Stachelmäuse
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Echte Mäuse (Murinae) |
| Gattung: | Acomys |
| Art: | Stachelmaus (Acomys spec.) |
In der Aufzählung und den Infotexten handelt es sich um die gegenwärtig anerkannten Arten und Unterarten. Jedoch besteht bei den Stachelmäusen eine beständige, wissenschaftliche Diskussion, beispielsweise ob die Arten wirklich selbständige Arten oder nur Unterarten oder Formen darstellen. Es wird sogar diskutiert, ob Stachelmäuse überhaupt den Echten Mäusen zuzurechnen sind.
Daraus resultieren die unterschiedlichen Darstellungen verschiedener Quellen. So wird die im südlichen Algerien vorkommende Tibesti-Stachelmaus einmal als Unterart der Nilstachelmaus mit dem wissenschaftlichen Namen Acomys cahirinus seurati angeführt. Andere Quellen stellen sie unter dem Namen Algerische Stachelmaus mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Acomys seurati als eigenständige Art dar.
Im Zoofachhandel und bei Züchtern sind zumeist Kreta Stachelmaus (Acomys minous), Ägyptische Stachelmaus, (Acomys cahirinus), Sinai-Stachelmaus (Acomys dimidiatus) und die Goldstachelmaus (Acomys russatus) zu finden.
Wildtier Stachelmaus
Stachelmäuse bewohnen ausschließlich trockene Gebiete. Man findet sie in den Halbwüsten, Wüsten, Felsgebieten, Savannen und Trockenwäldern im südlichen Europa, in kleinen Teilen Asiens und großen Teilen Afrikas. An ihre natürliche Umgebung sind sie physisch sehr gut angepasst. So sind alle Arten sehr gute Läufer und Kletterer, die auch zu außergewöhnlich hohen Sprüngen fähig sind. Dadurch können sie sich sowohl auf felsigem Untergrund wie auch in Buschwerk und Gehölz hervorragend bewegen.
Richtige Nester wie die meisten anderen Mäuse bauen Stachelmäuse in freier Wildbahn nicht. Teilweise fehlt in der Umgebung schlicht das Material dazu, zum anderen ist ein festes, kunstvolles Nest nicht notwendig, da die Jungen es nach ca. 6 Tagen ohnehin schon wieder verlassen.
In ihren Heimatgebieten haben Stachelmäuse als Träger von Typhus- und anderen Krankheitserregern auch eine hygienische Bedeutung für den Menschen.
Stachelmäuse kommen in ihren Verbreitungsgebieten mit einer Ausnahme noch recht häufig vor: die Türkei-Stachelmaus (A. cilicicus) ist in freier Wildbahn stark gefährdet.
Anatomie und Erscheinung
Alle Stachelmausarten haben mehr oder minder ein langgezogenes, spitzes Gesicht, große, hochstehende Trichterohren und sehr lange Vibrissen.
Namensgebend sind die platten Borstenhaare am Rücken, die den Betrachter an die Stacheln eines Igels erinnern, beim Anfassen aber längst nicht so borstig und stabil sind.
In Größe, Farbe und Gewicht unterscheiden sich die einzelnen Arten und Unterarten teilweise sehr stark. Die meisten Stachelmäuse besitzen ein gelbliches Fell, das mehr oder minder mit Grau durchsetzt ist, und haben eine helle Unterseite. Farblich deutlich heraus stechen die rotbraune Goldstachelmaus und die anthrazitfarbene Dunkle Nilstachelmaus.
Die am häufigsten gehaltenen Sinai-Stachelmäuse weisen eine Körperlänge von ca. 9 bis 13 cm auf. Der nackte, dunkel geschuppte Schwanz ist mit ca. 9 bis 12 cm noch einmal fast so lang, wie der Körper. Das Gewicht variiert zwischen 30 und 40 g. Bei zu reichhaltiger Ernährung können sie es aber auch auf 70 bis sogar 100 g bringen.
Zwischen den Arten treten in der Größe weit deutlichere Varianzen auf. Von der kleinsten zur größten Art schwankt die Körperlänge von 7 bis 15 cm und die Schwanzlänge von 4 bis 13 cm. Das Gewicht variiert dann zwischen 5 und 80 g.
