Kastration
Warum kastrieren?
Es gibt mehrere Gründe, warum Nager kastriert werden. An erste Stelle stehen dabei aggressive oder schon zerstrittene Böcke, wie sie etwa bei Farbmäusen häufig, aber auch mitunter bei einigen Exoten vorkommen.
Auch werden Böcke kastriert, um sie in einer Gemeinschaft mit Weibchen halten zu können, ohne eine Bevölkerungsexplosion bei den Nagern befürchten zu müssen.
Es gibt jedoch auch eine medizinische Indikation für eine Kastration. Besteht etwa der Verdacht auf eine Hodendrehung oder Veränderungen am Hoden, entscheidet der Tierarzt sich mitunter für die Operation.
Einige Leute lassen ihre Böcke, vor allem bei Farbmäusen, des Geruches wegen kastrieren. Dies als alleiniger Grund ist nicht akzeptabel, da eine Kastration einen großen, sehr verändernden Eingriff für das Tier darstellt.
Das Kastrationsrisiko
Mäuse sind in der Regel sehr kleine, leichte Tiere. Das macht den Eingriff schwieriger als bei großen Tieren, da unter anderem die Narkose schwieriger zu dosieren ist. Wählen Sie daher immer einen erfahrenen Tierarzt, der Übung im Umgang mit solch kleinen Tieren hat, und lassen Sie den Bock nach Möglichkeit mit einer Inhalationsnarkose betäuben, da diese am verträglichsten ist. Lassen Sie sich ausgiebig beraten, fragen Sie Ihren Tierarzt nach seinen Erfahrungen mit solchen Eingriffen und seinen Erfolgen. Die Wahl des richtigen Tierarztes und der richtigen Narkose ist entscheidend für das Leben Ihres Böckchens!
Geschwächte, sehr junge, sehr alte und adipöse Tiere sowie Nager mit Missbildungen haben ein teils deutlich erhöhtes Narkoserisiko.
Achtung: Die Narkoseverträglichkeit ist auch bei Gas nicht bei allen Mäusearten gleich! Daher hier eine kurze Liste der Tiere, von Arten, die bei meinem Tierarzt schon erfolgreich narkotisiert wurden:
- Afrikanische Vielstreifen-Grasmäuse
- Afrikanische Vielzitzenmäuse
- Akazienratten (schlafen sehr lange und tief, vorsichtig dosieren!)
- Baumwollratten
- Bleiche Rennmäuse
- Buschschwanz-Rennmäuse
- Farbmäuse
- Fettschwanz-Rennmäuse
- Grauer Steppenlemming (sehr sensibel, vorsichtig dosieren, Narkose möglichst kurz)
- Indische Nacktsohlen-Rennmäuse
- Mongolische Rennmäuse
- Shaw-Rennmäuse
- Sinai-Stachelmäuse
- Striemengrasmäuse
- Weißfußmäuse
Wer kann kastriert werden?
Kastriert werden grundsätzlich nur Böckchen, da dieser Eingriff für Nagerweibchen dieser Größen zu aufwändig und zu gefährlich ist. Während bei Böcken nur ein Eingriff im Hodensack stattfindet, muß bei Weibchen die Bauchhöhle komplett eröffnet werden.
Bei Farbmäusen gilt: Der Bock sollte mindestens 12 Wochen alt sein und zwischen 30 und 50g wiegen. Die obere Altersgrenze liegt bei 12 bis 14 Monaten.
Für andere Nager gilt folgende Faustregel: Der Nager sollte nicht älter als die Hälfte bis zwei Drittel der durchschnittlichen Lebenserwartung der Art alt und nicht deutlich über- oder untergewichtig sein.
Kosten
Die Kosten für eine Kastration betragen je nach Tierarzt, Narkoseform und Region durchschnittlich zwischen 20 und 60 Euro.
Die Vorbereitung
Im Gegensatz zu vielen anderen Säugern können Mäuse sich nicht übergeben. Sie können und sollten also bis kurz vor dem Eingriff fressen und trinken. Dies ist auch für den schnellen Stoffwechsel der Tiere besser, um die Gefahr einer Unterzuckerung, einer DehydrationVerlust von Körperwasser ohne eine entsprechende Zufuhr → der Körper trocknet aus
oder ähnlicher Komplikationen zu minimieren. Geben Sie das Tier in seiner normalen Streu, Futter, Flüssigkeit (Gurke, Trinknapf, o.ä.) und einem Häuschen in der Box beim Tierarzt ab. So hat der Bock noch eine möglichst vertraute Umgebung und ist weniger gestresst.
