Striemengrasmaus

Systematik und Biologie

Ordnung:Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung:Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Rhabdomys
Art: Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio)

Wildtier Striemengrasmaus

In der Natur kommen Striemengrasmäuse in Afrika von Uganda und Kenia bis Angola und Südafrika vor, wo sie in verschiedensten Höhenlagen anzutreffen sind. In höheren Lagen sonnen sich die tagaktiven Bodenbewohner auch gern. Die bei uns gehaltenen Tiere stammen aus Tansania.
Striemengrasmäuse sind sehr gesellig und treten teilweise in großen Gruppen auf. Das Sozialleben der Tiere in diesen Gruppen wird derzeit im Goegap Naturreservat, Südafrika näher erforscht.
Die Forscher dort fanden bisher heraus, dass die in großen Gruppen lebenden Tiere bei Nahrungsknappheit zu Einzelgängern werden. Erst bei einem genügend großen Nahrungsangebot entstehen wieder komplexe Familiengruppen, die sich aus bis zu 30 Tieren zusammensetzen können.
In diesen Gruppen ziehen immer zwei bis vier Weibchen, meist Schwestern, gemeinsam ihren Nachwuchs auf. Jedoch ist auch der Vater an der Aufzucht beteiligt. Die erwachsenen Sprösslinge bleiben noch lange bei den Eltern, oft noch für ein ganzes Jahr bis zur nächsten Fortpflanzungssaison.


Anatomie und Erscheinung

striemie-erscheinung.jpg Obwohl in etwa gleich groß unterscheiden sich Striemengrasmäuse sowohl in Statur als auch in Zeichnung deutlich von Streifengrasmäusen. Sie besitzen nur vier deutliche, schwarze Streifen auf dem Rücken, von denen die beiden mittleren am vorderen und hinteren Ende zusammenlaufen. Die Flanken dagegen sind nicht gestreift und gelblich-braun gefärbt. Die Fellstruktur ist borstiger.
Striemengrasmäuse werden mit einem durchschnittlichen Gewicht von 50 bis 100 g erheblich massiger, ihr Schwanz ist bei 10 bis 12 cm Körperlänge mit 8 bis 11 cm im Verhältnis kürzer und unbehaart.
Weitere Bilder von Striemengrasmäusen finden Sie in der Bildergalerie.


Die Striemengrasmaus als Haustier

Eignung

striemie-titelbild.jpg Striemengrasmäuse sind ausgesprochen aktive Tiere, die fast den ganzen Tag geschäftig durch ihr Revier laufen, räumen und bauen. Dabei sind sie sehr gut zu beobachten, da sie sich kaum verstecken.
Besonders Jungtiere im Alter von 3 bis 6 Wochen sind noch ziemlich schreckhaft und können in Panik ziellos davonspringen, wenn man sich ihnen nähert. Ältere Tiere werden mit zunehmendem Alter und Gewicht ruhiger und sind eher neugierig als schreckhaft. Aber auch diese Tiere sind keine Streicheltiere.
Striemengrasmäuse eignen sich also für Halter, die den Tieren ein großes, abwechslungsreiches Habitat anbieten können und ihre Tiere lediglich beobachten wollen.
Für Kinder sind diese Nager nicht als Haustiere geeignet.


Handhabung

Die Handhabung richtet sich bei diesen Mäusen sehr danach, wie zahm sie sind. Wie bei allen exotischen Mäusen sollte man das Festhalten am Schwanz grundsätzlich unterlassen. Bei Jungtieren besteht die Gefahr, dass diese sich sehr schnell im Kreis drehen und dadurch die Schwanzhaut abreißt. Bei adulten Tieren verbietet sich das Hochnehmen am Schwanz schon allein durch ihr Gewicht. Selbst an der Schwanzwurzel sollte man die Tiere nicht hochnehmen.
Geht es nur um das Umsetzen eines Tieres, so fangen Sie es am besten mit einer kleinen Faunabox ein und entlassen es aus dieser in seine neue Umgebung. So bleiben sowohl dem Tier als auch dem Halter der Stress und die Gefahren der direkten Berührung erspart.
Auch die Geschlechtsbestimmung kann mittels einer durchsichtigen Faunabox stattfinden, in der man das Tier in Ruhe durch das Plexiglas von unten betrachten kann.
Für den Tierarztbesuch möchte ich hier keine konkreten Empfehlungen angeben, da dies vom Wesen des Tieres und der Art der Erkrankung und der damit notwendigen Berührung abhängt. Grundsätzlich eignet sich bei Striemengrasmäusen auch in der Tierarztpraxis entweder die durchsichtige Transportbox oder das Festhalten mittels Handtuch. Sehr scheue Tiere sollten für eingehendere Untersuchungen nach Möglichkeit mit Isofloran leicht betäubt werden.
Entflohene Exemplare fangen Sie am besten mit einer Gitterfalle oder einem Kescher ein.


