Indische Nacktsohlen-Rennmaus
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Rennmäuse (Gerbillinae) |
| Gattung: | Nacktsohlenrennmäuse (Tatera) |
| Art: | Indische Nacktsohlen-Rennmaus (Tatera indica) |
Wildtier Indische Nacktsohlen-Rennmaus
Indische Nacktsohlen-Rennmäuse findet man in Indien und Pakistan. Im Westen kommen sie bis Syrien, im Norden bis Afghanistan und Nepal vor. Auch auf Teilen Sri Lankas sind sie heimisch. Kalte Gebiete oder solche mit wenig Regen meiden sie jedoch.
In ihrem Verbreitungsgebiet bewohnen sie Savannen und offenes Grasland ohne Baumbestand. Dort legen sie unterirdische, weit verzweigte Gangsysteme an, deren Eingänge teilweise mit loser Erde verdeckt werden, um Feinde fernzuhalten. Der Bau besteht aus mehreren Kammern, die unter anderem zum Schlafen und für Vorräte genutzt werden. Von diesem Bau entfernen sich die Tiere nie sehr weit.
Die unterirdischen Bauten werden von den Tieren auch an die Jahreszeiten angepasst. So liegen die Höhlen im Winter in einer Tiefe von etwa 35 cm, im Sommer vertiefen die Tiere sie dann auf etwa 45 bis 50 cm, um der sommerlichen Hitze zu entkommen.
Ähnlich wie Ratten finden sich auch Nacktsohlen-Rennmäuse überall da ein, wo sie Nahrung finden. Ihre Hauptnahrung sind Wurzeln, Samen, Obst und frisches Grün sowie Eier, Insekten und junge Vögel. Aber auch vor kleineren Säugern (darunter eigene Jungtiere) machen sie nicht Halt. Wenn Insekten im Lebensraum reichlich vorhanden sind, steigt deren Anteil in der Nahrung auf 40%.
Die Population der Nacktsohlen-Rennmaus erreicht während des Monsuns ihre höchste, im Januar ihre geringste Dichte.
Für die Trockenzeit legen die Tiere in ihren Bauten Nahrungsvorräte an, die hauptsächlich aus Getreide und Saaten bestehen. So können die Nager in landwirtschaftlich genutzten Regionen schnell zur Plage werden.
Für den Menschen sind sie jedoch nicht nur als Ernteschädlinge, sondern auch als Krankheitsüberträger von Bedeutung. Im Süden Indiens stehen sie auch auf dem Speiseplan der einheimischen Bevölkerung.
Zu den natürlichen Feinden der Indischen Nacktsohlen-Rennmaus gehören Eulen und andere Greifvögel sowie Schakale, Füchse, Schlangen und Warane.
Anatomie und Erscheinung
Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von ca. 15 cm, einem etwa 20 cm langen, behaarten Schwanz und einem Gewicht von 100 bis 160 g zählt die Indische Nacktsohlen-Rennmaus zu den größeren Arten.
Die Fellfarbe variiert auf der Oberseite von rötlich- bis hellbraun. Namen gebend jedoch sind die komplett haarlosen – nackten – Fußsohlen der Tiere. Die Ohren sind ebenfalls unbehaart und relativ lang. Als nachtaktive Nager haben sie sehr große, schwarze Augen.
Die Indische Nacktsohlen-Rennmaus als Haustier
Eignung
Nacktsohlen-Rennmäuse eignen sich am besten für Halter, die reine Beobachtungstiere suchen und Spaß daran haben, große Gehege detailreich einzurichten, denn trotz ihrer Größe sind die Tiere keinesfalls zum Anfassen geeignet.
Gönnt man den Tieren ein Gehege, das in Größe und Einrichtung ihren Bedürfnissen entspricht, belohnen sie ihren Halter mit einem schüchternen, aber im Laufe der Zeit immer neugierigeren Wesen. Haben sie sich einmal eingelebt, können sie mit etwas Geduld auch futterzahm werden. In jedem Fall kann man die Tiere regelmäßig und gut bei ihrem geschäftigen Treiben beobachten.
Durch ihre eher friedliche Natur eignen sie sich auch für Rennmausanfänger.
Einen weiteren positiven Aspekt stellt die Geruchsarmut der Tiere dar.
