Afrikanische Knirpsmaus
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Echte Mäuse (Murinae) |
| Gattung: | Mus |
| Art: | Afrikanische Knirpsmaus (Mus minutoides) |
Die Knirpsmaus wird in Deutschland auch unter dem Namen „Afrikanische Zwergmaus“ gehandelt.
Wildtier Knirpsmaus
Zehn Arten der Knirpsmaus leben in ganz Afrika südlich der Sahara. Die bei uns gehaltenen Exemplare von Mus minutoides entstammen der Region von Südafrika über Zimbabwe bis Mosambik.
Da viele Exemplare wahrscheinlich aus Swaziland importiert wurden, können Sie sich bei der Haustierhaltung auch an den Bedingungen dieses Landstriches orientieren. Es handelt sich bei dem Gebiet um sommerfeuchte Tropen mit Savannen. Die typische Vegetation ist also eine Mischung aus Bäumen und geschlossener Grasdecke. Die winterliche Trockenzeit dauert je nach Region drei bis sieben Monate. In der Regenzeit blüht die Vegetation sehr schnell auf und zehrt lange von dem Wasser, das der weit verbreitete Lehmboden gut zu halten vermag. Die Niederschlagsmenge variiert je nach Gebiet zwischen 500 mm im östlichen Tiefland bis 2000 mm im westlichen Hochland, die Durchschnittstemperaturen liegen bei 16 bis 22 °C.
Das Auftreten der Knirpsmaus ist immer an das Vorhandensein von Wasser gebunden. Außerdem findet man die Tiere selten bis nie in vegetationslosen Bereichen. Als Kulturfolger suchen sie auch gerne die Nähe von Anbaugebieten und menschlichen Siedlungen, wo sie auch als Ernteschädling von Bedeutung sind.
Knirpsmäuse legen ihre Nester meist direkt unterhalb der Grasnarbe, aber auch in der Grasschicht an und bewohnen sie dort in größeren Gruppen und Familienverbänden. Aber auch in hohlen Bäumen wurden in Bodennähe schon permanente Nester gefunden. Die Ausdehnung der unterirdischen Gänge korreliert meist mit der Größe des Familienverbandes.
Anatomie und Erscheinung
Die Knirpsmaus ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 3 bis 4 cm, einem schmalen, unbehaarten Schwanz von 4 bis 5 cm Länge und einem Gewicht von 5 bis 6 g eines der kleinsten Nagetiere der Welt. Die Weibchen sind dabei geringfügig größer als die Männchen.
In der Wildform sind die Tiere auf der Oberseite rotbraun, auf der Bauchunterseite weiß. Es gibt aber inzwischen auch so genannte blaue Knirpsmäuse, die auf der Oberseite eine dunklere Färbung aufweisen.
Die relativ großen Augen weisen sie als eher nachtaktive Nager aus.
Weitere Bilder von Knirpsmäusen finden Sie in der Galerie.
Die Knirpsmaus als Haustier
Eignung
Knirpsmäuse dürfen wie fast alle Mäuse niemals einzeln gehalten werden! Vier bis fünf Tiere sollte eine Gruppe mindestens umfassen, besser ist ein Dutzend, da sich die winzigen Tiere in dieser Gruppenstärke wohler fühlen.
Im Gegensatz zu einigen anderen Mäusearten riechen sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere kaum.
Allerdings sind die nachtaktiven Nager reine Beobachtungstiere und werden auch eher selten futterzahm. Die Mäuse mögen es gar nicht, angefasst zu werden.
Am glücklichsten wird mit ihnen also ein Halter werden, der Spaß an der Gestaltung des Geheges hat und seine Tiere lediglich beobachten möchte.
Für Kinder sind Knirpsmäuse keine geeigneten Haustiere!
Handhabung
Knirpsmäuse sind keine Kuscheltiere. Überhaupt sollten Sie es nach Möglichkeit vermeiden, die Tiere anzufassen. Aufgrund ihrer geringen Größe können Sie den Tieren bei unsachgemäßer Behandlung leicht innerliche Verletzungen zufügen.
