Nilgrasratte

Systematik und Biologie

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Gattung:Kusu-Grasratten (Arvicanthis)
Art: Nilgrasratte (Arvicanthis niloticus)

7 Arten


Die Nilgrasratte als Wildtier

Wie der Name der Tiere schon sagt, findet man diese Tiere in unter anderem Anrainerstaaten des Nils, also in Teilen Ägyptens, des Sudans, aber auch in großen Teilen Afrikas südlich der Sahara wie etwa in Kenia, Äthiopien und Uganda.
Dort bewohnen sie Graslandschaften, Savannen, Steppen, Waldlichtungen und Moorgebiete. Außerdem ist sich auch in der Nähe des Menschen auf Feldern, in Gemüsegärten und sogar in menschlichen Unterkünften zu finden.
Dort legt sie ein oberirdisches Nest an, wenn die Flora ausreichend Deckung bietet. Ist der Boden dagegen nur dünn bewachsen, gräbt sie sich einige Zentimeter tief in den Boden ein.
Pflanzenteile, besonders Gräser, spielen auch in der Ernährung der Nilgrasratten die Hauptrolle. Leben die Tiere auf Kulturland kann sich der Schwerpunkt auch zu Getreide verschieben. Während der Regenzeit bis in die Anfänge der Trockenzeit hinein fressen sie zudem recht viele Insekten, die dann bis zu einem Drittel ihrer Nahrung ausmachen können.
Das Fortpflanzungsverhalten richtet sich stark nach dem Klima und der Region, in dem die Tiere leben. Finden die Tiere optimale Bedingungen, vermehren sie sich das ganze Jahr hindurch. In Regionen mit Regen- und Trockenzeiten stellen die Tiere die Vermehrung zeitweise ein.
Aufgrund ihrer recht hohen Vermehrungsrate stellt die Nilgrasratte neben der Vielzitzenmaus einen der bedeutendsten Schadnager Afrikas dar. Gleichzeitig ist sie eine regelmäßige Beute für viele Vögel und Reptilien in ihrem Verbreitungsgebiet.


Anatomie und Erscheinung

Nilgrasratten sind recht große Nager. Sie erreichen eine Kopf-Rumpflänge von etwa 15 bis 20 cm und eine Schwanzlänge von etwa 16 bis 21 cm. Bei dieser Größe können sie bis zu 180g wiegen.
Nilgrasratten haben für tagaktive Tiere recht große Augen, dazu recht kleine, runde Ohren und ein braun-olivfarbenes Fell, das sie im Heu und auch auf Erde so gut wie unsichtbar werden lässt.


Die Nilgrasratte als Haustier

Eignung

Nilgrasratten sind recht scheue und durch ihre Größe auch recht kräftige Nager. Das macht das Handling dieser Tiere nicht ganz einfach. Erfahrungen mit anderen Tiere ähnlicher Größenordnung sind also von Vorteil.
Durch ihre Scheu sind sie eher heimliche Bewohner, die man nur mit viel Geduld und Muße richtig beobachten kann. Dafür kann sich der Halter bei der Einrichtung des Geheges nach Belieben austoben. Harte Materialien wie Wurzeln, Keramik und Ton überleben recht lange, während Kork mit Vorliebe auch geschreddert wird.
Ein Halter, mit viel Zeit und Geduld und einen Hang zur „Innenarchitektur“ wird mit diesen Tieren also am glücklichsten werden. Wer seine Tiere dagegen gern zahm hat und sie streicheln will, sollte die Finger von Nilgrasratten lassen.
Für Kinder sind Nilgrasratten keine geeigneten Haustiere!


Handhabung

Nilgrasratten sind recht scheue Nager und entsprechend schnell und sprunghaft in ihren Bewegungen. Dazu kommt, dass die nicht ganz kleinen Tiere durchaus auch Kraft haben. Das macht das Handling dieser großen Mäuse zu einer kleinen Herausforderung.
Sollten Sie die Tiere nicht unbedingt berühren müssen, fangen Sie sie am besten mit einer kleinen Faunabox. Das ist für beide Seiten – sowohl für die Nilgrasratte, wie auch für Sie – die nervenschonendste Variante.
Müssen die Tiere doch einmal angefasst werden, empfiehlt sich ein derblederner Schweißerhandschuh, durch den die Tiere in ihrer Panik auch nicht durch beißen können.
Dieser Handschuh leistet auch beim Tierarzt gute Dienste, wenn ein Tier für die Untersuchung oder Behandlung angefasst werden muß. Versuchen Sie die direkte Berührung jedoch auf ein Minimum zu reduzieren.
Entflohene Exemplare lassen sich gut mit einem Kescher einfangen. Mit etwas Übung und Geduld geht es aber auch einer größeren Faunabox oder Lebendfallen für Ratten. Achten Sie bei letzteren darauf, dass diese lang genug sind, damit sich die Tiere nicht den Schwanz einklemmen.