Für Kinder sind die Tiere aufgrund ihrer Scheu vor der Hand nicht geeignet.
Handhabung
Nacktsohlen-Rennmäuse werden oft als nervöse, schnell panisch reagierende Tiere beschrieben. Dies konnte ich jedoch bei meinen Tieren nur ganz am Anfang feststellen. Die Tiere wurden schon wenige Tage nach ihrer Ankunft deutlich ruhiger und weniger schreckhaft. Anfassen oder gar in die Hand nehmen lassen sie sich in der Regel aber nicht. Zudem müssen Sie immer damit rechnen, dass Sie unbeabsichtigt den Fluchtreflex der Tiere auslösen.
Das macht die Handhabung dieser großen Rennmäuse in manchen Situationen etwas schwierig.
Geht es nur um die Reinigung des Käfigs oder das Umsetzen in ein anderes Gehege, fangen Sie die Tiere am besten mit einer größeren Transportbox und setzen sie um.
In einer durchsichtigen Box kann auch die Geschlechtsbestimmung der Tiere stattfinden.
Beim Tierarzt gestaltet sich die Handhabung deutlich schwieriger. Versuchen Sie hier nach Möglichkeit, das Tier fest in ein Handtuch zu wickeln, so dass nur die zu untersuchende Stelle exponiert ist. Bei Tastuntersuchungen sollte mindestens der Kopf komplett vom Handtuch bedeckt sein.
Für Injektionen fixieren Sie das Tier mit Nackengriff und an der Schwanzwurzel auf einer Unterlage.
Bei sehr panischen Tieren empfiehlt sich für eingehendere Untersuchungen eine leichte Betäubung, etwa mittels Einleiten von Isofloran in eine Gasbox, um das Tier ohne größeres Verletzungsrisiko halten zu können.
Entflohene Exemplare fangen Sie am besten mit einer Gitterfalle oder einem Kescher wieder ein.
Sozialstruktur und Verhalten
Indische Nacktsohlen-Rennmäuse leben in Familiengruppen und zeigen nur wenig innerartliche Aggressionen. Sie können diese Tiere also auch problemlos in größeren Gruppen halten.
Vergesellschaftungen verliefen hier völlig friedlich. Die Gruppen sind auch auf sehr großen Arealen (im Fall meiner Tiere 6q m) stabil.
Wie bereits erwähnt, werden die Tiere mitunter als hochgradig nervös und sprunghaft scheu beschrieben, so dass die Tiere Gefahr laufen, in Panik gegen eine Aquarien- oder Terrarienscheibe zu rennen. Tatsächlich waren die Rennmäuse in ihrem Terrarium extrem scheu, so dass wir zu zweit noch große Schwierigkeiten hatten, die Tiere einzufangen. Nach dem Umsetzen in einen Nagerschrank wurden die Nager deutlich ruhiger und ausgeglichener. Ob dies an den undurchsichtigen Wänden, der stark vergrößerten Fläche oder anderen Faktoren liegt, läßt sich leider nicht mit absoluter Sicherheit sagen.
Auch in einem sehr großen Holzrahmenterrarium sind die Tiere eher vorsichtig-neugierig denn panisch. Hier kommt wohl zum Tragen, dass das Terrarium auf bzw. über Brusthöhe des Betrachters untergebracht ist.
Hinzu kommt, dass vor allem die hier geborenen, männlichen Jungtiere durch Anfüttern sehr zahm, teilweise sogar aufdringlich neugierig wurden. Außerdem lernen die Tiere schnell, von wem sie etwas Leckeres bekommen und betteln diese Person ziemlich ausdauernd an. Anfassen lassen sich aber auch diese Tiere nicht.
Die nachtaktiven Rennmäuse kommunizieren hauptsächlich über akustische und chemische Signale. Außerdem nutzen sie ihre Vibrissen, um sensorische Reize weiterzugeben.
Bei falscher Haltung können die Tiere schnell Verhaltensstörungen entwickeln. So fangen die Tiere bei Enge oder Eiweißmangel an, sich gegenseitig Ohren und Schwänze abzufressen. Diese Störung lässt nach Beseitigung der Ursache(n) in der Regel schnell nach und verschwindet innerhalb von etwa 2 Wochen. Besteht die Verhaltensstörung jedoch über einen längeren Zeitraum, kann es passieren, dass es sehr lange dauert, bis die Verhaltensstörung verschwindet. Manche Tiere legen sie lebenslang nicht mehr ganz ab.