Zum Umsetzen können Sie die Tiere mit einer Transportbox oder Schachtel einfangen. Für die Geschlechterbestimmung setzen Sie die Tiere am besten in eine durchsichtige Transportbox und betrachten sie von unten.
Beim Tierarzt wird das Handling aufgrund der geringen Größe der Tiere schwierig. Für genauere Untersuchungen, sollten Sie die Tiere im Nackengriff fassen. Das erfordert bei den kleinen Tieren allerdings etwas Feingefühl und Übung, um sie nicht zu verletzen. Verzichten Sie auf Berührungen der Tiere, wenn diese nicht unbedingt notwendig sind und benutzen Sie zum Betrachten der Tiere in der Praxis ebenfalls eine durchsichtige Transportbox.
Entflohene Exemplare fangen Sie am besten mit einem Kescher oder der Triptrap wieder ein.
Sozialstruktur und Verhalten
Die dämmerungs- und nachtaktiven, oft recht scheuen Nager sind sehr soziale Tiere. Oft liest man von Grüppchen von 3, 4 oder 5 Tieren, die gehalten werden. Dem Naturell dieser Tiere entspricht dies jedoch keinesfalls!
Die einzig ideale Haltung ist die in einer selbstregulierenden Familiengruppe. Die Basis für eine solche Gruppe sollten 10 oder mehr Mäuse beiderlei Geschlechts sein, wobei mindestens die Hälfte Weibchen sein sollten. Vermeiden Sie den Aufbau einer Gruppe mit nur einem Pärchen oder einer Gruppe, die nur ein Männchen hat. Dies reduziert den Genpool unnötig stark.
Diese Basisgruppe vermehrt sich anfangs recht zügig. In einem Bereich von etwa 45 bis 55 Tieren pendelt sich die Gruppengröße dann ein und bleibt auch recht stabil. Die Gruppe wächst also nicht uferlos weiter.
Vorteil dieser Haltungsform ist der, dass sie dem Naturell der Tiere sehr entgegen kommt. Zudem vermeiden Sie Streß und Zoff, die bei einer Vergesellschaftung zum Erhalt der Gruppengröße unweigerlich entstehen. Von Vielen als Nachteil angesehen wird die Tatsache, dass kranke Tiere sofort aus der Gruppe und damit aus der Vermehrung entfernt werden müssen. Die einzig sinnvolle Lösung ist hier, die Tiere zu verfüttern. Daher ist diese für die Tiere beste Haltungslösung für viele Menschen auch die abschreckendste. Überlegen Sie sich daher vorher gut, ob sie den Tieren voll und ganz gerecht werden können und wollen!
Auch die gleichgeschlechtliche Haltung ist möglich. Hier sollten es mindestens ein Dutzend Tiere sein. Diese Haltungsform ist jedoch problematisch, da zum einen reine Männergruppen zu Streit neigen und zum anderen immer wieder Tiere dazu vergesellschaftet werden muß, was immer die Gefahr des Zerbrechens der Gruppe birgt und zudem enormer Streß für die Tiere ist. Diese Haltungsform ist daher eher ein Notbehelf als eine Ideallösung.
Leider sind gerade die vergesellschafteten, gleichgeschlechtlichen Gruppen auch nicht immer stabil. Besonders bei der Neuanschaffung kann es zu aggressivem Verhalten kommen, da Sie meist keine komplette bestehende Gruppe übernehmen, sondern nur einen Teil. Dadurch wird die aktuelle Rangordnung zerstört und die Tiere kämpfen eine neue aus. Auch beim Tod hochrangiger Tiere kann es zu Problemen in der Gruppe kommen. Diese Probleme treten auch in selbst regulierenden Gruppen auf, sind jedoch deutlich seltener.
Ist eine Gruppe nicht ganz stabil, sollten Sie beim Ausmisten höchstens die Hälfte der Einstreu wechseln. Entfernen Sie aber auch bei stabilen Gruppen immer nur einen Teil. So erhalten Sie den Gruppengeruch im Revier der Tiere und vermeiden, dass Streitereien entstehen oder ausufern. Den Ablauf einer Konfrontation in erklärten Bildern finden Sie hier.