Wenn Sie scheue Exoten abgeben, instruieren Sie den Tierarzt über den Umgang mit den Tieren. Bewährt hat sich bei diesen Patienten, dass der Tierarzt die Gasglocke über das gesamte Tier stülpt und es so betäubt. So erspart er sich und dem Tier den Streß des Einfangens und Festhaltens und umgeht das bei heftiger Gegenwehr durchaus vorhandene Verletzungsrisiko für das Tier. Zudem ist die Gefahr, dass der Bock quer durch die Praxis flüchtet, minimal.
Bei zahmen Tieren kann der Tierarzt auch eine leichte Narkose spritzen, so dass das zu narkotisierende Tier das Exitationsstadium der Narkose nicht bei vollem Bewusstsein erlebt.
Die Operation
Bei der Operation wird der Bock auf dem Rücken fixiert und der Hodensack wird durch einen Schnitt geöffnet. Dann entfernt der Tierarzt das den Hoden umgebende Fettgewebe und die eigentlichen Keimdrüsen. Anschließend werden die Enden der Samenstränge mit einem Faden verschlossen und die Wunde wird je nach Größe entweder vernäht oder mit einem Sprühpflaster bedeckt.
Der Bock bekommt noch ein Antibiotikum gespritzt, um einer Infektion vorzubeugen.
Die Nachbereitung
Nach der Operation wird die Streu aus der Box entfernt und durch Zellstoff ersetzt, um eine Infektion der Wunde zu vermeiden. In der Box wacht das Tier unter Aufsicht des Arztes oder einer Tierarzthelferin auf. Lassen Sie sich niemals schlafende Tiere mitgeben! Während des Aufwachens kann es zu Komplikationen wie Kreislaufzusammenbrüchen kommen. Dann sollte ein Tierarzt in der Nähe sein, der schnell und richtig reagieren kann. Nehmen Sie also nur vollständig aufgewachte Tiere mit.
Schon während der Operation beginnt das Tier auszukühlen, was auch nach dem Eingriff anhält. Es sollte also nicht nur während der Operation die Körpertemperatur kontrolliert werden. Sorgen Sie auch auf dem Heimtransport und in den folgenden Stunden noch für eine externe Wärmezufuhr.
Der Bock kann und sollte direkt nach dem Aufwachen wieder fressen und trinken.
Lassen Sie den Bock zu Hause noch einige Tage in einem vorbereiteten Käfig auf Zellstoff sitzen, bis die Operationswunde sich komplett geschlossen hat.
Die Fäden müssen in der Regel nicht gezogen werden. Entweder verwendet der Arzt selbst auflösende Fäden (lila) oder der Bock zieht sie sich in den folgenden Tagen selbst.
Kastration, Gruppen und Integration
Entfernen Sie einen kastrierten Bock nicht aus seinem sozialen Verband, wenn er in einen solchen eingebunden ist. Das ist in der Regel unnötig, da die Artgenossen die Wunde nicht anfressen. Bei instabilen Gruppen, sollten Sie sogar die gesamte Gruppe abgeben. Das/die zu kastrierende(n) Tier(e) werden dann nur für die OP und die Aufwachphase von der Gruppe getrennt.
Möchten Sie den/die Kastraten zu Weibchen vergesellschaften, sollten Sie mindestens 3 Wochen damit warten. Denn die Herren sind auch einige Zeit nach der Kastration noch zeugungsfähig.
Die Vergesellschaftung von Kastraten mit Kastraten und von Kastraten mit Böcken ist deutlich problematischer als eine Vergesellschaftung mit fremden Weibchen. Darauf wird HIER näher eingegangen.
Achtung: Frische Kastraten, die in einer Gruppe zusammenleben, können in den ersten 14 Tagen nach der Operation noch einmal deutlich aggressiver werden. Jagereien und Beißereien werden noch einmal häufiger und auch heftiger. Erst danach beruhigt sich die Gruppe mit dem langsam fallenden Hormonspiegel.