Befassen Sie sich deshalb vorher GRÜNDLICH mit Ernährung und Haltung der ansonsten unkomplizierten Tiere.
Haltung
Obwohl manche Quellen eine Grundfläche von 80×50 cm empfehlen, halte ich das für diese großen, mobilen Nager, die bis zu 3,5 m weit springen können, für deutlich zu klein. Als Mindestgröße für zwei Tiere sehe ich eher 150x50x80cm mit mindestens einer Etage an.
Aufgrund der Größe der Gehege eignet sich ein Selbstbau oder ein Nagerschrank am besten, da Terrarien dieser Größe zum einen sehr teuer und zum anderen extrem unhandlich sind. Aquarien lassen sich nur schlecht mit größeren Etagen ausstatten und sind zudem zu flach.
Sowohl Selbstbau als auch Schrank sollten am Boden Raum zum Buddeln bieten und mindestens 25 bis 30 cm hoch eingestreut sein. Bei den Etagen reichen 5 bis 7 cm.
Die Gefahr, dass die Tiere das Holz ihres Geheges anknabbern ist gering. Lediglich an den Streuverblendungen der Etagen haben sich meine Tiere etwas vergriffen. Deshalb sollten Sie den Bau so gestalten, dass diese Verblendungen austauschbar sind.
Als Einstreu eignet sich beispielsweise ein Kleintierstreu-Heu-(Baumwollstreu)-Gemisch für die Buddeletage, da darin Gänge verhältnismäßig gut halten. Auf den Etagen kann es ebenfalls Kleintierstreu sein. Sie können aber auch trockenen Rindenmulch, Buchengranulat, Hanfstreu oder ähnliche Untergründe verwenden.
Als Einrichtung können Sie den Tieren Wurzeln, größere Äste, Laufschrägen zur nächsten Etage, Stammstücke, Äste und Häuschen aus verschiedensten Naturmaterialien anbieten.
Achten Sie bei den Häuschen darauf, dass alle Einstiegsöffnungen für die Nager groß genug sind, da diese sonst stecken bleiben können.
Auf Seile und schmale Äste/Zweige können Sie verzichten, da die Tiere für erstere nicht gut genug klettern können und für letztere schlicht zu schwer werden.
Ebenfalls zur Grundausstattung gehört mindestens ein großes Sandbad, gefüllt mit Sepiolith oder Attapulgit. Es können aber gern auch gleich mehrere auf verschiedenen Etagen sein.
Da die Tiere für die handelsüblichen Laufräder zu groß sind, sollten Sie keines anbieten. Zu kleine Räder können Bandscheiben und Wirbelsäule schädigen und zu einer Fehlhaltung des Schwanzes führen.
Das Futter können Sie in einer erhöhten Futterschüssel anbieten, Frischfutter in einer separaten, ebenfalls erhöht aufgestellten Schüssel. Sehr gut bewährt haben sich auch Metallschüsseln mit Halterung, die Sie einfach ins Gitter einhängen können.
Für frisches Wasser verwenden Sie am besten eine Trinkflasche, da Schüsseln schnell zu gegraben werden.
Ernährung
Das Trockenfutter für Indische Nacktsohlen-Rennmäuse besteht zum größten Teil aus Kleinsaaten. Ein Gemisch aus Wellensittichfutter und Exotenfutter mit Wildsämereien, Unkrautsamen oder Waldvogelfutter stellt eine gute Basis dar. Darunter kann zur Abwechslung eine Getreidemischung mit wenig fetten Saaten gegeben werden. Auch getrocknete Kräuter oder Gemüse stellen eine gute Ergänzung dar.
Viel frisches Gemüse und sonstiges Grünfutter sollte auch den größten Teil des Frischfutters ausmachen. Sie können jedoch auch ab und zu ein wenig Obst reichen.