Sozialstruktur

striemie-sozialleben.jpg Als problemlos in der Haltung gelten in der Erfahrungsliteratur Gruppen mit einem Männchen und mehreren Weibchen, Paare und reine Weibchengruppen. Gemischte Gruppen mit mehreren Männchen gelten auf Dauer als problematisch, da die Gefahr von Kämpfen besteht. Für reine Männchengruppen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit blutige Auseinandersetzungen, oft mit Todesfolge, vorausgesagt.
Achten Sie bei gemischter Haltung darauf, den Bock zu kastrieren, da die Gruppe sonst sehr schnell anwachsen kann!
Ich selbst habe schon beides erlebt: Friedliche Gruppen mit mehreren Männchen und total zerstrittene Tiere. Verlassen Sie sich bitte nicht auf scheinbaren Frieden bei Erwerb der Tiere!
Wer den Tieren jedoch deutlich kleinere Habitate zur Verfügung stellt, sollte ohnehin der Empfehlung der Erfahrungsliteratur für ruhige Gruppen dieser Mäuseart folgen, da den Tieren dann bei Kämpfen der Platz zum Ausweichen fehlt. Es kommt also unweigerlich zu schweren Verletzungen.


Haltung

striemie-zierbild1.jpg Da die Tiere vorwiegend tagaktiv sind, sollte die Unterbringung möglichst hell sein. Notfalls kann das Naturlicht auch durch eine zusätzliche Beleuchtung ergänzt werden.
Striemengrasmäuse stammen aus einer warmen Umgebung, daher sollte die Raumtemperatur nicht unter 20°C liegen. Eigene Erfahrungen zu niedrigeren Temperaturen liegen nicht vor. Jedoch konnte ich beobachten, dass sie Temperaturen über 30°C noch sehr gut tolerieren können.

Während viele eine Unterbringung mit einer Größe von etwa 100x40x40 cm für angemessen halten, halte ich dies für die Tiere für zu klein. Ich sehe eine Größe von 100x50x100 cm mit Etage(n) als Minimum für 2 bis 4 Tiere an. Die Unterbringung darf gern auch größer sein und wird von den Tieren auch voll genutzt.
Am besten eignet sich ein Selbstbau, etwa aus einem umgebauten Schrank. Dieser kann in der Grundstruktur am Boden eine Fläche zum Wühlen mit ca. 20 cm hoher Einstreu und viel Heu und mindestens ein bis zwei Etagen aufweisen. Die Wühlgelegenheit ist jedoch nicht unbedingt notwendig. Hier hat sich gezeigt, dass die Tiere sie kaum benutzen und meist auf den oberen Etagen bleiben. Auch Terrarien, die die entsprechenden Maße und eine ausreichende Lüftung aufweisen, sind bedingt geeignet. Hier wäre eine Vergrößerung der Kletterfläche wünschenswert, da diese durchaus genutzt wird.
Aquarien halte ich wegen der hohen Menge des Urins und der damit verbundenen hohen Ammoniakentwicklung für ungeeignet. Ebenfalls ungeeignet sind Volieren, da die Tiere eher behäbige Kletterer sind und den vorhandenen Raum nur schlecht nutzen können.

In der hohen Einstreu, die aus Kleintierstreu, Lein, Heu oder ähnlichen Materialien bestehen kann, können die Tiere oberflächliche Gangsysteme anlegen. Unterirdische Gänge wie etwa bei Mongolischen Rennmäusen zu beobachten, graben sie jedoch nicht. Sie bevorzugen es jedoch, jegliches, im Gehege befindliches Fasermaterial zu Nestern zusammenzubasteln und diese als Höhlen zu nutzen.
Als Einrichtung eignen sich Korkröhren, dicke Äste und größere Wurzeln sowie Verstecke und Häuschen aus den verschiedensten Naturmaterialien. Auch wenn sie selbiges oft nur als Klo benutzen, kann man den Tieren ein Sandbad anbieten.
Ebenfalls zum Inventar gehören je eine Schüssel für Feucht- und Trockenfutter sowie eine Trinkflasche.