Weitere Bilder von Stachelmäusen finden Sie in der Bildergalerie.
Die Stachelmaus als Haustier
Eignung
Stachelmäuse benötigen ein großes, gut strukturiertes Habitat. Zudem sind sie keine Kuscheltiere. Werden einige Arten auch futterzahm, so mag es doch keine einzige wirklich, angefasst zu werden.
Wer also Tiere sucht, die vielfältige Verhaltensweisen an den Tag legen und bereit ist, ihnen den nötigen Platz zu gewähren, wird an Stachelmäusen viel Freude haben.
Für Anfänger empfiehlt sich am ehesten eine Weibchen- und/oder Kastratengruppe von Sinai-Stachelmäusen oder Dunklen Nilstachelmäusen. Entscheidet man sich für eine Männergruppe, sollte diese nicht zu groß (max. 5 bis 8 Tiere) sein.
Gemischte Gruppen und größere Männchenrudel gehören in stachelmauserfahrene Hände.
Für Kinder sind Stachelmäuse als Haustiere nicht geeignet!
Handhabung
Das Handling der Tiere ist meist etwas schwierig. Die wenigsten Stachelmäuse schätzen es, angefasst zu werden und noch weniger lassen sie sich ohne größere Probleme auf die Hand nehmen. Auch dürfen Sie bei diesen Tieren die Hand nie schließen, da sie sonst schnell zubeißen können.
Für den größten Teil der Stachelmäuse empfiehlt es sich, sie mit einer kleinen Transportbox einzufangen und sie aus dieser in ihre neue Umgebung zu entlassen. Dabei müssen Sie nicht notwenigerweise mit der Box hinter der Maus her hetzen. Stachelmäuse sind ungemein neugierig und kommen, wenn Sie sich einen Moment gedulden, oft von ganz allein in die Box.
Auf gar keinen Fall sollten Sie die Tiere am Schwanz festhalten! Um zu entkommen, trennen sich die Tiere sehr leicht von der Schwanzhaut. Übrig bleiben die blutigen Schwanzwirbel, die nach einiger Zeit entweder abfallen oder vom Tier oder seinen Gefährten abgefressen werden.
Die Geschlechtsbestimmung führen Sie am günstigsten mit einer durchsichtigen Transportbox durch.
Beim Tierarzt sind Stachelmäuse schwierige Patienten, da auch zahme Tiere kaum stillsitzen werden und Sie bei Stachelmäusen auch kaum eine Hautfalte zum Greifen bekommen, da das Fell sehr straff sitzt. Nehmen Sie die Tiere an der Nackenfalte, lassen diese oft Haare. Manche bekommen regelrecht kahle Stellen.
Schonender ist es, das betreffende Tier in einer Box zu betrachten oder so in ein Handtuch zu wickeln, dass nur der zu untersuchende Teil herausschaut. Die Nackenfalte sollte nur bei Injektionen angewandt werden.
Stachelmäuse sind zwar keine typischen „Flüchtlinge“, aber auch sie musste ich schon suchen. Am einfachsten fängt man sie zu zweit, indem einer das Tier in eine bestimmte Richtung lotst, während der andere dem Tier eine Transportbox mit interessant riechendem Inhalt hinhält. In der Regel geben die Tiere irgendwann ihrer Neugier nach und klettern in die Box, um zu schauen, was darin ist. Dann müssen Sie nur noch schnell genug den Deckel schließen und schon haben Sie den Ausreißer wieder.
Alternativ eignen sich auch Gitterfallen und Kescher zum Einfangen.
Sozialstruktur und Verhalten
Sowohl in der Sozialstruktur wie auch im Verhalten unterscheiden sich die einzelnen Arten teilweise sehr stark. Während man Sinai- und Ägyptische Stachelmäuse gut in größeren Gruppen halten kann, empfehlen sich beispielsweise für Goldstachelmäuse auf Dauer nur Paare oder Trios, für Zwergstachelmäuse Duos. Größere Gruppen dieser Arten zerfallen in der Regel und es kann zu Kämpfen mit schweren Verletzungen oder sogar bis zum Tode kommen. Deshalb gelten Aussagen zur Gruppenhaltung grundsätzlich nur für gesellige Arten! Als am geselligsten gilt hierbei die Dunkle Nilstachelmaus.
