Tüpfelgrasmaus
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Echte Mäuse (Murinae) |
| Gattung: | Lemniscomys |
| Art: | Tüpfelgrasmaus (Lemniscomys striatus) |
Wildtier Tüpfelgrasmaus
Tüpfelgrasmäuse bewohnen die Savannenregionen Afrikas von Sierra Leone bis Äthiopien und im Süden bis Angola und Malawi.
Als Bodenbewohner verbergen sie sich zwischen Gräsern und im Unterholz, wo sie aus den Halmen der Gräser kugelförmige Nester bauen. Jedes Nest wird von einer Familiengruppe bewohnt.
Wilde Tüpfelgrasmäuse ernähren sich vorrangig von Sämereien, aber auch grünem Pflanzenmaterial und gelegentlich Insekten.
Anatomie und Erscheinung
Tüpfelgrasmäuse sehen Streifengrasmäusen auf den ersten Blick recht ähnlich, sind jedoch größer und kräftiger als diese. Sie erreichen eine Körperlänge von 13 bis 16 cm und eine Schwanzlänge von etwa 16 cm. Bei dieser Größe wiegen sie durchschnittlich 55 bis 75 g.
Während die Streifen von Streifengrasmäusen durchgehend sind, bestehen die von Tüpfelgrasmäusen aus einer perlschnurartigen Form. Auch ist die Grundfarbe des Fells bei Tüpfelgrasmäusen dunkler und die Ohren sind etwas größer und runder.
Wie Streifengrasmäuse sind ihre Füße eher auf das Laufen als auf das Klettern ausgelegt. Sie sind dementsprechend keine guten Kletterer.
Die Tüpfelgrasmaus als Haustier
Eignung
Tüpfelgrasmäuse sind optisch sehr attraktiv, jedoch stellen sie auch gewisse Ansprüche an ihren Halter. Das sollten Sie beim Betrachten der schönen Tiere immer bedenken.
Diese Grasmäuse werden selten zahm und sind somit reine Beobachtungstiere, die von ihrem Halter ein großes, gut strukturiertes Gehege fordern.
Tüpfelgrasmäuse scheinen etwas verträglicher zu sein als Streifengrasmäuse. Da ihre Vergesellschaftung jedoch auch schwierig werden kann, gehören Sie eher in bereits mauserfahrene Hände, die zudem mit dem recht zarten Nervenkostüm der Tiere umgehen können.
Für Kinder sind Tüpfelgrasmäuse keine geeigneten Haustiere!
Handhabung
Die Handhabung der Tiere hängt stark von dem Grad der Scheu ab, den die Tiere zeigen. In keinem aller Fälle sollten Sie Tüpfelgrasmäuse am Schwanz nehmen, da dieser Versuch noch eher als bei Streifengrasmäusen im Verlust des Schwanzes für das Tier resultieren kann, weil sie größer und entsprechend schwerer sind.
Lassen sich die Tiere mit der Hand greifen, können sie das problemlos tun, da Tüpfelgrasmäuse nicht beißen.
Lassen sie sich nicht anfassen und per Hand umsetzen, verwenden Sie am besten eine kleine Transportbox, in die Sie die Tiere hineinlaufen und im neuen Gehege hinauslaufen lassen. So erspart man den sensiblen Tieren viel Stress. Kommen die Tiere nicht von allein, können sie damit auch eingefangen werden.
Auch die Geschlechtsbestimmung kann mittels einer durchsichtigen Transportbox stattfinden.
Sollte eine tierärztliche Versorgung notwendig werden, ist abzuwägen, ob Sie das Tier zum Arzt mitnehmen oder einen Hausbesuch bestellen. Letzteren halte ich bei sehr scheuen und ängstlichen Tieren für die bessere Lösung.
Weniger scheue Tiere können Sie aber auch in der Praxis vorstellen. Idealerweise sollten Sie dabei die ganze Gruppe einpacken, wenn Sie länger unterwegs sind. So vermeiden Sie Streitigkeiten innerhalb der Gruppe.
Zahme Tiere können Sie auf die Hand setzen oder vorsichtig in selbige nehmen. Der Nackengriff ist bei Streifenmäusen aufgrund des Stresspotentials eher eine Notlösung, da die Tiere ohnehin fast keine Beißneigung haben und in der Regel auch stillhalten. Achtung: Ist der Nackengriff zu fest, kann die Haut in diesem Areal reißen wie Pergament und zu großflächigen Wunden führen!