Ernährung

striemie-ernaehrung.jpg Verglichen mit anderen Arten haben Striemengrasmäuse einen sehr hohen Wasserbedarf und produzieren entsprechend mehr Urin.
Den Futternapf sollten Sie erhöht aufstellen, so dass die Tiere ihn beim Wühlen nicht sofort verschütten. Er sollte relativ klein gewählt werden, da sich die Tiere beim Fressen sonst gern in den Napf setzen und mit ihrem Urin bei einer Mahlzeit schnell das verbliebene Futter verderben. Alternativ zu einem einzelnen Napf bietet sich beispielsweise die Möglichkeit an, an mehreren Stellen im Gehege aus mehreren Schüsseln von maximal 5 cm Durchmesser zu füttern. Dies regt die Tiere gleichzeitig zu mehr Bewegung bei der Futterbeschaffung an.
Da Striemengrasmäuse mit zunehmendem Alter zur Korpulenz neigen, sollten Sie die Ernährung nicht zu zucker- und fettreich gestalten. Wer Fertigmischungen füttert, sollte also in jedem Fall einen Blick auf die Zutatenliste werfen.
Als Trockenfutter eignen sich feine Körnermischungen versetzt mit Gretreide und Kräutern und Kolbenhirse, an der die Tiere ihre Mahlzeit wieder erarbeiten müssen. Beim Frischfutter liegt der Schwerpunkt auf Gemüse und sonstigem Grünfutter. Obst dient nur als seltene Ergänzung.
Ebenfalls essentiell für die Ernährung der Striemengrasmäuse ist tierisches Eiweiß. So eignen sich beispielsweise lebende Futtertiere, welche zudem noch den Vorteil haben, dass sie die Tiere zu mehr Bewegung animieren und sie mit der Jagd einige Zeit beschäftigen. Alternativ können Sie auch Trockeninsekten, gekochtes Ei oder ähnliches verfüttern.


Fortpflanzung

Striemengrasmäuse sind Vergleich zu anderen Grasmäusen sehr vermehrungsfreudig. Bereits im Alter von drei Monaten haben viele Tiere nach einer Tragzeit von 21 Tagen ihren ersten Nachwuchs. Für diesen wird ein kugelförmiges Nest aus Gras, Heu oder anderen Fasermaterialien angelegt. In diesem betreuen die Eltern zumeist gemeinsam den Nachwuchs, welcher sich erstaunlich schnell entwickelt. Schon nach 10 Tagen verlassen die Jungtiere zum ersten Mal das Nest, mitunter sind sie mit 2 Wochen schon so weit entwickelt, dass sie in ihrer Ernährung von der Mutter völlig unabhängig sind. Jedoch sollten sie trotzdem noch einige Zeit bei der Mutter verbleiben, da die Jungtiere erst mit 2 Monaten geschlechtsreif werden und eine Gefahr ungewollten Nachwuchses trotz der Selbständigkeit der Kinder nicht besteht.
In Gefangenschaft machen viele Paare zwischen den Würfen keine Pause, so dass etliche Würfe im Abstand von 21 Tagen möglich sind. Dabei lässt irgendwann die Wurfgröße nach und man kann für jüngere Weibchen 6-8 Junge, für ältere, die ununterbrochen geworfen haben, nur 2-3 Junge annehmen.
Obwohl pausenlose Würfe möglich sind, brauchen die Weibchen in jedem Fall Wurfpausen, in denen sie sich von den Anstrengungen der Schwangerschaft und Aufzucht erholen können. Gönnen Sie ihnen diese Erholungsphasen nicht, verkürzt das ihre Lebenserwartung.

