Atemwegserkrankungen
Ursache
Atemwegserkrankungen können auf ein breites Spektrum von Erregern im Bereich der Viren, Bakterien und Mycoplasmen zurückgehen. Typische bakterielle Erreger sind Pasteurella pneumotropica, Bordatella bronchiseptica sowie Streptococcus und Staphylococcus sp.
Als begünstigende Faktoren sind aber auch die Haltung in unzureichend belüfteten Gehegen (Ammoniak!), auf sehr staubiger Streu, große Temperaturgefälle, Zugluft, eine geringe Luftfeuchtigkeit oder ähnliche Faktoren nicht zu vergessen.
Die Folge sind Infekte, Bronchitis oder gar Lungenentzündungen.
Übertragung
Die Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt oder durch Aerosole, also zum Beispiel wenn ein Tier ein weiteres anniest.
Diagnose
Atemwegserkrankungen äußern sich häufig durch Atemgeräusche. Unerfahrene Halter freuen sich mitunter, dass ihre Tiere mit ihnen „reden“. Dies ist jedoch nicht der Fall. Mäuse geben nur sehr selten und in bestimmten Situationen (z.B. Kampf, Schmerz) für Menschen hörbare Töne von sich. Die reguläre Konversation verläuft für den Halter unhörbar.
Zu Beginn einer Infektion wirken die Tiere noch vital und gesund, jedoch sollte schon bei sporadischen Atemgeräuschen (Schnattern, Fiepen, Knattern, Pfeifen, Glucksen o.ä.) Maßnahmen ergriffen werden, um eine Verschlimmerung zu vermeiden.
Im fortgeschrittenen Stadium kommt zur hörbaren Atmung ein zunehmend verschlechterter Allgemeinzustand hinzu. So wird etwa das Fell stumpf und struppig, das Tier nimmt ab und zeigt eine allgemein verringerte Aktivität. Augen- und Nasenausfluß können ebenfalls hinzukommen.
Wird hier nicht eingeschritten, beginnen die Tiere nach einiger Zeit mit der so genannten Flankenatmung. Diese entsteht durch den verstärkten Einsatz der Bauchmuskulatur beim Atmen. Dabei hebt und senkt sich die Bauchwand der Tiere auffallend. Die meist schon abgemagerten Nager wirken dann vor allem beim Ausatmen regelrecht eingefallen. Flankenatmung allein ist allerdings nicht unbedingt ein Zeichen für Atemwegserkrankungen. Sie kann auch eine Begleiterscheinung anderer, schwerwiegender Krankheiten sein.
Behandeln Halter die betroffenen Tiere nicht rechtzeitig, verschlimmert sich der Zustand der Tiere bis hin zu akuter Atemnot! Die Mäuse sitzen dann sporadisch oder permanent mit weit aufgerissenem Maul da und schnappen nach Luft oder atmen nur noch durch das offene Maul.
Ein solches Verhalten sollte Sie auch dann alarmieren, wenn Sie vorher keinerlei Atemgeräusche feststellen konnten. In seltenen Fällen verlaufen Atemwegsinfekte wie Lungenentzündungen geräuschlos und werden daher lange übersehen. Die Lunge ist dann meist mehr oder minder mit Sekret gefüllt, das das Atmen erschwert. Erkennen kann man dies zumindest bei Mäusen mit hellen Gesichtsanteilen und/oder hellen Schwänzen an einer leicht bläulichen Verfärbung sonst rosa schimmernder Hautpartien oder verfärbten Schleimhäuten im Maul, da das Blut nicht mehr so viel Sauerstoff pro Atemzug aufnehmen kann und damit dunkler wirkt.
Sehr häufig von Atemwegsinfekten betroffen sind Farbmäuse.
Exotische Mäuse und andere Nager sind vor allem bei Zugluft, Kälte und starken Temperaturgefällen dafür anfällig.
Behandlung
Die Behandlung von Atemwegserkrankungen sollte nach dem Feststellen von Symptomen unverzüglich beginnen, um bleibende Schäden am Lungengewebe zu vermeiden. Zögern Sie also nicht mit dem Tierarztbesuch!