Scheuere Tiere wickeln Sie am besten in ein Handtuch und lassen nur die zu untersuchende Stelle exponiert. So regt sich das Tier am wenigsten auf.
Entflohene Tiere können Sie am besten mit einer Gitterfalle oder einem Kescher einfangen.
Sozialstruktur und Verhalten
Tüpfelgrasmäuse sind tagaktive, gesellige Tiere. Wie bei Streifengrasmäusen gibt es auch bei ihnen zahmere und scheuere Exemplare. In der Regel ändert sich an ihrer Zutraulichkeit auch im Laufe der Zeit eher wenig. Scheue Tiere bleiben daher meist auch lebenslang scheu.
Die Gruppenhaltung ist bei ihnen unproblematischer als bei Streifengrasmäusen, da sie deutlich seltener zu Streitereien und folgendschweren Beißereien neigen. Bei Tüpfelgrasmäusen sind sowohl gemischte als auch gleichgeschlechtliche Gruppen beider Geschlechter deutlich friedlicher als bei anderen Grasmäusen.
Tüpfelgrasmäuse sind Bodenbewohner und zeigen daher kein gesteigertes Interesse am Klettern. Auch sitzen sie im Gegensatz zu Streifengrasmäusen eher selten auf Aussichtsplattform. Dicke Äste oder ähnliches als Etagenaufgang nutzen sie jedoch gern und problemlos.
Haltung
Tüpfelgrasmäuse sind wärmeliebend. Die Raumtemperatur sollte deshalb idealer Weise nachts nicht unter 20°C, am Tag eher um 25°C liegen. Daher nehmen sie gern einen Heizstrahler an, wenn Sie diesen im Gehege anbieten.
Zwar verkraften die Tiere auch tiefere Temperaturen recht problemlos, jedoch sollten Sie, wenn Sie z.B. im Winter wenig heizen, während der Umstellungsphase und im Idealfall auch in der gesamten kühlen Phase einen Heizstein und/oder Rotlicht anbieten, da die Tiere sich sonst sehr schnell erkälten. Auf keinen Fall sollte die Raumtemperatur unter 17°C sinken, da die Mäuse dann starke Anzeichen von Unwohlsein aufweisen.
Da Tüpfelgrasmäuse sensibel auf Enge reagieren, sind 100x50x100 cm die Mindestgröße der Behausung für 2 bis 4 Tiere. Für diese Mäuse eignen sich Terrarien von entsprechender Größe und Belüftung, Eigenbauten oder umgebaute Schränke, die fast nie angefressen werden, da Tüpfelgrasmäuse kaum nagen.
Dabei sollten Sie immer bedenken, dass Tüpfelgrasmäuse eher laufen und schlecht klettern. Sie können mit vielen Etagen, Verstecken, Schrägen und dicken Ästen mehr anfangen als mit dünnen Zweigen, Leitern oder gar Seilen.
Als Inventar können Sie daneben Häuschen aus allen natürlichen Materialien, Wurzeln und ähnliches anbieten. Ins Gitter gehängte Finkennester, Kokosnüsse oder Nistkästen verschmähen die Tiere dagegen oft.
Als Nistmaterial nutzen Tüpfelgrasmäuse ähnlich wie Streifenmäuse jedes faserige Material. Neben Heu, Stroh, Kapok oder Kokosfasern werden beispielsweise auch Jutesäcke zu sehr stabilen Nestern und Gängen verwoben.
Ein Sandbad ist überflüssig, da die Tiere nicht baden und die Schüssel eher als Klo missbrauchen, was mitunter wenig erfreulich riecht.
Als Einstreu eignen sich Rindenmulch, Leinstreu, Kleintierstreu, ungedüngte Erde oder andere natürliche Untergründe. Die Einstreu muss dabei nicht besonders hoch sein, da die Tiere kaum graben.
Wenn Sie ein Naturgehege für die Tiere einrichten wollen, können Sie als Untergrund auch Erde oder ein Erde-Terrarienhumus-Gemisch verwenden. Hier müssen Sie aber immer darauf achten, dass es im Gehege nicht zu feucht wird oder es zu Staunässe kommt. Um letzteres zu vermeiden, können Sie etwas Tongranulat (z.B. Seramis) unter die Erde geben.
