Turkmenischer Maushamster
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Maushamster (Calomyscidae) |
| Gattung: | Maushamster Calomyscus |
| Art: | Turkmenischer Maushamster (Calomyscus mystax) |
Manchmal werden alle Maushamster unter einer einzigen Art, Calomyscus bailwardi, zusammengefasst. Die oben angeführten Arten werden dann als Unterarten definiert. Daher findet man den Turkmenischen Maushamster auch als Calomyscus bailwardi mystax. Bei den in Deutschland und im europäischen Ausland gehaltenen Tieren ist noch nicht endgültig klar, ob es sich um Goodwin-Maushamster, Turkmenische Maushamster oder deren Hybriden handelt, da im Fanggebiet der ersten Tiere beide Arten und deren Hybriden vorkommen.
Wildtier Turkmenischer Maushamster
Turkmenische Maushamster kommen in den Mittel- und Hochgebirgszonen des vegetationsarmen Great Balkhan-Gebirgszug im Südwesten Turkmenistans, Nordwesten Afgahnistans bis zum westlichen Kopet-Dag an der Grenze zum Irak vor. Dort leben sie in einem wüstenähnlichen Klima und einem steinigen und felsigen Untergrund. Im harten Untergrund legen sie keine eigenen Bauten an, sondern nutzen natürliche Fels- und Geröllspalten als Unterschlupf.
Sie ernähren sich dort hauptsächlich von verschiedenen Sämereien und je nach Jahreszeit auch von Strauchfrüchten. In geringem Maße werden auch Stengel, Blüten und Blätter verschiedener Pflanzen gefressen. Inwieweit Maushamster ihren Speiseplan durch Insekten und anderes tierisches Eiweiß ergänzen, ist noch nicht bekannt.
Trotz ihrer geringen Größe werden Turkmenische Maushamster in der freien Natur etwa 3 bis 3,5 Jahre alt.
Anatomie und Erscheinung
Turkmenische Maushamster sind eher kleine Nager. Sie erreichen eine Körperlänge von 7 bis 9 cm und haben einen 8 bis 10 cm langen Schwanz mit einer kleinen Haarquaste am Ende. Die grazilen Tiere sind dabei sehr leicht und wiegen im Durchschnitt 17 bis 24 g.
Junge Maushamster haben noch blau- bis aschgraues Fell. Nach dem Fellwechsel sind sie oben grau- bis beigebraun und haben eine weiße Unterseite. Farbformen gibt es noch nicht.
Mit ihrer leicht abgerundeten Nase, den großen Augen und den großen, trichterförmigen Ohren sowie dem langen Schwanz erinnern Maushamster mehr an Mäuse als an Hamster. Auch ihre Füße sind deutlich besser zum Klettern ausgelegt, als die von Hamstern.
Der Turkmenische Maushamster als Haustier
Eignung
Turkmenische Maushamster sind sehr flinke, agile Tiere. Sie sind zwar neugierig, werden jedoch nicht streichelzahm und nur begrenzt futterzahm. Dafür stellen sie durch ihre Bewegungsfreudigkeit deutlich höhere Platzansprüche, als man bei einem Tier dieser Größe meinen möchte. Nach Einbruch der Dunkelheit und selten auch tagsüber lassen sie sich aber gut beobachten, wie sie durch ihr Gehege klettern und springen.
Insgesamt sind Maushamster keine schwierigen Haustiere, da sie sowohl was ihr Gehege als auch ihre Ernährung betrifft relativ leicht zufrieden zu stellen sind.
Zu einer Herausforderung kann lediglich das Handling werden, da die Tiere extrem flink sind.
Mit ihnen wird also am ehesten ein Halter glücklich, der Spaß an großen, reich strukturierten Gehegen hat und daran, die Tiere darin zu beobachten. Für Kinder sind Maushamster keinesfalls geeignete Haustiere!
Handhabung
Die Handhabung der extrem flinken Maushamster erfordert eine gewisse Übung. Erfahrene Halter können die Tiere mit der Hand greifen. Die Chance, gebissen zu werden, ist dabei äußerst gering.
Haltern, die keine oder nur wenig Erfahrung um Umgang mit solch kleinen, agilen Nagern haben, empfiehlt es sich, die Tiere mit einer kleinen Faunabox, einer Papprolle oder ähnlichem zu fangen.
