Schilfwühlmaus
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Arvicolinae |
| Gattung: | Microtus |
| Art: | Schilfwühlmaus (Microtus fortis) |
5 Unterarten:
| M. f. calamorum | Unterer Yangtze |
| M. f. dolichocephalus | Mandschurei |
| M. f. michnoi | Transbaikal |
| M. f. pelliceus | Ussuri |
| M. f. uliginosus | Zentral-Korea |
Wildtier Schilfwühlmaus
Schilfwühlmäuse leben in mehreren Unterarten im Südosten Sibiriens, der Mongolei und Mandschurei, Korea und dem östlichen China. Dort bewohnen sie bevorzugt feuchte Habitate mit stehenden Gewässern. Daher können diese Nager auch hervorragend schwimmen und tauchen und zeichnen sich durch eine Affinität zum Wasser aus.
Ihren Bau legen Schilfwühlmäuse als unterirdisches, verzweigtes Gangsystem an, dessen Löcher überirdisch oft durch feste Wege verbunden sind.
In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren sich diese Wühlmäuse von Gras, Schilf und verschiedenen Wurzeln. Saaten und Insekten ergänzen ihren Speiseplan.
Von hygienischer Bedeutung für den Menschen sind Schilfwühlmäuse unter anderem als Träger des Hanta-Virus.
Anatomie und Erscheinung
Die in Haustierhaltung tag- und dämmerungsaktiven Wühlmäuse werden mit einer Kopf-Rumpflänge von 12 bis 14 cm und einer Schwanzlänge von 2,5 bis 3,9 cm recht groß. Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 25 bis 60 g sind sie jedoch vergleichsweise leicht.
Das Fell ist sehr dicht und erdbraun bis leicht olivfarben. Darin verschwinden die recht kleinen Ohren regelrecht.
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Die Schilfwühlmaus als Haustier
Eignung
Schilfwühlmäuse sind hochsoziale Tiere, die niemals einzeln gehalten werden dürfen! Da sie tagaktiv, eher neugierig, zahm und im Gehege gut zu sehen sind, eignen sie sich für Halter, die einer Gruppe den nötigen Platz bieten können, tagsüber zu Hause sind und Freude am Beobachten der Tiere haben.
Angefaßt und gestreichelt werden wollen diese Nager jedoch nicht, obwohl zahme Exemplare auch gern einmal neugierig auf die Hand des Halters klettern.
Aufgrund ihrer auf Frischfutter basierenden Ernährung eignen sie sich nicht für Halter, die die Tiere ab und zu tageweise allein lassen müssen.
Für Kinder sind diese lebhaften Nager jedoch nicht geeignet!
Handhabung
Da Schilfwühlmäuse in der Regel recht zahm sind, können sie einfach mit der Hand von einem Gehege in ein anderes oder eine Transportbox gesetzt werden. Scheuere Exemplare fangen Sie besser mit einer kleinen Transportbox, um unnötigen Streß zu vermeiden. Verwenden Sie bei bissigen Tieren stabile Lederhandschuhe.
Zahme Tiere können Sie für die Geschlechtsbestimmung einfach in die geschlossene Hand nehmen. Vermeiden Sie es dabei, das Tier auf den Rücken zu drehen, da es dann stark zappelt. Halten Sie es einfach so hoch, dass Sie unter den Po schauen können.
Notfalls können Sie die Wühlmaus auch mit dem Nackengriff fixieren. Schonender ist es jedoch, das betreffende Tier in eine Box oder Schüssel mit durchsichtigem Boden zu setzen und von unten zu betrachten.
Beim Tierarzt richtet sich das Handling nach der Zahmheit und der notwendigen Untersuchung, so dass sie aus den oben beschriebenen Methoden jeweils die passende wählen sollten.
Entflohene Exemplare lassen sich recht gut mit der Hand wieder einfangen. Für scheuere Tiere empfiehlt sich eine Gitterfalle, da die handelsüblichen Trip Trap Plastikfallen zu klein für erwachsene Schilfwühlmäuse sind.
Sozialstruktur und Verhalten
Schilfwühlmäuse sind sehr aufgeweckte, neugierige und intelligente Tiere, die unbedingt die Gruppe brauchen, um sich als Haustier wohl zu fühlen.
In freier Natur leben nur die Weibchen als Gruppen mit ihren Jungtieren zusammen. Geschlechtsreife Männchen schließen sich nur im Winter einer Gruppe an. Als Haustiere lassen sie sich jedoch auch in reinen Männchengruppen zusammenhalten. Am besten eignen sich dafür Tiere, die sich zuvor noch nie mit einem Weibchen gepaart haben.
