Inzucht
Da Inzucht immer wieder ein Thema in Heimtierhaltung und Tierschutz ist, wurden hier die wichtigsten Punkte kurz zusammengefaßt. Eine ausführliche, fachliche Darstellung der Materie finden Sie bei Interesse in der Inzuchtabhandlung des Rodent Info.
Was ist Inzucht?
Inzucht ist keine Krankheit, auch wenn das immer noch von einigen angenommen wird. Von Inzucht spricht man in der Regel bei der Verpaarung nahe miteinander verwandter Tiere, beispielsweise Geschwister untereinander oder Kinder mit Eltern.
Problem Inzucht
Inzucht macht nicht notwendigerweise krank, sie erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass krankhafte Anlagen auch im Phänotyp ausgeprägt werden.
Haben bestimmte Exemplare dieselben Eltern, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Chromosomensätze sehr ähnlich sind, deutlich höher, als das bei entfernt oder gar nicht verwandten Tieren der Fall ist. Paart man diese miteinander oder mit ähnlich veranlagten Tieren (z.B. Eltern), werden immer mehr Gene reinerbig. Je mehr Gene homozygot sind, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass verborgene, rezessive Merkmale zum Vorschein kommen. Dabei müssen diese hervortretenden Merkmale nicht unbedingt von Nachteil für das betreffende Tier sein. Jedoch können nun auch rezessive Krankheiten zum Vorschein kommen. Das Risiko für solche Krankheiten besteht zwar auch bei nicht verwandten Tieren, durch Inzucht mit Tieren unbekannter Gene wird es jedoch enorm erhöht.
Ist bekannt, dass die Tiere keine krankhaften Anlagen in den Genen tragen, hat diese für die betroffenen Exemplare auch keine fatale Auswirkung.
Um gesunde Inzuchtlinien zu bekommen, müssen also ungeeignete Tiere konsequent von der Zucht ausgeschlossen werden. Dies geschieht gerade in Hobbyzuchten von Laien fast nie.
Bei Inzuchten tritt immer wieder die so genannte Inzuchtdepression auf. Sie äußert sich in einer verminderten Fruchtbarkeit der Nachkommen. In einigen Fällen bleiben die Nager auch kleiner als Artgenossen mit weniger homozygoten Anlagen.
Wird die Inzuchtdepression überwunden, erhält man wieder sehr gesunde und vitale Tiere, bei denen auch keine Erbkrankheiten mehr auftreten. Die Tiere sind wieder normal fruchtbar. Inzuchtlaborstämme sind genetisch zu über 99,9% identisch, also praktisch geklont.
Eine Zucht mit einem solch hohen Inzuchtfaktor sollte jedoch absoluten Profis überlassen werden. Ist der Züchter nicht wirklich erfahren und fit in der Materie, kann das für die Tiere in einem Desaster enden!
Durch Inzuchtverpaarungen lassen sich schneller erwünschte Merkmale herauszüchten. Daher gibt es gerade in Laboren viele Inzuchtstämme, die über viele Generationen durch Inzucht vermehrt werden. Auch die Farbenzucht greift auf Inzucht zurück.
Um dies erfolgreich zu tun, bedarf es jedoch einer genauen Kenntnis des Genotyps der Tiere und eines umfangreichen genetischen Wissens. Nicht die Inzucht als solche ist das Problem, sondern mangelndes Wissen und daraus resultierende eher planlose oder fehlerbehaftete Zuchtstrategien. Dies ist also kein Spielfeld für Laien. Sie sollten davon die Finger lassen!
Illusion „blutsfremd“
Immer wieder werden Tiere in Kleinanzeigen und auf Börsen als „blutsfremd oder „nicht aus Inzucht“ angeboten. Im Hinblick auf die Tatsache, dass die meisten kleinen Haustiere, besonders exotische Säuger, in vielen Fällen nur von einer kleinen Ausgangspopulation abstammen, ist dies also faktisch nicht richtig. Die meisten Nager in Menschenobhut sind recht eng miteinander verwandt.
Daher hilft es auch nicht, wenn Sie Tiere aus den verschiedenen Ecken Deutschlands zur Zucht verwenden. Verfolgt man ihren Weg zurück, lassen sie sich meistens miteinander verwandte Tiere zurückführen. Das gilt gerade für eher selten gehaltene exotische Arten. Je seltener eine Art ist, umso höher ist dabei die Wahrscheinlichkeit, daß die getrennt erworbenen Tiere miteinander verwandt sind.
Es ist für nicht professionelle Züchter lediglich möglich, eine Verpaarung sehr eng verwandter Tiere (z.B. Geschwister oder Halbgeschwister) zu vermeiden. Nachwuchs von entfernter verwandten Tieren lässt sich in Ermangelung eines größeren Genpools meist nicht bewerkstelligen. Kleine Heimtiere weisen also insgesamt eine geringere Genvielfalt auf als ihre wildlebenden Verwandten.
Auszucht
Ziel der Auszucht ist Erhöhung der Heterozygotie und keine Zucht auf bestimmte Merkmale. Diese würde wieder eine Erhöhung der Homozygtie erfordern, um bestimmte Merkmale zu erzeugen und/oder stärker hervortreten zu lassen.
Diese Form der Zucht muß mit möglichst wenigen Verwandtschaftsverpaarungen auskommen. Daher ist sie sehr aufwändig und nur für professionelle Züchter geeignet. Sie erfordert viel Platz, sehr viele (Zucht)Tiere und perfekte Planung. Für Hobbyhalter ist ein solcher Aufwand weder vom Platz her, noch zeitlich oder finanziell realisierbar. Sie bleibt professionellen Züchtern wie etwa Zoos und ihren Arterhaltungsprogrammen vorbehalten.
Fachbegriffe
Da Inzucht aus dem Bereich der Genetik kommt und das Vokabular nicht jedem geläufig ist, hier eine kurze Erklärung der Begriffe:
| Genotyp | Als Genotyp bezeichnet man das gesamte Erbmaterial eines Lebewesens. Er enthält auch Anlagen, die im Phänotyp nicht ausgeprägt sind. |
| Phänotyp | Der Phänotyp bezeichnet die tatsächliche Erscheinung des Lebewesens, also alle dominanten und damit ausgeprägten Merkmale. |
| homozygot | Homozygot bedeutet, dass eine Eigenschaft reinerbig, also in zwei gleichen Allelen vorliegt |
| heterozygot | Heterozygotie bedeutet, dass die Eigenschaft mischerbig ist, also zwei unterschiedliche Allele dafür vorliegen |
| rezessiv | Rezessiv ist eine Eigenschaft im Genotyp dann, wenn sie im Phänotyp nur ausgebildet ist, wenn sie reinerbig ist, also zwei gleiche Allele vorhanden sind. |
| dominant | Dominant ist eine Eigenschaft im Genotyp, wenn sie auch dann im Phänotyp ausgeprägt ist, wenn nur ein Allel für die Eigenschaft vorhanden ist. |
| Allel | Das Allel ist die Zustandsform eines Gens. Bei Säugetieren kommt es immer paarweise vor. Es kann dominant oder rezessiv sein. Aber auch weitere, z.B. kodominante Formen sind möglich. |
Quelle:
Rodent Info