Auch wenn man in den Gruppen sonst keine Probleme feststellen kann, kommt es oft zu Verletzungen im Schwanzbereich. Selbst in der Natur scheinen die Verletzung und/oder der Verlust des Schwanzes häufig vorzukommen.
Allerdings können Schwanzverletzungen oder ab-/angefressene Schwänze auch Anzeichen für Verhaltensstörungen (z.B. durch eine zu kleine Behausung) oder einen Mangel in der Ernährung sein. Dies muss in jedem Fall abgeklärt werden.
Reine Weibchengruppen sind für den Halter am problemlosesten und am friedlichsten. Bei reinen Männchengruppen kommt es auch bei der Abwesenheit von Weibchen häufig zu Auseinandersetzungen.
Dies lässt sich durch ein entsprechend großes Habitat (min. 6qm für 10 bis 15 Tiere) oder Kleingruppenhaltung (2 bis 4 Tiere) lösen. Manchmal hilft aber nur noch das Entfernen eines oder mehrerer Tiere aus der Gruppe.
Die je nach Art tag-, dämmerungs- oder nachtaktiven Stachelmäuse sind keine Schmusetiere. Sie bauen aber durchaus eine Bindung zu ihrem Menschen auf, möchten aber trotzdem nicht angefasst werden. Versuche, sie in die Hand zu nehmen und zu „erziehen“ quittieren sie schnell mit einem schmerzhaften Biss.
Futterzahm werden zum Beispiel die äußerst neugierigen Sinai-Stachelmäuse jedoch recht schnell. Oft kommen sie auch nur, um zu schauen, was es denn neues oder interessantes zu sehen oder zu beschnuppern gibt.
Haltung
Obwohl sich im Netz Mindestgrößenangaben für ein zwei Sinai-Stachelmäuse ab 60x30x30 cm finden, sind solche Gehegegrößen deutlich zu klein für diese agilen Tiere. Als Minimum ist eine Größe von 100x50x100 für 2 bis 4 Exemplare anzusehen, da die Tiere auch gern in die Höhe klettern, wenn man ihnen entsprechende Möglichkeiten bietet. Nach oben sind der Käfiggröße keine Grenzen gesetzt. Ich persönlich halte meine Tiere (Sinai- und Dunkle Nilstachelmäuse) in größeren Anlagen mit einer Fläche zwischen 2 und 7 qm, die die Mäuse nutzen das gesamte Areal aus.
Auch wenn man oft 60er Aquarien als Mindestgrößenempfehlung für die kleinste Stachelmausart findet, erachte ich diese ebenfalls als zu klein. Hier würde ich den Tieren mindestens 100x50x50cm anbieten.
Da sich durch die unterschiedlichen Verhaltensweisen der verschiedenen Arten schlecht allgemeingültige Angaben machen lassen, gelten die folgenden Abschnitte in erster Linie für die am häufigsten gehaltenen Arten, die Sinai- und die Ägyptische Stachelmaus.
Für die agilen Stachelmäuse eignen sich am besten umgebaute Schränke oder Volieren mit Etagen. Diese lassen sich hervorragend strukturieren und den Bedürfnissen der sehr gut kletternden und springenden Mäuse anpassen.
Da Terrarien in einer ansprechenden Größe sehr teuer und unhandlich sind, sind sie zur Haltung nur bedingt geeignet. Planen Sie, Ihre Tiere in einem Terrarium zu halten, sollten Sie schon beim Kauf auf eine ausreichende Belüftung achten.
Aquarien sind für die größeren Arten oft zu flach. Nur für die sehr kleinen Zwergstachelmäuse eignen sich auch Aquarien mit 100cm oder mehr Seitenlänge bedingt. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass das Aquarium nicht höher als breit ist. Zudem können Sie ein Aquarium von ausreichender Grundfläche mit einem Volierenaufsatz erweitern. Mit diesem Aufsatz können Sie das Aquarium auch den Bedürfnissen größerer Arten anpassen.