Halten Sie die Tiere beim Einfangen niemals am Schwanz fest! Die Schwanzhaut kann leicht abreißen und das Tier verliert den kompletten Schwanz.
Beim Tierarzt können Maushamster bei Bedarf auch im Nacken genommen werden. Da das Fell sehr weit ist, muß die Falte sehr groß sein, sonst kann sich das Tier noch sehr weit darin drehen. Notfalls kann ein Tier auch im Nacken und an der Schwanzwurzel (!) auf der Unterlage fixiert werden. Beide Griffe bedeuten für die eher scheuen Tiere großen Streß und sollten daher nur angewendet werden, wenn sie unbedingt erforderlich sind!
Ist eines der flinken Tiere einmal aus dem Gehege entwischt, können Sie es mit einer TripTrap oder auch mit einer Faunabox wieder einfangen. Sehr geschickte Halter können das Tier auch mit der Hand greifen.
Sozialstruktur und Verhalten
Die kleinen, dämmerungs- und nachtaktiven, sehr neugierigen Maushamster leben in der Natur einzeln und in kleinen Gruppen. In der Haustierhaltung kann man sie recht problemlos in kleineren Gruppen von 4 bis 8 Tieren halten, wenn das Gehege entsprechend groß und gut strukturiert ist.
Kündigt sich allerdings Streit in einer Gruppe an, hilft häufig nur noch das Trennen der Tiere. Probleme in der Gruppenstruktur zeigen sich anfangs in Form von Bisswunden am Schwanz. Wird dieses Warnsignal übersehen, kann es zu schweren Verletzungen bis hin zum Schwanzverlust kommen. Reagiert man nicht rechtzeitig, kann das sogar den Tod eines Tieres bedeuten.
Bei Maushamstern in gleichgeschlechtlicher Haltung scheint es egal, ob man sich für eine Männchen- oder eine Weibchengruppe entscheidet. Beide sind gleich verträglich.
Maushamster bauen keine kunstvollen Nester, sondern legen meist nur Mulden im Boden an, in denen sie schlafen. Diese Mulden platzieren sie mit Vorliebe unter Heuhaufen, weshalb Sie den Tieren immer ausreichend Heu zur Verfügung stellen sollten. Darüber hinaus wird es von den Tieren auch gefressen.
Einmal wach, scheint es für Maushamster kein Halten mehr zu geben. Lautlos und in atemberaubender Geschwindigkeit flitzen sie über den Boden und durch das Geäst ihres Geheges. Dabei klettern sie so gut, dass sie auch an senkrechten, kaum strukturierten Flächen wie etwa einer verputzten Wand problemlos hoch kommen. Dem sollten Sie bei der Einrichtung des Geheges in jedem Fall Rechnung tragen.
Maushamster haben zwar in Gegensatz zu Hamstern keine Backentaschen, hamstern jedoch trotzdem fast immer einen Teil ihres Futters. Interessanterweise sortieren sie dabei oft die einzelnen Saaten. So findet der Halter bei der Gehegereinigung beispielsweise ein reines Hirselager, in einer anderen Ecke das Getreide und wieder woanders Kürbiskerne und ähnliches.
Haltung
Turkmenische Maushamster sind sehr quirlige, bewegungsfreudige Tiere, die viel und sehr gut klettern. Daher sollte das Gehege für 2 bis 4 Tiere mindestens 100 x 50 x 100 cm – im Idealfall deutlich mehr – messen. Gute Erfahrungen habe ich in Gehegen ab 100x60x130 cm gemacht. Aber auch 2m hohe Volieren mit Etagen werden komplett genutzt.
Für die Haltung von Maushamstern sind Volieren, umgebaute Schränke und baugleiche Eigenbauten sehr gut geeignet. Auch ein Aquarium mit einem möglichst hohen Volierenaufsatz ist möglich. Aquarien sind zu flach und lassen nicht genügend Kletterfläche zu. Handelsübliche Gitterkäfige sind in der Regel zu klein oder der Gitterabstand ist bei ausreichender Größe zu groß. Terrarien sind nicht zu empfehlen, da eine ausreichende Größe sehr schwer, unhandlich und teuer ist. Zudem ist bei den meisten Terrarien keine ausreichende Belüftung sichergestellt.