Ist die Gruppe stabil, ist es egal, ob Sie sich für eine Weibchen- oder Männchengruppe entscheiden. Lediglich die Vergesellschaftung gestaltet sich bei männlichen Schilfwühlern meist etwas schwieriger.
Aufgrund ihrer sozialen Ader eignen sich vor allem Weibchen auch für die Haltung in größeren Gruppen. Bei männlichen Mäusen sollten die Gruppen jedoch nicht zu groß (4 bis 8 Tiere) werden.
Haltung
Als Gehege eignen sich am besten Aquarien oder in der Bauart ähnliche, wasserfeste (!) Eigenbauten ab 150×50 cm Grundfläche für 4 bis 6 Tiere.
Da die Tiere gern im Wasser baden und Holzstreu oder ähnliches schnell schimmeln würde, verwenden Sie am besten Erde und/oder Kokoshumus als Untergrund. Diese nehmen die Feuchtigkeit gut auf und haben zudem noch den Vorteil, dass man das Gehege bepflanzen kann. Soweit die Tiere dies nicht selbst besorgen, können Sie die Erde auch mit einem Blumensprüher vor dem Austrocknen bewahren. So halten auch die Gänge der starken Wühler sehr gut.
Bieten Sie den Tieren einen mindestens 30 cm hohen Untergrund an, in den sie sich mit Elan eingraben und ihr Gangsystem anlegen können.
Achten Sie auch bei der Einrichtung auf die Feuchtigkeit im Gehege und verwenden Sie für Häuschen und Co. Gegenstände aus Keramik, gebranntem Ton und ähnlichen Materialien. Möchten Sie den Tieren auch Äste und Wurzeln anbieten, so sollten diese im Idealfall von Gehölzen stammen, die an eher feuchten Orten wachsen wie etwa Weiden oder Erlen, da diese nicht so leicht Schimmel ansetzen.
Versuche, das Gehege zu bepflanzen, etwa mit Moos und Grasbüscheln oder auch darin eine Wiese anzusäen, sind meist nur temporär von Erfolg gekrönt, da die Tiere ihre lebende Dekoration mit Genuss mitunter samt Wurzeln verspeisen. Nur in sehr großen Gehegen mit mehreren Quadratmetern und einem geringen Tierbesatz haben Pflanzen eine realistische Chance, länger zu überleben.
Ebenfalls ins Gehege einbringen können Sie die verschiedensten einheimischen Asseln. Zum einen dienen sie den Wühlmäusen als Eiweißquelle. Zum anderen helfen sie, das Gehege sauber zu halten.
Ebenfalls unabdingbar für Schilfwühlmäuse ist eine Badeschale mit Wasser. Andernfalls nutzen sie gern auch ihren Trinknapf zu diesem Zweck und verwandeln ihn mit Leidenschaft in einen Sumpf.
Bieten Sie daher das Trinkwasser in einer Wasserflasche an. Das Futter muß nicht in einer Schüssel angeboten werden, sondern kann lose im Gehege verteilt werden.
Ernährung
Die Basis der Ernährung für Schilfwühlmäuse bilden Gemüse und sonstiges Frischfutter aus dem Garten oder vom Balkon. Eine besondere Vorliebe haben sie dabei für Wurzelgemüse wie Möhren, Steckrüben, Schwarzwurzeln und ähnliches. Das können Sie einfach in die Erde stecken, so dass es nur ein kleines Stück herausschaut. Die Tiere graben es mit Leidenschaft wieder aus und fressen es.
Säen Sie Hirse oder andere Saaten im Gehege an, so tun sich die Tiere sehr gern an den Keimlingen und jungen Pflanzen gütlich. Eine Wiese kann also in der Regel nicht anwachsen.
Obst sollten Sie eher selten und nur in begrenzten Mengen anbieten. Greifen Sie dabei vor allem auf Früchte aus den gemäßigten Breiten zurück. Tropische Früchte sollten Sie gar nicht, Steinobst nur in sehr geringen Mengen verfüttern.
Eine abwechslungsreiche Trockenfuttermischung sollte die Frischfutterbasis ergänzen.
Essentiell ist ebenfalls tierisches Eiweiß in der Wühlmausernährung. Es kann beispielsweise aus getrockneten Seidenraupen, Futterinsekten oder auch Asseln bestehen.
Eine Quelle für frisches Wasser ist für diese Mäuse sehr wichtig. Da sie in der Natur am Wasser leben, haben sie es dort immer zur Verfügung und haushalten damit nicht wie etwa Wüstentiere. Daher trinken sie vergleichsweise viel. Ein Wassermangel kann daher schnell zu gesundheitlichen Problemen führen.