Als Einstreu kann man Holzstreu, Mulch, Hanf, aber auch Sand und andere Untergründe verwenden. Das Einstreumaterial muss bei Stachelmäusen nicht sehr hoch aufgeschüttet werden, da die Tiere keine Gänge und auch kaum ausgeprägte Nester anlegen. Heu sollten Sie ihnen aber in jedem Fall trotzdem anbieten.
Ob die Einstreu sehr geruchsbindend ist, spielt bei Stachelmäusen keine Rolle, da die Tiere nur wenig Urin absetzen und fast nicht riechen.
Das Habitat der neugierigen Nager sollten Sie möglichst abwechslungsreich gestalten. Dafür eignen sich alle Arten von Naturmaterialien außer dünneren Seilen, die die Tiere nicht benutzen können.
Da viele Arten Felsbewohner sind, bietet es sich zum Beispiel an, den Tieren einen kleinen Steinhaufen aus zuvor gut gereinigten Steinen anzubieten. Diesen müssen Sie in jedem Fall gut verkeilen, damit sich kein Stein löst und eines der Tiere erschlägt.
Solche Steinhaufen sind wie dicke Äste oder ähnliches beliebte Plätze zum Sonnenbaden. Auch wenn die Tiere dieses Bad sehr genießen, sollten Sie den Käfig nie der prallen Sonne aussetzen. Die Tiere brauchen immer einen Schattenplatz zu ihrer Verfügung.
Neben den dicken Ästen, auf denen die Tiere gern sitzen, können Sie auch schmalere anbieten, auf denen sie zum Beispiel auf eine Etage balancieren können. Dies schult Koordination und Gleichgewicht der Tiere.
Für Unterschlupfe eignen sich Korkröhren und –platten, Blumentöpfe, Ton- und Holzhäuser und andere natürliche Einrichtungsgegenstände. Auch Finkennester und hängende Kokosnüsse werden gern angenommen.
Nur mit entsprechend viel Platz und einem gut strukturierten Käfig können die Stachelmäuse ihre natürliche Neugier ausleben und werden zu mehr Bewegung angeregt. Da die Tiere leicht zu Verfettung neigen, ist dies sehr wichtig.
Die Literatur gibt als notwendige Raumtemperatur zur Haltung 28-30°C an. Aber auch bei Zimmertemperatur zeigen die Mäuse keinerlei Anzeichen von Unwohlsein. Sie können den Tieren auch eine zusätzliche Wärmequelle anbieten. Heizsteine oder von Rotlicht beschienene Natursteine werden sehr gern von den Tieren genutzt.
Ob die Tiere ein Laufrad brauchen, da scheiden sich die Geister. Ich sehe es eher als Notlösung, wenn die Tiere sonst nicht genügend Bewegung bekommen. Ist das Habitat groß genug, ist ein Laufrad überflüssig und wird ohnehin nur noch selten benutzt.
Die Tiere können sowohl aus einem zentralen wie auch aus mehreren kleineren Futternäpfen gefüttert werden.
Ein Wassernapf wird öfter mit einer Toilette verwechselt, weshalb sich eher die Verwendung einer Wasserflasche anbietet.
Ernährung
Stachelmäuse ernähren sich zum größten Teil von verschiedensten Saaten. Dazu kommen bis zu 5% Grünpflanzen und 2 bis 10% Insekten. Die anteilige Verteilung der einzelnen Komponenten schwankt dabei von Art zu Art mehr oder minder stark.
Das Grundfutter sollte zum größten Teil aus feineren, nicht zu fetthaltigen Körnersorten wie etwa Hirse bestehen, da Stachelmäuse sehr zur Verfettung neigen. So eignet sich beispielsweise eine Mischung aus Exotenfutter und einer Getreidemischung sehr gut als Trockenfuttergrundmischung. Das Exotenfutter sollte dabei den deutlich größeren Anteil ausmachen. Dieser Mischung können Sie aber auch Waldvogelfutter, diverse Kleinsaatenmischungen oder verschiedene kleine, fettarme Einzelsaaten zusetzen.
