Goldstachelmaus
| Acomys russatus russatus (Wagner, 1840) | Saudi Arabien, südlicher Jemen |
| Acomys russatus aegyptiacus (Bonhote, 1912) | Ägypten östlich des Nils) |
| Acomys russatus lewisi (Atallah, 1967) | Jordanien |
| Acomys russatus harrisoni (Harrison, 1972) | Israel |
Wildtier Goldstachelmaus
Goldstachelmäuse bewohnen aride Gebiete wie Stein- und Geröllwüsten, aber auch Trockensavannen, die vor allem von felsigem Gelände dominiert werden. Immer häufiger findet man sie auch in der Nähe menschlicher Siedlungen.
Goldstachelmäuse leben in kleinen Gruppen immer relative nahe zu ihren Nahrungsquellen. Müssen sie vor ihren zahlreichen Feinden fliehen, verstecken sich die Tiere dabei in der Regel in schmalen Felsspalten, wo Räuber sie nicht erreichen können.
Das Verbreitungsgebiet der Goldstachelmaus reicht von Ägypten östlich des Nils über den südlichen und östlichen Sinai, Jordanien, Israel, Saudi-Arabien bis hinein in den Norden des Jemen und nach Oman.
Teilweise überschneidet sich das Verbreitungsgebiet der Goldstachelmaus mit dem der Nilstachelmaus (A. cahirinus). Um nicht in direkte Konkurrenz zu treten, gehen sich die Arten durch unterschiedliche Aktivitätszeiten aus dem Weg, wobei Goldstachelmäuse tag-, Nilstachelmäuse nachtaktiv sind. Interessanterweise werden Goldstachelmäuse auch nachtaktiv, wenn man die Nilstachelmäuse aus Gebiet entfernt. Hier scheint also eine Verdrängung stattzufinden.
In der Ernährung der Goldstachelmaus findet sich ein recht hoher Anteil tierischer Nahrung. So sind sie schon beim Fressen von Kamelspinnen und Skorpionen beobachtet worden. Neben Insekten und Spinnentieren fressen sie auch Landschnecken der Gattung Gastropoda, verschiedne Saaten und grünes Pflanzenmaterial, darunter selbst Pflanzen mit hohem Salzgehalt. Die überschüssigen Salze können diese Stachelmäuse über den ohnehin hochkonzentrierten Urin wieder ausscheiden. Diese Fähigkeit verleiht ihnen auch die Möglichkeit, Schnecken zu fressen und Salzwasser (z.B. Meerwasser) zu trinken. Trinken müssen sie jedoch in jedem Fall, obwohl sich diese Tiere hervorragend an ihren kargen, heißen und trockenen Lebensraum angepasst haben und bis zu 9 Tage lang hungern und dursten können. Insgesamt zeichnen sich Goldstachelmäuse durch einen auffallend niedrigen Energiebedarf aus. Genau dieser niedrige Energiebedarf bereitet den Tieren in der Haustierhaltung allerdings Probleme, da sie eine starke Adipositasneigung aufweisen, die mit einer erhöhten Diabetesgefahr einhergeht.
In guten Zeiten legen Goldstachelmäuse nicht wie viele andere kleine Nager Nahrungsvorräte an, sondern speichern die überschüssige Energie als Fett im Körper, der in Mangelzeiten dann darauf zurückgreift. Bei akutem Nahrungsmangel kann Topor während der Ruhezeiten der Mäuse beobachtet werden, während sie in ihrer aktiven Periode am Tag eine gesteigerte Aktivität zeigen.
Ihre Anpassung an den heißen Lebensraum macht Goldstachelmäuse jedoch empfindlicher gegen kühle oder gar kalte Temperaturen. So können sie tagsüber bei bis zu 33°C aktiv sein, auch wenn sie Temperaturen über 30°C gern meiden. Temperaturen unter 18°C können Goldstachelmäuse nur schlecht tolerieren, da sie nicht kälteresistent sind. Da sie keinen Winterschlaf halten, lässt sich in sehr kalten Wintern daher eine erhöhte Sterblichkeitsrate beobachten. In Menschenhand sollten sie daher immer einen Wärmestrahler zur Verfügung haben.
Für den Menschen ist die Goldstachelmaus kaum von Bedeutung. Zwar findet sie sich gern auf beregneten Feldern ein und frisst dort auch das Getreide, jedoch ist die Zahl der Tiere für ernsthafte Schäden zu gering.