Als Einstreu darf es bei Maushamstern gern Sand sein. Zumindest sollte aber eine Etage mit Sandboden angeboten werden. Während Maushamster bei Sandschüsseln immer noch etwas fettig aussehen, verliert sich das bei Sand als Untergrund komplett. Wer nur Teile des Geheges mit Sand einstreuen möchte, kann für den Rest eine staubarme Streu, z.B. Eurolin, verwenden. Die Einstreuhöhe sollte 5 bis 7 cm betragen, da Maushamster keine unterirdischen Bauten anlegen.
Die Einrichtung des Maushamstergeheges sollte abwechslungsreich sein und ihren ausgeprägten Kletterfähigkeiten gerecht werden. Wurzeln und Äste sind also ein absolutes Muß. Gern werden auch Steinhaufen angenommen, da die Tiere aus felsigem Gelände stammen. Achten Sie bei Steinhaufen immer darauf, dass die Steine stabil verkeilt sind, so dass sich keiner (z.B. durch Untergraben) lösen und ein Tier erschlagen kann. Hat das Gehege an den Seiten kein Gitter zum Klettern, können Sie Kokosmatten, Hanfmatten, Jutesäcke, Korkwände oder ähnliches an die Seiten- und Rückwände hängen. Auch diese werden dann gern genutzt.
Ob die Tiere ein Laufrad brauchen, scheiden sich die Geister. Nach Berichten von Haltern neigen die Tiere zwar nicht zur Laufradsucht, aber bei einem ausreichend großen, gut strukturierten Gehege benötigen sie es meiner Erfahrung nach nicht.
Eine Futterschüssel für das Trockenfutter können Sie verwenden, Sie können das Futter aber auch einfach im Gehege verstreuen, so dass die Nager es suchen müssen. Für Gemüse bietet sich allerdings eine Schale an. Wasser sollten die in einer Flasche anbieten.
Ernährung
Als Trockenfutter eignet sich am besten eine kleinsaatensaatenlastige Mischung, die mit etwas Getreide und anderen Saaten, Kräutern und Trockengemüse variiert wird. Die Saaten können auch als ganze Furchtstände, z.B. als Hirsekolben oder Getreideähre, angeboten werden.
Gemüse und sonstiges Grün können Sie den Tieren anbieten, soviel sie davon mögen. Obst hingegen sollte ein seltenes Leckerli sein und nur in sehr kleinen Mengen verfüttert werden.
Auch wenn über den Proteinkonsum der Tiere in freier Wildbahn bislang wenig bekannt ist, mögen Maushamster als Haustiere gern tierisches Protein. Sie sind sogar recht geschickte Jäger und gute Insektenfänger. Selbst ausgewachsene Heuschrecken werden erbeutet. Daher sollten die Nager ein- bis zweimal in der Woche Insekten angeboten bekommen.
Ergänzend dient Heu für die Kleinen als Rohfaserlieferant.
Bekommen sie Gemüse, trinken Maushamster eher wenig. Trotzdem sollte ihnen immer frisches Wasser in einer Flasche zur Verfügung stehen.
Fortpflanzung
Das Liebesspiel der Maushamster kann mitunter mit Streitigkeiten verwechselt werden, da das Männchen piepsend das Weibchen durch das Gehege verfolgt, bis es die Paarung zulässt. 29 bis 32 Tage später kommen in den Abend- oder Nachtstunden dann 1 bis 5, meist 2 bis 4 Jungtiere zur Welt.
Wie bei allen Nesthockern kommen die Jungen nackt und blind zur Welt. Erst mit 17 bis 23 Tagen öffnen sie die Augen und verlassen zum ersten Mal das Nest, um ihre Umgebung zu erkunden. Mit etwa 4 Wochen werden sie dann von der Muttermilch entwöhnt.
Die Geschlechtsreife tritt mit 4 bis 6 Monaten recht spät ein. Die Jungtiere können und sollten nach dem Absetzen also noch eine Weile bei den Eltern bleiben.
Bis zum Alter von etwa 6 bis 8 Monaten haben die Jungen ein blau- bis aschgraues Jugendfell, das dann vorn beginnend langsam in das Erwachsenfell wechselt.
