Schwanger – und nun?
Schwangere Tiere bedürfen besonderer Pflege. Doch nicht immer ist der Nachwuchs auch geplant. Was also tun, wenn Sie merken, dass Ihre Maus schwanger ist? Hier ein paar wichtige Grundsätze für Besitzer schwangerer und säugender Tiere:
1. Ruhe
Schwangere und säugende Tiere brauchen möglichst viel Ruhe. Vermeiden Sie unnötige Arbeiten am und im Gehege sowie laute Geräusche im Raum. Fühlen sich die Tiere gestört, verlassen Sie den Nachwuchs, verlegen das Nest oder fressen den Nachwuchs im schlimmsten Fall sogar auf. Während Farbmäuse gegen Störungen, wie beispielsweise ins Nest Schauen, noch etwas toleranter sind, nehmen es viele exotische Mäuse sehr schnell übel, wenn man sie während der Schwangerschaft oder der Jungenaufzucht zu sehr stresst und zu oft behelligt. Die Chance, dass der Nachwuchs das mit dem Leben bezahlt, ist recht groß.
2. Proteine
Während der Schwangerschaft und der Säugezeit muß die Mutter nicht nur Proteine zum Erhalt ihres eigenen Körpers bereitstellen. Auch die Jungtiere müssen aus ihren Reserven versorgt werden. Und sie benötigen als Tiere im Wachstum viel mehr Protein zum Aufbau ihres Körpers als ein bereits ausgewachsenes Tier.
Daher benötigt das Muttertier deutlich mehr Proteine in seiner Nahrung, um die enormen Mengen, die die Jungen benötigen, auch bereitstellen zu können. Die Mutter sollte daher jederzeit Zugang zu einer Proteinquelle im Futter haben.
Bei mangelnder Versorgung mit dem lebensnotwendigen Baustoff, kann es passieren, dass die Mutter sich die notwendigen Proteine holt, indem sie ihren Nachwuchs ganz oder zumindest einige Junge auffrisst. Doch auch wenn sie die Kleinen großzieht, sind diese dann in der Regel kleiner, dünner und schwächer als ausreichend versorgte Tiere im gleichen Alter.
3. Nistmaterial
Wenn Sie den Verdacht haben oder wissen, dass Ihr Tier schwanger ist, stellen Sie ihm etwas mehr Nistmaterial zur Verfügung, so dass die Mutter das Geburtsnest nach ihren Wünschen polstern und ausbauen kann. Dafür können Sie beispielsweise Heu, Baumwollstreu oder nicht (!) reißfeste Küchentücher anbieten.
4. Nicht vergesellschaften
Ist ein Weibchen schwanger oder hat es noch nicht selbständigen Nachwuchs, sollten Sie von einer Vergesellschaftung mit fremden Tieren absehen.
In den meisten Fällen wird die neue Gruppe den Nachwuchs der von ihnen aufgenommenen Mutter töten, wenn er geboren wird. Auch schon vorhandene, nicht selbständige Junge werden oft getötet.
Diese Gefahr besteht auch dann, wenn die Gruppe die Mutter selbst sehr unkompliziert und freundlich aufgenommen hat. Wenn Sie den Nachwuchs also aufziehen möchten, sollten Sie mit einer Vergesellschaftung warten, bis die Jungtiere alt genug und einigermaßen selbständig sind.
5. Nicht umsiedeln
Gerade für Exoten gilt dieser Punkt. Siedeln Sie die Mutter mit Nachwuchs nach Möglichkeit nicht um. Wie bereits in Punkt 1 beschrieben, nehmen die meisten Arten Störungen sehr übel.
Dies gilt auch für Mütter kurz vor der Geburt. Werden sie kurz vor der Niederkunft noch umgesiedelt, fressen oder verlassen auch sie oft den Nachwuchs.
6. Wann ins Nest schauen?
Zügeln Sie Ihre Neugier, auch wenn es schwer fällt. Ob Jungtiere da sind, hören Sie in vielen Fällen an dem leisen, aber deutlich vernehmbaren Piepsen im Nest. Solange es piepst, sind die Jungen auch da. Doch auch wenn Ruhe ist, sollten Sie nicht sofort ins Nest schauen. Nicht alle Arten haben gesprächige Jungtiere und manchmal schlafen die Babys auch einfach.
Angst, dass vielleicht tote Babys das Nest verunreinigen, müssen Sie nicht haben. Die Mutter räumt das Nest sehr gründlich auf, frisst Totgeburten oder gestorbene Jungtiere oder entfernt sie zumindest aus dem Nest.
Frühestens nach reichlichen 14 Tagen bis 3 Wochen – je nachdem wie frühreif die von Ihnen gehaltenen Tiere sind – sollten Sie einen vorsichtigen Blick riskieren. Tun Sie das möglichst dann, wenn die Mutter gerade unterwegs ist und berühren Sie die Jungtiere nicht. So fühlt sich die Mutter am wenigsten gestört und Sie gefährden den Nachwuchs nicht.
7. Wann anfassen?
Auch beim Anfassen gilt: Geduld ist eine Tugend! Vermeiden Sie es, die Jungtiere zu berühren, solange diese nicht von selbst das Nest verlassen und das Gehege erkunden.
Kinder von Arten, die es auch als erwachsene Tiere nicht schätzen, berührt zu werden, sollten Sie nach Möglichkeit gar nicht anfassen.
8. Wann wieder ausmisten?
Sobald die Jungtiere alle das Nest das erste Mal verlassen haben, können Sie das Gehege reinigen. Nehmen Sie das Geburtsnest jedoch nach Möglichkeit komplett raus, ohne es zu zerstören und geben Sie es den Tieren wieder in das gesäuberte Gehege. Sie können es dann mit dem nächsten Ausmisten entsorgen.
Läßt sich das Ausmisten unter keinen Umständen vermeiden, entnehmen Sie am besten das gesamte Nest mit den Jungen. Schieben Sie dafür die Hand unter das Nest und legen Sie es vorsichtig in eine Box. Setzen Sie das Nest samt Mäusekindern auch genauso zurück. So vermeiden Sie es, die Kleinen zu berühren.
Manche Exoten neigen in Transportboxen zu Aggressionen gegenüber ihrem Nachwuchs. Trennen Sie die Mutter und die restliche Gruppe also besser für die Zeit der Gehegereinigung von den Jungtieren.