Als Feuchtfutter reicht man in erster Linie Gemüse und sonstiges Grünfutter, da die Tiere auch in freier Natur kaum an Obst gelangen. Vorsicht ist hier bei Tomaten angeraten. Die enthaltene Oxalsäure kann Nierenschäden verursachen. Sonst gelten die üblichen Verbote wie etwa alle Kohlsorten auch für Stachelmäuse.
Auch wenn Stachelmäuse sehr wenig trinken, muss ihnen immer eine Wasserquelle, im Idealfall als Wasserflasche, zugänglich sein.
In freier Wildbahn nehmen die Mäuse auch einen mehr oder weniger großen Anteil tierischer Kost wie beispielsweise Schnecken und Insekten zu sich.
Dieses essentiell notwendige Eiweiß kann man den Haustieren in Form von Mehlwürmern, Wanderheuschrecken, Grillen, Schaben, Regenwürmern, magerem Fleisch, gekochten Eiern oder ähnlichem zuführen.
Auf Mehlwürmer als Lebendfutter sollten Sie nur selten zurückgreifen, da diese zu fetthaltig sind und die Tiere kaum zu mehr Bewegung anregen, wie etwa die Jagd nach Heuschrecken.
Einen besonderen Leckerbissen für viele Stachelmäuse stellen Gehäuseschnecken wie die Achatschnecke da, welche sich auch relativ einfach selbst züchten lassen.
Sie können aber auch getrocknete Insekten unter das Körnerfutter geben.
Dass Stachelmäuse zu Verfettung neigen, wurde bereits angesprochen. Diesem Fakt sollten Sie in der Ernährung unbedingt besondere Beachtung schenken, da die Verfettung das Leben der Tiere enorm verkürzen kann.
Sinai-Stachelmäuse sind in der Haustierhaltung fast immer zu dick, da sie zu reichhaltig gefüttert werden.
Fortpflanzung
Die Angaben zur Tragzeit von Stachelmäusen variieren von 34 bis 39 Tagen, wobei auch die Regel „wenig Junge - kürzere Tragzeit, mehr Junge - längere Tragzeit“ zur Anwendung kommt.
Während Geburt stehen die männlichen Stachelmäuse Maus an Maus als „Wächter“ vor dem Bau/Nest und verteidigen bei Bedarf den Eingang. Das so geschützte Weibchen kommt wie ein Huftier auf allen Vieren nieder. Dies ist eine große Seltenheit bei Nagern. Bei der Geburt helfen die Weibchen der Sippe als Hebammen. Ist kein weiteres Weibchen vorhanden, übernimmt der Vater die Rolle der Hebamme. Dieser Instinkt macht das Familienleben der Stachelmäuse außergewöhnlich, ist aber nur selten zu beobachten, da sich die Gebärende bei der Geburt völlig sicher und ungestört fühlen muss. Die Hebammendienste sind für die werdende Mutter eine große Erleichterung, da Stachelmauskinder bei der Geburt schon sehr groß sind.
Die Jungen kommen meist am Morgen zur Welt und ihre Mutter ist am Abend bereits wieder paarungsbereit. Es werden 1 bis 4 Junge mit einem Geburtsgewicht 6-6,55g (weiblich) bzw. ca. 6,20g (männlich) geboren. Meiner Erfahrung nach sind Zwillingsgeburten am häufigsten. Seltener kommen Einzelkinder oder auch Drillinge vor. Eine Vierlingsgeburt stellt eine große Ausnahme dar.
Die Neugeborenen werden von der eigenen Mutter und anderen Muttertieren von der Keimlingshülle befreit und abgeleckt. Damit regen die erwachsenen Tiere die Atmung und Bewegung der Babys an.
Stachelmauskinder kommen als Nestflüchter auf die Welt. Sie haben also schon offene Augen, durchbrochene Schneidezähnen und vollständige Behaarung. Schon wenige Minuten nach der Geburt fangen sie an, durch das Nest zu krabbeln und es auf der Suche nach einer der vier Zitzen der Mutter zu erkunden.
Kinderlose Weibchen versuchen oft, die Welpen zu adoptieren. Manchmal stehlen sie sogar ein Kind und bemuttern es wie ein eigenes. Dieses Verhalten stellt das Überleben verwaister Mäusekinder sicher, da säugende Weibchen auch Kinder fremder, verstorbener Muttertiere annehmen und aufziehen. Das ist für eine Tierart mit so geringer Jungenzahl sehr wichtig.