Tierisches Eiweiß ist ebenfalls unverzichtbar. Ein Mangel kann zu schweren Verhaltensstörungen führen (siehe Sozialstruktur und Verhalten). Um einem Mangel vorzubeugen, füttern Sie täglich Lebendfutter, Trockeninsekten oder gekochtes Ei. Lebendfutter hat dazu den Vorteil, daß es die Tiere zu mehr Bewegung veranlaßt und ihr Spektrum an ausgelebten natürlichen Verhaltensweisen erweitert.
Wasser muss den Tieren ebenfalls immer in ausreichender Menge frisch zur Verfügung stehen.
Fortpflanzung
Obwohl die Paarbindung bei diesen Rennmäusen besonders eng zu sein scheint, vermehren sich die Tiere auch innerhalb größerer Gruppen.
Nach einer Tragzeit von 21 bis 30 Tagen bringt das Weibchen bis zu fünfmal im Jahr zwischen 1 und 10, durchschnittlich aber 5 bis 6 Junge zur Welt, die mit 14 Tagen die Augen öffnen und schon im Alter von 21 Tagen selbständig werden.
Da die Jungtiere die Geschlechtsreife erst mit etwa 60 bis 70 Tagen erreichen und auch nach der Unabhängigkeit von der Muttermilch noch von den Eltern lernen, sollten sie mindestens 35 bis 40 Tage bei den Eltern verbleiben.
Die Lebenserwartung liegt bei 4 bis 5 Jahren. Jedoch wurde ein gefangenes Tier nachweislich 7 Jahre alt.
Da die Tiere sich verglichen mit anderen Arten recht einfach und schnell vermehren, sollten Sie als Hobbyhalter von der Haltung gemischter Gruppen absehen, da Sie sonst schnell vor einem Platzproblem für die immer weiter wachsende Gruppe stehen und es bei Übervölkerung leicht zu Kannibalismus unter den Tieren und besonders bei Jungtieren kommt.
Krankheiten
Diese exotischen Nager haben bei korrekter Pflege eine recht robuste Gesundheit. Am ehesten neigen sie zu Verhaltensstörungen bei Haltungsfehlern. Im Übrigen sind es sehr gesunde Tiere.
Trotzdem empfiehlt es sich, eine Reserve in Höhe von ca. 100 Euro für veterinärmedizinische Behandlungen einzurichten.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung dieser großen Rennmäuse ist relativ unkompliziert, da die Tiere längst nicht so aggressiv aufeinander reagieren wie etwa Mongolische Rennmäuse. Am ehesten eignet sich die verkürzte Etappenmethode ohne Transportboxphase über 2 Käfigzwischengrößen. Es ist hierbei egal, ob Böcke oder Weibchen vergesellschaftet werden.
In der Regel laufen die Vergesellschaftungen dieser Tiere ruhig und ohne jegliche Streitereien ab. Sollten die Tiere also wider Erwarten Aggressionen zeigen, wenden Sie die komplette Etappenmethode an.
Anschaffung
Sind Sie nach der Lektüre der vorangegangenen Texte zu dem Schluß gelangt sein, dass Indische Nacktsohlen-Rennmäuse die richtigen Haustiere für Sie sind, sollten Sie nach einem seriösen Züchter Ausschau halten, da die Tiere in Nothilfen und Tierheimen nicht zu finden sind. Eventuell könnten Sie auch auf einer Messe Glück haben.
Abgesehen davon, dass diese Rennmausart in Zoohandlungen fast nie verkauft wird, sollten Sie ohnehin von einem Kauf im Fachgeschäft absehen, da das Risiko, ein krankes, von Parasiten befallenes oder schwangeres Tier zu erstehen, recht groß ist. Auch die Geschlechterbestimmung ist im laden längst nicht so sicher wie bei einem fachkundigen Züchter.
Je nachdem für welche Gehegevariante und welches Inventar Sie sich entscheiden, sollten Sie Anschaffungskosten für Gehege, Einstreu, Inventar, Futter und Transportbox zwischen 250 und 350 Euro einplanen. Die laufenden Kosten für Futter und Streu betragen monatlich etwa 20 bis 30 Euro.
Artengesellschaft
Für Artengesellschaften ist die Indische Nacktsohlen-Rennmaus aufgrund ihres Jagdinstinktes, der kleine Säuger einschließt, nicht geeignet.
Weitere Informationen
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Quellen:
Animaldiversity
Rodent-Info