Die Nachzucht von Maushamstern gelingt recht problemlos. Überlegen Sie sich daher vor der Anschaffung, ob sie sich ein Pärchen oder eine gleichgeschlechtliche Gruppe ins Haus holen.
Ziehen Maushamster nach, wird der erste Wurf sehr spät, im Alter von 9 Monaten oder noch später, geboren. Auch wenn sich Maushamster in Haustierhaltung das ganze Jahr über vermehren können, kommen die meisten Jungen zwischen Januar und Mitte Mai zur Welt.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der Tiere beträgt 3 bis 3,5 Jahre, wird aber bei Haustieren oft überschritten.
Krankheiten
Maushamster sind noch nicht domestiziert und haben daher noch eine recht robuste Gesundheit. Entsprechend werden sie selten krank. Vor Erkältungen durch Zugluft, Ernährungsfehlern und ähnlichem sind aber auch sie nicht gefeit.
In einigen Fällen treten bei der Nachzucht der Tiere Deformationen wie leere Augenhöhlen und Knickschwänze auf. Auch Verhaltensstörungen in Form von Stereotypien wie Backflips wurden schon beobachtet. Da diese Probleme genetisch bedingt sein könnten, dürfen Sie mit solchen Tieren auf keinen Fall weiterzüchten!
Auch wenn Maushamster eher selten krank sind, müssen Sie immer eine finanzielle Reserve von ca. 100 Euro für den Gang zum Tierarzt einplanen. Bedenken Sie bei der Anschaffung auch, dass sich nicht jeder Tierarzt mit diesen flinken, exotischen Nagern auskennt.
Vergesellschaftung
Über die Vergesellschaftung der Tiere habe ich leider noch keine eignen Erfahrungen. Andere Halter berichten jedoch, dass die gegengeschlechtliche Vergesellschaftung erwachsener Tiere und die von Jungtieren recht problemlos sind. Die Vergesellschaftung gleichgeschlechtlicher adulter Tiere miteinander scheint dagegen schwierig, in nicht wenigen Fällen unmöglich.
Aufgrund der Agilität der Tiere sollten Sie zur Vergesellschaftung keine engen Gefäße nutzen. Sie könnten Aggressionen provozieren.
Sollten Sie Erfahrung mit der Zusammenführung adulter Maushamster haben, würde ich mich über eine Mail an angelus[at]das-maeuseasyl.de sehr freuen!
Anschaffung
Wenn Sie nach der Lektüre der vorangegangenen Texte Turkmenische Maushamster als Haustiere für sich entdeckt haben, sollten Sie für die Erstausstattung (Gehege, Inventar, Streu, Futter, Transportbox) je nach Gehegelösung zwischen 200 und 300 Euro einplanen. Monatlich ergeben sich je nach Gruppengröße und Futterplan Kosten für Futter und Streu in Höhe von ca. 20 bis 30 Euro.
Maushamster gibt es im Tierschutz bisher noch nicht. Ihr Gang sollte Sie also zu einem seriösen Züchter führen. Dieser kennt seine Tiere, kann Sie gut beraten und ist sicher bei der Geschlechtertrennung.
Die Geschlechtertrennung ist auch das größte Problem, wenn Sie Ihre Tiere in der Zoohandlung erwerben wollen. Die Gefahr, wider Willen ein vermehrungsfreudiges Pärchen zu erstehen, ist groß. Ebenso können die Tiere Parasiten oder Krankheiten haben, die nicht erkannt und/oder nicht behandelt wurden.
Auch auf Börsen werden Maushamster angeboten. Schauen Sie sich Tiere und Verkäufer hier gut an. Denn auch schwarze Schafe versuchen auf solchen Börsen, ihre Tiere an den Mann und die Frau zu bringen. Vereinbaren Sie im Zweifelsfall lieber einen Termin, um die Tiere beim Züchter selbst abzuholen. Dann können Sie sich Haltungs- und Zuchtbedingungen anschauen.
Artengesellschaft
Maushamster sind in der Regel eher friedliche und freundliche Gesellen. In einer Artengesellschaft gehen sie aber schnell unter, werden gemobbt und wirken gestresst. Daher sind sie für eine Artengesellschaft eher ungeeignet.
Weitere Informationen
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Quellen:
Rodent Info
Wikipedia