Verwenden Sie zum Füttern getrennte Schalen für Trocken- und Feuchtfutter. Aus hygienischen Gründen sollten Sie das Wasser in Flaschen anbieten.
Ernährung
Als Trockenfutter für Tüpfelgrasmäuse empfiehlt sich eine Mischung, die zum überwiegenden Teil aus den verschiedensten Kleinsämereien besteht. Dafür eignet sich eine Mischung aus Wellensittich- und Exotenfutter mit einer Getreidemischung. Diese darf als Leckerei auch gern Kürbiskerne enthalten, da Tüpfelgrasmäuse kaum zu Verfettung neigen. Übertreiben sollten Sie es mit dem Fettgehalt des Futters jedoch nicht.
In Ergänzung dazu freuen sich die Tiere immer über verschiedenstes Saftfutter. Der Schwerpunkt sollte bei den Tieren deutlich auf Gemüse und sonstigem Grün liegen. Füttern Sie nur wenig bis gar kein Obst, da die Tiere auch in der freien Natur kaum Früchte finden.
Zudem benötigen sie essentiell tierisches Protein. Dieses können Sie in Form von Insekten wie Mehlwürmern, Zophobas oder mit gekochtem Ei anbieten. Mit etwas Gewöhnung fangen Tüpfelgrasmäuse auch an lebende Grillen und Heimchen, mit Schaben tun sich die meisten Exemplare dagegen eher schwer.
Ähnlich wie Streifenmäuse trinken sie verhältnismäßig viel. Eine regelmäßige Kontrolle der Wasserflasche(n) ist also enorm wichtig.
Fortpflanzung
Die Nachzucht von Tüpfelgrasmäusen ist etwas schwierig, worin wohl auch der Grund liegt, dass die umgänglicheren Tiere seltener sind als die streitbaren, leicht zu vermehrenden Streifengrasmäuse. Zudem deuten Erfahrungen einiger Halter an, dass sich in gemischten Gruppen mit mehreren Weibchen meist nur das ranghöchste fortpflanzt.
Nach der erfolgreichen Paarung trägt das Weibchen etwa 21 Tage lang 2 bis 6 Jungtiere aus, die nackt und blind geboren werden und etwa 1,7g wiegen. 30 Tage später, wenn sie von der Muttermilch entwöhnt werden, sind die kleinen Tüpfelgrasmäuse schon 15g schwer. Die Geschlechtsreife erreichen die sich eher langsam entwickelnden Tiere erst mit etwa 2 Monaten. Jedoch kann es von da an noch lange bis zum ersten Wurf dauern.
Achtung: Stören sie die Tiere während der Aufzucht nicht! Sonst verlassen oder fressen sie häufig ihre Jungtiere.
Tüpfelgrasmäuse werden durchscnittlich 3 bis 4 Jahre alt, selten älter.
Krankheiten
Tüpfelgrasmäuse sind sehr gesunde Tiere, wenn man sie ihren Bedürfnissen entsprechend hält. Am häufigsten sind bei diesen Tieren Erkältungen durch Zugluft oder zu niedrige Temperaturen sowie Verletzungen durch Auseinandersetzungen. Letztere können z.B. aus fehlender, herausgefetzter Haut bis zur Fläche einer Euromünze und größer bestehen. Aber auch Knochenbrüche können bei schweren Kämpfen auftreten. Außerdem reagieren die Tiere stark auf Streß aller Art.
Davon abgesehen gibt es keine nennenswert häufigen Erkrankungen.
Sie sollten für veterinärmedizinische Notfälle immer eine Rücklage von ca. 100 Euro im Hause haben.
Vergesellschaftung
Für die Vergesellschaftung eignen sich am besten noch nicht geschlechtsreife Jungtiere. Der Versuch, erwachsene Tiere zu vergesellschaften, kann in Todesfällen enden und sollte nur von erfahrenen Haltern vorgenommen werden.
Auch wenn Tüpfelgrasmäuse verträglicher sind als Streifengrasmäuse, sollten sie bei der Vergesellschaftung demselben Prozedere folgen, um eine stabile Gruppe zu erhalten.