Sozialstruktur und Verhalten

Nilgrasratten sind tagaktive, gesellige Nager, die gern in Gruppen leben. Die Haltung eines einzelnen Tieres verbietet sich also strikt!
Dem Menschen gegenüber sind Nilgrasratten sehr argwöhnisch und scheu und ergreifen spätestens bei unerwarteten Geräuschen oder Bewegungen blitzartig die Flucht. Jedoch gewöhnen sich die Tiere mit der Zeit auch ein wenig an wiederkehrende Geräusche, Gerüche und Handlungen und fliehen dann auch nicht mehr beim kleinsten Anlaß vor ihrem Halter. Zahm werden die Tiere jedoch niemals.
Untereinander sind Weibchen höchst verträglich. Basierend auf sehr wenigen Erfahrungsfällen haben sich Männchen untereinander ebenfalls als verträglich gezeigt, wenn sie sich kennen, also miteinander aufgewachsen sind.


Haltung

Auch wenn Nilgrasratten nicht unbedingt die bewegungsfreudigsten Nager sind, brauchen sie eine gewisse Gehegegröße, damit der Halter ihre Umgebung auch ausreichend strukturieren kann. Für bis zu 4 Tiere liegt das Minimum daher bei 100 x 50 x 100 cm. In dieser Gehegegröße lassen sich gut 1 bis 2 Etagen einziehen. Am besten geeignet sind dabei umgebaute Schränke oder Eigenbauten mit ähnlichem Grundaufbau. Für Volieren oder reine Aquarienhaltung sind die Tiere dagegen nicht geeignet.
Als Einstreu eignet sich Kleintierstreu, Eurolin oder ähnliches. Von Erde waren zumindest meine Tiere nur mäßig begeistert.
Achten Sie beim Inventar darauf, dass alle Schlupflöcher für die Tiere groß genug sind, sodaß nicht die Gefahr des Steckenbleibens besteht. Das Inventar kann aus allen möglichen natürlichen Materialien wie Holz, Kokos, Keramik, Ton oder Kork bestehen. Auch Äste und Wurzeln werden gern angenommen. Weiche Materialien wie Kork werden aber gern und oft geschreddert. Auch Holzinventar fällt dem Nagetrieb der Tiere ab und zu zum Opfer. Kokosnüssen scheinen den Tieren dagegen zu hart zu sein.
Bei der Gestaltung des Geheges sollten Sie beachten, dass Nilgrasratten zum einen keine virtuosen Kletterer sind und zum anderen deutlich mehr auf die Waage bringen als etwa Mongolische Rennmäuse oder Stachelmäuse. Etagen mit Rampenverbindungen und vielen verschiedenen Häuschen und anderen Deckungsmöglichkeiten bilden daher die Grundlage der Inneneinrichtung. Auf Wurzeln und größeren Aststücken klettern die Tiere aber auch ganz gern mal herum.


Ernährung

In der Natur bilden pflanzliche Stoffe die Basis der Ernährung der Nilgrasratten, gefolgt von Getreide und Saaten. In der Haustierhaltung kommen Nilgrasratten fast ausschließlich als Futtertiere vor und werden als Nager einfach mit Pellets oder Getreidemischungen ernährt. Daher fressen diese Tiere auch bei angebotener natürlicherer Haltung anfangs wenig Gemüse. Salat wird oft verschmäht, jegliche Art von Wurzelgemüse ist dagegen recht beliebt. Bieten Sie Ihren Tieren also immer eine reiche Auswahl an Gemüse und Grünfutter an. Auch Obst kann verfüttert werden, sollte jedoch nur einen kleinen Anteil ausmachen.
Als Trockenfutter hat sich eine Mischung bewährt, die zu ¾ aus verschiedenen Getreiden und Buchweizen und ¼ Kleinsaaten besteht. Diese Mischung sollte noch mit verschiedenen getrockneten Kräutern ergänzt werden, da die Tiere diese gern annehmen. Ebenso wird auch Heu teilweise gefressen.
Tierische Proteine nehmen Nilgrasratten eher zögerlich und wenig an. Kennen sie sie aber einmal, werden Insekten auch gefressen. Allerdings haben zumindest meine Tiere nie gejagt und nur tote Insekten angenommen. Diese sollten dann auch ruhig zwei- bis dreimal die Woche angeboten werden.
Wasser nehmen sie zum Teil über das Frischfutter auf. Es sollte jedoch zusätzlich immer frisches Wasser in einer Flasche angeboten werden.