Nach nur 6 Tagen benötigen die kleinen Stachelmäuse keine Muttermilch mehr. Die Säugezeit beträgt aber normalerweise trotzdem 19 bis 20 Tage.
Die Geschlechtsreife erreicht der Nachwuchs dann mit 2 bis 3 Monaten. In diesem Alter haben die Mäuse dann auch ihren ersten Nachwuchs.
Bei fast allen Stachelmausarten tragen die Kinder ein Jugendfell, welches zumeist hellgrau ist und kaum ausgebildete Stacheln besitzt. Einige Wochen nach der Geburt bekommen die Jungen auf dem Rücken einen kreisrunden Fleck. Dieser besteht aus je nach Art unterschiedlich gefärbten Borsten und wird im Laufe der Zeit immer größer, bis das Tier sein komplettes Erwachsenenfellkleid ausgebildet hat. Gleichzeitig werden die Stacheln immer ausgeprägter.
Es sind auch schon Kreuzungen verschiedener Stachelmausarten, etwa der Kreta-Stachelmaus (A. minous) und der Sinai-Stachelmaus (A. dimidiatus) gelungen. Im Interesse der Artenreinheit sind solche Bastarde aber nicht erwünscht!
Die durchschnittliche Lebenserwartung von Stachelmäusen beträgt 4 Jahre.
Während Gold- und Zwergstachelmäuse als heikel gelten und beispielsweise durch Stress häufiger ihre Jungtiere fressen, ist die Vermehrung von Sinai- und Ägyptischen Stachelmäusen vergleichsweise unkompliziert. Trotz der geringen Nachkommenzahl kann der Nachwuchs einer Gruppe dem Halter daher schnell über den Kopf wachsen. Aus einer Gruppe von fünf Tieren können innerhalb von 4 oder 5 Monaten 40 und mehr Tiere werden.
Deshalb empfiehlt es sich in jedem Fall, in der Liebhaberhaltung nur gleichgeschlechtliche Gruppen oder solche mit Kastraten zu halten. Dies gilt im besonderen für Anfänger in der Stachelmaushaltung, die sich schon von den ersten Würfen schnell überfordert fühlen.
Zudem gibt es Stachelmäuse zunehmend auch in der Notfallvermittlung, so dass es für Laien nicht notwendig ist, Tiere zu vermehren, bei denen er riskiert, sie nicht gut unterzubekommen.
Krankheiten
Sinai-Stachelmäuse sind im allgemeinen sehr gesunde und robuste Tiere bei korrekter Haltung und Fütterung. Allerdings tritt bei den Tieren gehäuft ein schwerer Durchfall auf, der kaum zu bekämpfen ist und auch nach anfänglichen Besserungen durch eine Behandlung immer wiederkehrt und mit dem Tod des Tieres endet. Leider konnte ich noch nicht herausfinden, was genau diesen Durchfall verursacht. Im Verdacht steht der so genannte EHEC, der bei einem Auftreten des Stachelmausdurchfalls nachgewiesen werden konnte.
Bei zu zuckerhaltiger Ernährung neigen die Tiere außerdem zu Diabetes, bei zu fettreicher Nahrung zu Verfettung mit ihren das Leben der Tiere erheblich verkürzenden Begleiterscheinungen wie Organverfettung. Vor allem die Fettleibigkeit stellt ein großes Problem dar, da sie von vielen Haltern nicht als solche wahrgenommen und gegengesteuert wird.
Außerdem reagieren Stachelmäuse bei falscher Haltung (Gehege zu klein) und/oder falscher Ernährung zu Verhaltensstörungen wie Schwanznagen.
Auch wenn sich diese Erkrankungen relativ selten sind, sollten Sie sich in jedem Fall eine Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle schaffen in Höhe von ca. 100 Euro.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung junger, noch nicht komplett umgefärbter Tiere mit Altersgenossen oder Alttieren gestaltet sich in der Regel recht unkompliziert, die erwachsener Stachelmäuse mitunter etwas schwierig. Hier ist es hilfreich, wenn Sie schon etwas Erfahrung in Vergesellschaftungen anderer Arten (z.B. Farbmaus) gesammelt haben.