Links Weibchen, rechts Kastrat

Verpaaren Sie Männchen und Weibchen neu, sollten Sie die Tiere gut beobachten, da das Männchen sein neues Weibchen extrem hetzen und sogar verletzen kann, wenn dieses nicht paarungsbereit ist. Bei bestehenden Paaren tritt dieses Problem nicht auf.
Auch mit dem männlichen Nachwuchs kann es ab der Geschlechtsreife der Jungen zu Problemen mit dem Vater führen, der seine Söhne nun als Konkurrenten ansieht und tötet. Die Trennung sollte zwischen der 5. und 6. Woche erfolgen. Erwerben Sie eine gemischtgeschlechtliche Gruppe, muss schon vor dem Kauf geklärt sein, wohin der Nachwuchs kommen soll. Erweist sich das als Problem, ist eine reine Frauengruppe, eine gemischte Gruppe mit Kastraten oder bei entsprechender Gehegegröße eine reine Männergruppe die einzige Lösung.
Striemengrasmäuse werden durchschnittlich 2,5 Jahre alt.


Krankheiten

Schwere Kampfverletzung

Striemengrasmäuse haben eine recht robuste Gesundheit. Am ehesten neigen sie zu Fettleibigkeit und den damit verbundenen Problemen. Diesem Problem lässt sich jedoch mit entsprechender Ernährung beikommen.
Weitere, häufiger auftretende Erkrankungen sind nicht bekannt.
Allerdings können sich die Tiere bei Kämpfen schwer verletzen. Diese Bißwunden können sehr großflächig sein. Die Tiere können sie überstehen, benötigen aber gerade bei großflächigen Wunden eine intensive Betreuung.
Trotzdem sollten Sie für alle Fälle eine Rücklage von rund 100 Euro für veterinärmedizinische Notfälle haben.


Vergesellschaftung

Bei der Vergesellschaftung von Striemengrasmäusen sollten Sie behutsam vorgehen, da die Tiere im ersten Moment ziemlich aggressiv reagieren und sich ernsthaft verletzen können. Daher würde ich für diese Tiere die Etappenmethode empfehlen und diese über ca. 14 Tage führen, damit die Gruppe auch sicher stabil ist. Vorbereiten können Sie die Etappenmethode mit der Trenngittermethode.
Notfalls können Sie hier die Etappenmethode mit der Duftmethode (Tiere mit der fremden Streu aus der Kloecke abreiben) verbinden, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen.


Anschaffung

striemie-anschaffung.jpg Striemengrasmäuse gibt es im Tierschutz fast nie. Sie sollten sich hier also an einen seriösen Züchter wenden. Diese finden Sie neben Foren auch auf diversen Messen. Schauen Sie sich die angebotenen Tiere gründlich an, ob diese gesund sind. Denn gerade auf Messen tummeln sich auch schwarze Schafe.
In Zoohandlungen findet man die possierlichen Nager eher selten. Von einem Kauf ist im Geschäft auch abzuraten. Zu groß ist das Risiko, sich kranke, parasitenverseuchte und/oder schwangere Tiere einzuhandeln. Auch die Geschlechterbestimmung ist im so genannten Fachgeschäft meist nicht so sicher wie beim Züchter.

Je nach Gehegelösung und Einrichtung sollten Sie für die Anschaffung von Gehege, Streu, Inventar, Futter und Transportbox zwischen 200 und 350 Euro einplanen.
Die monatlichen Kosten für Futter und Streu liegen bei ca. 20 bis 30 Euro.


Artengesellschaft

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Striemengrasmäuse nur bedingt geeignet, da nicht jedes Exemplar verträglich ist mit anderen Arten. Besondere Vorsicht sollten Sie bei der Kombination mit anderen Grasmäusen walten lassen. Schaffen Sie also niemals Striemengrasmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.
Eine Artengesellschaft mit Striemengrasmäusen ist nur mit Nagern denkbar, die wie diese gut und gerne klettern und mit der etwas geringen Energiemenge des Futters auch gut ernährt werden können. Bedenken Sie: Die meisten Mäusearten sind dämmerungs- oder nachtaktiv, Striemengrasmäuse dagegen tagaktiv. Das Gehege sollte also eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 3,5 bis 4 qm haben und so gestaltet sein, dass die Striemengrasmäuse die schlafenden Tiere der anderen Art nicht stören. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft in jedem Fall absehen!


Weitere Informationen

Sie haben noch Fragen, die dieser Steckbrief noch nicht beantwortet hat? Dann können Sie diese ganz einfach in unserem Forum stellen!





Quellen:
stripedmouse.com
Rodent-Info (ff.)

 
arten/striemengrasmaus.txt · Zuletzt geändert: 30.06.2010 15:40 von angelus     Nach oben
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