Fortpflanzung

In der Haustierhaltung vermehren sich Nilgrasratten das ganze Jahr hindurch. Dabei bekommen sie nach einer Tragzeit von etwa 21 Tagen 1 bis 11, meist 3 bis 6, nackte und blinde Jungtiere, die sich jedoch extrem schnell entwickeln.
Mit etwa 2 Monaten erreichen die Jungen dann die Geschlechtsreife. Deutlich vorher sollten Sie auch nicht von ihrer Mutter getrennt werden.
Als Haustiere können Nilgrasratten ein Alter von bis zu 7 Jahren erreichen.


Krankheiten

Nilgrasratten haben leider eine Neigung zu Atemwegserkrankungen gezeigt, die sich aufgrund der Scheu der Tiere auch nicht so einfach behandeln lassen. Vorbeugen kann man hier mit einer Raumtemperatur über 20°C und einem zugfreien Standort.
Bei falscher Fütterung können die Tiere darüber hinaus auch übergewichtig werden, was sich leicht mit einer Fütterungsumstellung beheben lässt.
Weitere häufig auftretende Erkrankungen sind (zumindest mir) nicht bekannt. Trotzdem sollten Sie in jedem Fall für veterinärmedizinische Notfälle eine finanzielle Reserve von etwa 100 Euro anlegen.


Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung von Nilgrasrattenweibchen einfach ist sowohl bei jungen wie auch bei adulten Tieren recht unkompliziert. Auch Kastraten werten recht problemlos von den Weibchen akzeptiert.
Böcke und recht frische Kastraten reagieren jedoch recht aggressiv auf männliche Artgenossen und vereiteln meist jeglichen Versuch, sie zusammen zu führen. Auch Jungböcke werden von erwachsenen Böcken und Kastraten recht gnadenlos verbissen. Vermeiden Sie also nach Möglichkeit eine Vergesellschaftung aller Konstellationen mit ausschließlich männlichen/kastrierten Tieren.
Als Vergesellschaftungsmethode eignen sich Etappenmethode und neutraler Boden am besten. Beides sollte man in der Badewanne oder einem ähnlichen Revier beginnen, da die Tiere dort genügen Platz haben, sich anfangs bei Angst aus dem Weg zu gehen. Meist ist ihre Angst vor dem Halter aber größer.
Dies kann man sich zunutze machen, indem man 1 großes Häuschen reinstellt, in dem sich dann in der Regel alle Tiere recht schnell und friedlich verstecken.


Anschaffung

Wenn Sie nach der Lektüre der vorangegangenen Texte Nilgrasratten als Haustiere für sich entdeckt haben, sollten Sie für die Erstausstattung (Gehege, Inventar, Streu, Futter, Transportbox) je nach Gehegelösung zwischen 150 und 300 Euro einplanen. Monatlich ergeben sich je nach Gruppengröße und Futterplan Kosten für Futter und Streu in Höhe von ca. 20 bis 40 Euro.
Nilgrasratten sind derzeit im Tierschutz fast nicht zu finden. Dennoch lohnt es sich in jedem Fall, bei Tierheimen größerer Städte und privaten Nothilfen nachzufragen. Eventuell können diese Sie auf Notfalltiere hinweisen, wenn sie selbst keine beherbergen.
Werden Sie im Tierschutz nicht fündig, sollten Sie sich an einen seriösen Züchter wenden. Dieser kennt seine Tiere, kann Sie gut beraten und ist sicher bei der Geschlechtertrennung. Ein solcher ist in Deutschland allerdings aktuell sehr schwer zu finden.
Die Geschlechtertrennung ist auch das größte Problem, wenn Sie Ihre Tiere in der Zoohandlung erwerben wollen, wo es diese Art derzeit nur sehr selten zu kaufen gibt. Die Gefahr, wider Willen ein vermehrungsfreudiges Pärchen zu erstehen, ist enorm groß. Ebenso können die Tiere Parasiten oder Krankheiten haben, die nicht erkannt und/oder nicht behandelt wurden.
Am wahrscheinlichsten werden Sie die Tiere als Futtertiere auf Terrarienbörsen finden. Entsprechend entstammen sie meist minimalsten Haltungsbedingungen und es erscheint fraglich, ob man diese durch einen Kauf unterstützen sollte. Zudem versuchen auch schwarze Schafe auf solchen Börsen, ihre Tiere an den Mann und die Frau zu bringen und verkaufen zu junge, kranke oder bereits recht alte Tiere.





Quellen
Degupedia – Nilgrasratte
Rattenforum
Schulzoo Leipzig

 
arten/nilgrasratte.txt · Zuletzt geändert: 19.08.2011 12:29 von angelus     Nach oben
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