käfige bezeichnet, die eine farbige Plastikunterschale haben und deren durchsichtiges Plastikoberteil einen Gitterdeckel hat. Diese gibt es in einer Größe von 50 bis 100 cm Seitenlänge mit schmalem Mäusegitter.
Vorteile:
- es krümelt nichts raus
- guter Überblick über die Tiere
- leicht
- sehr einfach und gut zu reinigen
- überlebt auch scharfe Desinfektionsmittel
Nachteile:
- schlechter Luftaustausch, dadurch Ansammlung von Ammoniak, Schimmelbildung, Bakterienansammlungen
- zu niedrig für die meisten Arten
- für fast alle Arten zu klein
- wird an den Öffnungen für die Wasserflasche oder den Clips fast immer angenagt
- man muß von oben auf die Tiere fassen
Eignung:
- geeignet als Quarantänekäfig für maximal 4 Wochen oder als Langstrecken-Transportbox
- ungeeignet zur dauerhaften Haltung jedweden Säugetieres
10. Habbitrail und Spacie
Habbitrails sind meist braun-grüne Käfige mit einer Größe von 40 x 25 x 24 cm, die zur etwa zwei Drittel aus Plastik und zu einem Drittel aus Gitter aus bestehen. Dazu gibt es noch zahlreiche Röhrensysteme und Endstücke. Spacies sind ähnliche Käfig in knallbunten Farben. Das Plastikinventar wird bei beiden Formen mitgeliefert. Weiteres Zubehör kann man für teures Geld erstehen.
Vorteile:
- konnte leider noch keine entdecken
Nachteile:
- deutlich zu klein
- Erstickungsgefahr in Röhren und Endstücken
- Ansammlung von Ammoniak in Röhren und Endstücken (Lungenschädigung)
- außer im Hauptkäfig kaum Luftaustausch
- mitgeliefertes Laufrad ist meist zu klein
Eignung:
- eignet sich nur für den Müll, da nicht mal als TB so wirklich zu gebrauchen
11. Hamsterflipper
Der Hamsterflipper ist in Form und Optik einem Flipperautomaten nachempfunden und besteht aus Plastik. Die Bodenfläche hat vorn oben ein Lüftungsgitter mit Tür. Im senkrechten Teil befindet sich ein Labyrinth, durch das die Tiere wie eine Flipperkugel laufen sollen. Mein Fazit dazu: Tiere sind keine Flipperkugeln. Dieser Käfig ist teuer und nicht einmal als Transportbox geeignet, geschweige denn zu dauerhaften Haltung der Tiere.