Da die Erreger schnell und wirksam bekämpft werden müssen, werden Atemwegserkrankungen fast immer mit einem Antibiotikum behandelt.
Das häufigste, hier angewandte Antibiotikum ist Baytril, welches nur einmal täglich verabreicht werden muß. Es wird in der Regel auch von exotischen Mäusen gut vertragen.
Es gibt verschiedene Methoden, das Antibiotikum zu verabreichen, wobei die Gabe direkt ins Maul oder über ein Leckerli zu bevorzugen ist. Lassen sich die Tiere nicht oder nur schwer anfassen, hat sich die Gabe über das Wasser bewährt. Die Wasserflasche muß dann je nach Lichtempfindlichkeit des Antibiotikums vom Licht abgeschirmt werden. Lassen Sie sich das Verhältnis von Antibiotikum zu Wasser vom Tierarzt für die Körpermasse und das Trinkverhalten Ihrer Tiere ausrechnen. Achtung: Einige Antibiotika eignen sich nicht für die Gabe über das Trinkwasser!
Durch unsachgemäßen Umgang mit dem Antibiotikum treten Resistenzen auf. Wenn Sie also feststellen, dass das Antibiotikum nicht wirkt, sollten Sie es nach Beratung mit dem Tierarzt wechseln.
Haben Sie eine Behandlung begonnen, müssen Sie diese bis 3 Tage nach Abklingen der Symptome, jedoch mindestens 5 Tage lang, fortführen, um die Bildung resistenter Keime zu vermeiden. Im allgemeinen sollte eine Antibiotika-Kur nicht länger als 14 Tage dauern. Lassen Sie sich über eine längere Gabe eingehend von Ihrem Tierarzt beraten!
Bei wiederholten Atemwegsinfekten, sollte das Antibiotikum erst 4 Wochen nach Gabe der letzten Dosis wieder angewendet werden. Früheres Ansetzen einer neuen Kur sollten Sie unbedingt mit Ihrem Tierarzt abklären!
Neben der Bekämpfung der Erreger kann ein Schleimlöser vor allem für Patienten mit stark verschleimter Lunge zu einer Erleichterung führen. Neben Medikamenten von Ihrem Tierarzt (z.B. Bisolvon) können Sie die Tiere auch mit Kamille inhalieren lassen.
Weiter können Sie die Heilung auch durch Wärme unterstützen.
Noch mehr als bei gesunden Tieren gilt bei kranken Exemplaren die Stressvermeidung. Ausmisten, unnötige Fang- und Transportaktionen oder Vergesellschaftungen sollten Sie in dieser Zeit also möglichst vermeiden. Auch das von Tierärzten oft fälschlicherweise angeratene Separieren der kranken Tiere bedeutet enormen Streß und sollte unterlassen werden, da der Erreger ohnehin schon in der gesamten Gruppe kursiert, wenn man Symptome an einem Tier festgestellt hat.
Vermeiden Sie außerdem kontraproduktive Faktoren wie Zugluft, Kälte und starke Temperaturschwankungen.
Antibiotika greifen nicht nur schädliche Keime an. Auch die Darmflora kann leiden. Unterstützen Sie sie mit der Gabe von Bird Bene Bac oder Naturjoghurt.
Verlieren die Tiere stark an Gewicht, sollten Sie sie mit Nutrical, Convalescence Support, Critical Care (bei vorrangigen Gemüsefressern) oder diversen Päppelbreimischungen füttern, um diesen Verlust auszugleichen. Auch gezielte, vom Tierarzt empfohlene Vitamingaben können helfen.
Präparate zur Unterstützung der Immunabwehr können unter Umständen ebenfalls sinnvoll sein. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten!
Nach Ende der Behandlung sind nicht alle Mäuse symptomfrei. Besonders bei Farbmäusen ist es öfter der Fall, dass Atemgeräusche zurückbleiben, die von chronischen, irreversiblen Schädigungen der Lunge herrühren. Beobachten Sie solche Tiere besonders genau, um eine Verschlechterung des Zustandes rechtzeitig erkennen zu können.
Quellen
Anja Ewringmann, Barbara Glöckner: Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus; Enke, 1. Auflage 2008