Haben Sie Nachwuchs bei Ihren Knirpsmäusen, vermeiden Sie jede unnötige Störung im Gehege, da die Tiere darauf sehr schnell mit der Vernichtung des gesamten Wurfes reagieren.
Die Tiere können Sie am besten nach Einbruch der Dunkelheit beobachten. Dazu eignet sich eine Rotlicht- oder Mondlichtlampe. So stören Sie die Tiere nicht, wären sie geschäftig ihrem Nachtwerk nachgehen. Viele Tiere lassen sich nach einer gewissen Zeit aber auch nicht mehr von der Zimmerlampe stören.
Haltung
Da Knirpsmäuse wirklich winzige Tiere sind, lassen sich viele Halter dazu verleiten zu glauben, die Tiere bräuchten nicht viel Platz. Manche Quellen gehen für 2 bis 5 Tiere von Gehegemindestmaßen zwischen 30x30x40cm und 60x30x30cm aus. Für die flinken, sehr bewegungsfreudigen Nager ist das jedoch zu wenig. Gleichgeschlechtliche Gruppen von ca. 12 – 15 Tieren fühlen sich erst ab einer Gehegegröße von 100x50x50cm wohl. Artgerechte Familiengruppen wachsen auf etwa 40 bis 60 Tiere an und brauchen daher mindestens 1,5qm Grundfläche.
Geeignet für die Haltung von Knirpsmäusen sind Aquarien, Terrarien und Selbstbauten. Bei Selbstbauten sollten Sie auf die im wahrsten Sinne lückenlose Verarbeitung achten, da die Tiere auch durch kleine Ritzen passen. Als Drahtgeflecht zum Bespannen ist Maschendraht mit einer Maschenweite von 0,6cm geeignet. Käfige mit Parallelgitter sind dagegen grundsätzlich ungeeignet. Terrarien haben den Vorteil, dass Sie nicht wie ein Raubtier von oben auf die Tiere greifen müssen, sie lassen sich aber oft nicht sehr hoch einstreuen. Das können Sie aber im Aquarium tun. Hier müssen Sie allerdings wie ein Beutegreifer von oben auf die Tiere fassen, was Streß für diese bedeutet.
Die Temperatur im Gehege sollte 20 bis 25°C betragen. Bei Terrarien und Aquarien können Sie bei Bedarf kleine Heizmatte (z. B. Thermolux 7 Watt) unter einer Ecke des Geheges legen. Eine Nachtabsenkung der Temperatur ist nicht unbedingt notwendig, fördert aber natürlichen Rhythmus. Achten Sie darauf, dass die Heizkraft der Matte der Größe des Geheges angepasst ist, da sonst die Gefahr der Überhitzung besteht.
Die Einstreu aus Kleintierstreu und Heu oder auch anderen Untergründen wie Erde oder Kokoshumus, die Gangbauten erlauben, sollte zwischen 10 und bis 20 cm hoch aufgeschüttet sein, so dass die Tiere darin ihre Gänge und Wohnhöhlen anlegen können, denn wider manche Quellen graben die Tiere recht gern. Auch Erde wird als Untergrund gern angenommen. Sie muß immer leicht feucht gehalten werden. Achten Sie daher darauf, dass die Tiere trockene Rückzugsflächen finden.
Bei der Einrichtung sind Ihrer Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Verwenden können Sie für Verstecke Gegenstände aus allen möglichen Naturmaterialien, wie etwa Kork, Blumentöpfe, Kokosnüsse, Nagerhäuschen, o.ä. Dinge. Auch ein Sandbad wird gern, wenn auch oft als Toilette, angenommen. Zum Baden wird es nicht genutzt, da Knirpsmäuse ihr Fell nicht mit Sand pflegen.
Bieten Sie den kleinen Nagern Äste und Korkröhren an, zeigen sie sich mitunter deutlich kletterfreudiger, als man ihnen gemeinhin nachsagt.