Für Jungtiere hat sich die Etappenmethode bewährt. Fangen Sie dabei mit den Tieren in der Badewanne an, wo diese genügend Platz zum Ausweichen haben. Das verringert die Gefahr von Aggressionen und Verletzungen. Vertragen sich die Tiere in der Wanne mehrere Stunden lang, können sie in einen Hamsterknastkleiner, handelsüblicher Gitterkäfig bis zu einer Seitenlänge von 80cm
mit mindestens 60cm Seitenlänge gesetzt werden. Dort sollten sie 1 bis 3 Tage bleiben. Erst dann sollten sie in das unmöblierte Endgehege gesetzt werden. Das Inventar können Sie dann täglich oder alle 2 bis 3 Tage – je nach Ruhe oder Unruhe in der Gruppe – nach und nach ins Gehege bringen.
Wichtig: Nehmen Sie immer die benutzte Streu der Tiere in die nächste Stufe mit! Dies gilt auch, wenn Sie neue Tiere bekommen und diese in ihr Gehege setzen!
Bei erwachsenen Tieren können Sie ebenfalls die Etappenmethode anwenden. Hier hat sich eine Verbindung mit der Duftmethode oder der Trenngittermethode als vorteilhaft erwiesen. Auch sollten Sie die Etappenmethode in jeder Stufe verlängern, also etwa 12 bis 24 Stunden in der Wanne und dann erst in den Hamsterknastkleiner, handelsüblicher Gitterkäfig bis zu einer Seitenlänge von 80cm
umsetzen, wo sie wiederum 3 bis 7 Tage bleiben, bevor sie in eine weitere Zwischenstufe oder das leere Endgehege ziehen.
Achtung bei Rennereien: Rennt ein Tier einem anderen beständig hinterher, ohne es zu beißen, kann das schon die Vorstufe zu handfesten, verletzungsträchtigen Konflikten sein! Haben Sie daher immer ein genaues Auge auf solche Tiere.
Anschaffung
Tüpfelgrasmäuse sind extrem selten und daher echte Eintagsfliegen im Tierschutz. Nachfragen schadet aber nichts. Finden Sie dirt keine passenden Tiere, sollten Sie einen seriösen Züchter aufsuchen oder auf Messen nach den Tieren schauen. Aber Achtung, auf Messen gibt es auch oft schwarze Schafe unter Züchtern und Händlern. Oft erhalten Sie hier kranke oder mit Parasiten behaftete Tiere.
Im Zooladen finden Sie die Tiere in der Regel gar nicht. Da Sie hier Gefahr laufen, kranke, mit Parasiten behaftete und/oder schwangere Tiere zu erstehen, sollten Sie von einem Kauf im Geschäft ohnehin Abstand nehmen.
Je nachdem für welche Gehegelösung und welches Inventar Sie sich entscheiden, sollten Sie für die Anschaffung von Gehege, Einstreu, Inventar, Futter und Transportbox mit Kosten zwischen 200 und 300 Euro rechnen.
Der monatliche Unterhalt beschränkt sich aber je nach Gruppengröße in etwa auf 20 bis 30 Euro.
Artengesellschaft
Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Tüpfelgrasmäuse sind für Artengesellschaften beschränkt geeignet. Bei der Vergesellschaftung mit Streifenmäusen hat sich gezeigt, dass die Arten nur mäßiges Interesse aneinander zeigen. Streifenmäuse verwickeln die ruhigeren Tüpfelgrasmäuse jedoch leider auch in ihre aggressiven Attacken und verletzen sie. Daher ist zum Schutz der ruhigeren Tiere von einer solchen Vergesellschaftung eher abzuraten.
Mit anderen Mausarten pflegen Tüpfelgrasmäuse nur wenig Interaktion. Dominante Arten oder Individuen unterdrücken die Tiere aber mitunter. Dann sollte die Artengesellschaft aufgelöst werden. Insgesamt eignen sie sich ohnehin eher für eine Gesellschaft mit ruhigen Arten in einem sehr großen, naturnahen Gehege.
Schaffen Sie also niemals Tüpfelgrasmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.
Eine Artengesellschaft mit Tüpfelgrasmäusen ist mit Nagern denkbar, die wie diese eher mäßig gut klettern und bei der Ernährung dieser Grasmäuse nicht verfetten. Besser kletternden Arten müssen Sie in jedem Fall genug Nischen bieten, in denen Sie ihre Kletterfähigkeiten austoben und trainieren können, ohne dass für Tüpfelgrasmäuse Absturzgefahr besteht. Auch die Temperaturpräferenzen sollten ähnlich sein.
Das Gehege sollte eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 3 bis 3,5 qm haben. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!
Weitere Informationen
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