Fortpflanzung
Die Paarung der Tiere zieht sich meist über mehrere Tage hin und ist von lautstarkem Gepiepse begleitet. Danach bringt die Schilfwühlmäusin nach einer Tragzeit von etwa 23 Tagen durchschnittlich 5 bis 6 Junge zur Welt, die nach 3 Wochen langsam selbständig, mit 4 bis 6 Wochen geschlechtsreif werden. Vor der 5. Lebenswoche sollten die Jungen aber nicht abgegeben werden.
Schilfwühlerinnen sind hingebungsvolle Mütter. Sie bewachen und beschützen ihren Nachwuchs mit Leib und Seele. Die ersten Erkundungsgänge der Jungen außerhalb des Nestes enden schnell, wenn Mutter es merkt und die Protest schreienden Kleinen wieder zurück trägt. Dieser Trieb ist so stark, dass die Übermama manchmal sogar versucht, (fast) erwachsene Gruppenmitglieder wegzutragen. Auch wenn die Jungtiere schon 4 Wochen und älter sind, bremst dies ihre Mutter nicht wirklich.
Schilfwühlmäuse werden im Durchschnitt 2 Jahre alt.
Krankheiten
Schilfwühlmäuse sind bei korrekter Pflege eher selten krank, so dass sich keine typischen Erkrankungen benennen lassen. Bei Wassermangel entwickeln sie jedoch aufgrund ihres Flüssigkeitsbedarfs schneller Symptome als Tiere aus trockeneren Lebensräumen. Ein solches Tier muß sofort (!) einem Tierarzt vorgestellt werden!
Auch wenn Schilfwühlmäuse bei richtiger Haltung und Fütterung eher selten krank werden, sollten Sie sich eine finanzielle Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle von etwa 100 Euro schaffen.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung kann bei Schilfwühlmäuserichen schwierig bis unmöglich werden, wenn diese Tiere sich bereits einmal mit Weibchen gepaart haben.
Nicht angepaarte Männchen und Weibchen sollten auf neutralem Boden auf einer möglichst großen Fläche, etwa der Badewanne, zusammengesetzt werden. Danach folgen Sie am besten der Etappenmethode unter Auslassung der Stufe mit der Transportbox.
Besonders bei Männchen empfiehlt es sich, erwachsenen Tieren, die als dominant und/oder aggressiv bekannt sind, junge Böckchen dazu zu vergesellschaften. Hier sind die Erfolgsaussichten höher als mit erwachsenen Tieren.
Ob eine Kastration Abhilfe bei Aggressivität schaffen kann, ist bisher nicht erprobt worden.
Anschaffung
Wenn Sie nach der Lektüre dieses Steckbriefes zu dem Ergebnis gelangt sind, dass Schilfwühlmäuse für Sie die richtigen Tiere sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren. Diese kann sich aufgrund der Seltenheit dieser Nager als Heimtiere schwierig und langwierig gestalten.
In Tierheimen und Nothilfen sind diese Tiere nicht zu finden. Am ehesten werden Sie bei Schulzoos, Zoos oder seriösen Züchtern Glück haben. Vergewissern Sie sich bei Züchtern immer über die Zucht- und Haltungsbedingungen.
Eventuell tauchen diese Nager in Zoohandlungen oder auf Börsen auf. Verzichten Sie hier besser auf einen Kauf. Die Gefahr, kranke oder schwangere Tiere zu bekommen oder das falsche Geschlecht, ist nicht auszuschließen.
Je nachdem, welche Gehegelösung und welche Einrichtung Sie wählen, sollten Sie für eine Erstausstattung für Schilfwühlmäuse (Gehege, Untergrund, Inventar, Transportbox) etwa 300 bis 400 Euro veranschlagen.
Der monatliche Unterhalt für Untergrund, Feucht-, Trocken- und Eiweißfutter liegt je nach Gruppengröße bei etwa 30 bis 50 Euro im Monat.
Artengesellschaft
Über eine Artengesellschaft
liegen derzeit nicht genügend Erkenntnisse vor, um eine Empfehlung zu geben. Erste Versuche haben sich jedoch als sehr schwierig erwiesen.
Verzichten Sie daher, Schilfwühlmäuse in einer Artengesellschaft zu halten!
Weitere Informationen
Sie haben noch Fragen, die dieser Steckbrief noch nicht beantwortet hat? Dann können Sie diese ganz einfach in unserem Forum stellen!
Quellen:
http://www.rodent-info.net/schilfwuehlmaus_allgemeines.htm
http://www.funet.fi/pub/sci/bio/life/mammalia/rodentia/arvicolidae/microtus/index.html