Außerdem gehören mindestens zwei Futternäpfe, für jede Futtersorte einer, sowie ein Wassernapf und/oder eine gut nachlaufende Wasserflasche zur Grundausstattung. Möchten Sie Wasserflaschen anbieten, so bedenken Sie, dass die kleinen Tiere die Kugeln von Kugeltränken nicht bewegen können, da diese für sie zu schwer sind. Es bietet sich also eine Nippeltränke aus Glas an. Überprüfen Sie regelmäßig, ob diese auch ordnungsgemäß nachläuft, um Wassermangel und seinen Folgen, wie etwa Kannibalismus zu Flüssigkeitsgewinnung, vorzubeugen.
Wenn Sie möchten, können Sie das Gehege bepflanzen. Wollen Sie es dauerhaft komplett begrünen, sollte das Gehege sehr groß sein und Sie sollten nur wenige Tiere halten, da die Nager die Vegetation sonst über kurz oder lang komplett zerstören. Eine Alternative sind Pflanzen in Hydrokultur. Hier sollten sie den Topf vergittern, da sich die Tiere sonst zwischen den Wurzeln gern einnisten. Topfpflanzen haben zudem den Vorteil, dass Sie sie zeitweise aus dem Gehege entfernen können, damit sich die Pflanzen erholen. Zur Bepflanzung geeignet sind beispielsweise Grünlilie, Hibiskus, Schilf, Hafer und andere Getreide, Gemeiner Beifuß, Stacheldistel oder Gemeines Knaulgras. Achtung, neue Topfpflanzen können mit Insektiziden und oder Dünger behandelt sein. Duschen sie diese Pflanzen daher gründlich ab und pflanzen Sie sie um.
Wenn Sie Ihre Tiere in einem Terrarium oder Aquarium halten, achten Sie dabei auf ausreichend große Lüftungsflächen bei der Bepflanzung. Sonst sammeln sich nachts Wasser und Kohlendioxid und stauen sich im Gehege. In Volieren oder anderen Eigenbauten mit großen Gitterflächen entfällt dieses Problem.
Ernährung
Je kleiner ein gleichwarmes Tier ist, umso höher ist sein Energiebedarf in Relation zur Körpermasse. Für die winzigen Knirpsmäuse bedeutet das, dass sie sehr schnell verhungern können. Sie müssen also immer ausreichend Futter zur Verfügung stellen. Schon kurze Phasen von Futtermangel können fatale Folgen haben.
Als Grundfutter eignet sich eine Mischung aus Exotenfutter, Unkrautsamen, Grassamen, Wildsaaten und anderen Feinsämereien. In diese Basis können Sie auch geringe Mengen Kräuter, getrocknetes Gemüse oder größere Saaten wie Kürbiskerne und größere Getreide mischen. Achten Sie jedoch darauf, nicht zu viele fettreiche Sämereien zu verfüttern.
Sie können die Tiere ihr Futter auch erarbeiten lassen, indem Sie Hirsekolben, -rispen oder Fruchtstände von Gräsern anbieten. Diese werden gern angenommen.
Heu und getrocknete Gräser werden primär zum Nestbau verwendet, in kleineren Mengen fressen es die Mäuse aber auch. Wegen ihres Ballaststoffgehaltes sollten Sie sie also auf alle Fälle mit anbieten.
Die meisten Knirpsmäuse mögen Grünfutter wie Gemüse und sonstiges Frischfutter. Geben Sie eher wenig Obst. Anbieten können Sie es trotzdem, da die Ernährungsgewohnheiten der Tiere saisonalen Schwankungen unterliegen und die Präferenzen der Tiere sich unter Umständen radikal ändern können.
Unverzichtbar ist auch das Eiweißfutter, das Sie den Tieren in Form von lebenden oder getrockneten Insekten anbieten können. Geeignet sind beispielsweise Mehlwürmer, Heimchen, kleine Engerlinge, Käfer und Heuschrecken. Fehlt den Tieren die Eiweißkomponente im Futter ganz oder füttern Sie zu wenig, kommt es zu einem Proteinmangel, der sich durch Anfressen der Ohren und Schwänze bei erwachsenen Tieren und dem Fressen ganzer Jungtiere äußern kann.