Erwachsene Tiere gewöhnt man am besten mit der Etappenmethode, in schwierigen Fällen in Kombination mit der Duftmethode aneinander. Wichtig ist dabei, dass Sie in der Etappenmethode die Transportbox nicht zu klein wählen. Alternativ können auch kleine Gitterkäfige verwendet werden. Die Tiere reagieren sonst mitunter sehr aggressiv aufgrund der Enge. Die gesamte Integration muß sehr behutsam betrieben werden. Sie sollte bei Weibchen und Kastraten über etwa 1 Woche, bei Böcken über einen Zeitraum von mindestens 2 bis 3 Wochen gezogen werden, damit Sie sicher sein können, daß die Gruppe stabil bleibt. Auch bei der Vergesellschaftung junger Tiere oder junger Tiere mit erwachsenen reicht es in der Regel, wenn Sie die Etappenmethode über eine Woche anwenden.
Es gibt aber vor allem unter Böcken durchaus auch mal Tiere, die sich gar nicht aneinander gewöhnen lassen. Hier hilft nur eine endgültige Trennung beider Tiere und die Suche nach jeweils neuen Partnern oder die Kastration.
Anschaffung
Je nachdem, welche Stachelmausart Sie suchen, gestaltet sich die Suche nach den Tieren mehr oder minder schwierig. Sinai-Stachelmäuse gibt es immer wieder in Tierheimen und Notstationen. Eine Nachfrage dort lohnt also in jedem Fall.
Auch in Zoohandlungen werden diese Tiere inzwischen oft regelrecht als Ramschware verkauft. Teurer und in den Läden seltener anzutreffen sind beispielsweise Gold- oder Dunkle Nilstachelmäuse, andere Arten werden gar nicht angeboten. Vom Kauf im Laden ist aber ohnehin abzuraten. Das Risiko, kranke, mit Parasiten behaftete, schwangere oder zu Junge Tiere oder schlicht das falsche Geschlecht zu erwerben, ist sehr groß.
Am ehesten werden Sie auf der Suche nach selteneren Arten als der Sinai-Stachelmaus bei einem seriösen Züchter fündig und gut beraten werden. Aber auch auf Messen werden verschieden Stachelmausarten öfter angeboten. Schauen Sie sich die Tiere hier besonders genau an. Auch schwarze Schafe verkaufen dort mitunter ihre Tiere, die dann nicht immer einwandfrei sind.
Für die Erstausstattung müssen Sie je nach gewünschter Gehegelösung für das Gehege selber, Einstreu, Inventar, Futter und Transportbox ca. 150 bis 350 Euro rechnen.
Im Unterhalt sind die Tiere dann mit 20 bis 30 Euro pro Monat aber nicht teurer als andere Kleinsäuger.
Artengesellschaft
Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Stachelmäuse durch ihr neugieriges, meist offenes Wesen recht gut geeignet. Da sich aber nicht jedes Exemplar mit anderen Arten verträgt, sollten Sie diese Tiere niemals für eine Artengesellschaft anschaffen, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.
Eine Artengesellschaft mit Stachelmäusen ist nur mit Nagern denkbar, die mit der geringen Energiemenge des Stachelmausfutters auch gut ernährt werden können. Problematisch sind mitunter Artengesellschaften zwischen verschiedenen Stachelmausarten. Hier ist im Vorfeld eine gründliche Recherche nötig und Sie sollten bedenken, dass sich die einzelnen Stachelmausarten miteinander fortpflanzen können. Das Gehege sollte je nach der zweiten Art eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 2 bis 4 qm haben. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!
Weitere Informationen
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Quellen:
http://www.heimtiere-online.de/main2_4_10.htm
http://www.terraristik-leipzig.de/stachelmaeuse.htm
http://www.rodent-info.net/stachelmaus_allgemeines.htm (ff.)
Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder, (Hrsg.): Mammal species of the world Vol. 2, 3. Auflage, The Johns Hopkins University Press, Baltimore, 2005