Gesundheitlich können wilde Goldstachelmäuse dagegen von größerer Bedeutung sein, da sie Rickettsien in sich tragen können, die über Flöhe auf den Menschen übertragen werden und bei diesem Typhus verursachen.
Im Mittleren Osten sind sie jedoch auch beliebte Haustiere. Auch in der biologischen und der Krebsforschung haben diese Stachelmäuse ihre traurige Laborkarriere angetreten.
Goldstachelmäuse gelten als nicht bedroht. Im Gegenteil, ihr Bestand nimmt durch menschliches Vordringen in aride Gebiete weiter zu.
Anatomie und Erscheinung
Goldstachelmäuse haben eine rötlich-orangefarbene bis goldgelbe Oberseite mit schwarzen oder grauen Stachelenden, die das einzelne Tier dunkler oder heller erscheinen lassen, und eine helle bis weiße Unterseite sowie je einen Weißen Fleck unter den Augen und hinter den Ohren. Die farblichen Abweichungen lassen sich dabei auf die verschiedenen Unterarten zurückführen.
Von den 4 Unterarten ist Acomys russatus lewesi die dunkelste. A. r. russatus ist heller, aber intensiver gefärbt als A. r. harrisoni und aegyptiacus und hat auch einen längeren Schwanz als letztere. A. r. aegyptiacus ist gelblicher und leuchtender gefärbt und bleibt zudem etwas kleiner als die Nominatform.
Das Gewicht der Tiere kann zwischen 15 und 80g schwanken, durchschnittlich werden zwischen sie jedoch zwischen 35 und 50g schwer. Extrem fettleibige Tiere können in der Haustierhaltung auch über 100g erreichen. Dieses stark gesundheitsschädigende Gewicht sollte unbedingt durch eine entsprechende Diät reduziert werden!
Je nach Unterart erreichen Goldstachelmäuse eine Körperlänge von 7 bis 15cm und eine Schwanzlänge von 4 bis 13cm. Der Schwanz neigt wie bei allen Stachelmäusen dazu, leicht abzureißen, wenn man das Tier daran festhält. Vermeiden Sie es also unbedingt die Tiere am Schwanz hochzuheben!
Goldstachelmäuse weisen weder in der Größe noch im Gewicht einen Unterschied der Geschlechter auf.
Fortpflanzung
In freier Wildbahn vermehren sich Goldstachelmäuse genau wie als Haustiere das ganze Jahr über, jedoch fällt die Hauptfortpflanzungszeit der wilden Verwandten in die feuchtere Periode von Februar bis Juli.
Über die Dauer der Tragzeit gibt es bei Goldstachelmäusen sehr unterschiedliche Angaben. Sie liegt in etwa bei 32 bis 38 Tagen. Danach bringt das Weibchen 1 bis 5 voll entwickelte Junge mit einem durchschnittlichen Geburtsgewicht von 7g zur Welt, da Goldstachelmäuse wie alle Acomys Nestflüchter sind. Die Kleinen werden dann bis zu drei Wochen an den (je nach Unterart) 2 oder 3 Zitzenpaaren gesäugt, nehmen jedoch schon 7. Tag auch feste Nahrung zu sich.
Wie alle Stachelmäuse betreiben auch Goldstachelmäuse die im Haupttext beschriebene, besondere Geburtshilfe und Brutpflege. Letzterer widmen sich vor allem die Weibchen.
Die Geschlechtsreife erreichen junge Goldstachelmäuse mit etwa 2 bis 3 Monaten. Dann kann es zu Problemen zwischen Vater und Söhnen kommen, so dass die Söhne aus dem Gehege entfernt werden müssen, um Verletzungen zu vermeiden.
In freier Wildbahn werden Goldstachelmäuse selten 2 oder 3 Jahre, in Gefangenschaft können sie jedoch ein Alter von bis zu 5 Jahren erreichen.
Quellen
Animal diversity
Tierdoku.com
Smithsonian Institute
Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder, (Hrsg.): Mammal species of the world Vol. 2, 3. Auflage, The Johns Hopkins University Press, Baltimore, 2005
Journal of Comparative Physiology B: Biochemical, Systemic, and Environmental Physiology; Springer Verlag, Berlin/Heidelberg, Heft 175, Nr.3 04/05; Seiten193-200