Eine permanente Wasserquelle muß den Tieren immer zugänglich sein, da ihr Stoffwechsel so schnell ist, dass sie auch bei kurzzeitigem Mangel an Wasser organische Schäden davontragen können. Zudem töten die Tiere bei Wassermangel schnell Artgenossen, um aus ihnen die lebensnotwendige Flüssigkeit aufzunehmen.
Fortpflanzung
Afrikanische Knirpsmäuse bringen drei- bis viermal im Jahr nach 19 bis 21 Tagen Tragzeit zwischen 2 und 8, meist 4 bis 5, nackte und blinde Jungtiere mit einem Geburtsgewicht von knapp einem Gramm zur Welt.
Am 5. Tag beginnt die Pigmentierung der Haut, am 7. Lebenstag brechen die winzigen Nagezähne durch. Auch das Fell beginnt zwischen dem 6. und 8. Tag zu wachsen. Im Alter von 12 bis14 Tagen beginnen die kleinen Knirpsmäuse ihre Augen zu öffnen. Zwischen dem 14. und 18. Lebenstag ist das graue Jugendfell voll ausgebildet. Ab dem 17. Tag werden die Jungen langsam von der Muttermilch entwöhnt. Die Geschlechtsreife erreicht der Nachwuchs dann im Alter von 5 bis 7 Wochen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der winzigen Nager beträgt etwa 2 Jahre.
Da die Tiere sich in gemischtgeschlechtlicher Haltung explosionsartig vermehren können, so daß Ihr Gehege schnell zu klein für die Gruppe wird, sollten Sie sich für eine reine Männchen- oder Weibchengruppe entscheiden, um der unkontrollierbaren Nachkommenflut von vornherein vorzubeugen.
Krankheiten
Obwohl Knirpsmäuse als Exoten recht robust in der Gesundheit sind, sollten Sie auch hier gut Sorge für Ihre Schützlinge tragen, denn die Tiere sind ziemlich streß- bzw. störungsempfindlich. Das kann sich in einem angeschlagenen Allgemeinzustand, Jungtierfressen und ähnlichem äußern und ist durch konsequente Ruhe für die Tiere am besten zu beheben.
Durch den schnellen Stoffwechsel können schon kurze Hunger- und Durstphasen von wenigen Stunden ernsthafte, gesundheitliche Schäden hinterlassen. Achten Sie daher immer darauf, dass Futter und Wasser für die Tiere jederzeit in ausreichender Menge erreichbar sind.
Wenn Sie eine gemischte Gruppe sich zu lange ohne Blutauffrischung vermehren lassen, können Inzuchterscheinungen auftreten. Diese äußern sich beispielsweise in struppigem Fell und buckliger Körperhaltung. Diese Tiere sollten in jedem Fall von der Vermehrung ausgeschlossen werden!
Und auch wenn Knirpsmäuse bei richtiger Haltung und Fütterung eher selten krank werden, sollten Sie sich eine finanzielle Rücklage für veterinärmedizinische Notfälle von etwa 100 Euro schaffen.
Vergesellschaftung
Während die Vergesellschaftung junger Tiere recht einfach ist, kann sie sich bei adulten Tieren durchaus schwierig gestalten. Beginnen Sie hier am besten mit Streutausch und lassen Sie sich die Tiere nach ca. 7 Tagen in einem leeren, nur mit Streu ausgelegten, kleineren Aquarium kennen lernen. Bleibt die Gruppe friedlich, können Sie sie langsam mit 2 bis 3 Häuschen einrichten. Sind die Tiere auch mit Einrichtung streitfrei, können Sie sie langsam mitsamt der bekannten Einrichtung Stück für Stück größer setzen.
Bei Böcken kommt es in der Vergesellschaftung öfter zu Problemen als bei Weibchen. Auch haben sich zu kleine Vergesellschaftungsbehältnisse (ca. A-4-Größe) bei Männchen als problematisch erwiesen. Die so genannte „Panikbox“ ist für Knirpsmäuse also nicht geeignet, da es hier vermehrt Aggressionen kommt. Böckchenvergesellschaftungen sollten Sie also nach Möglichkeit immer von einem knirpsmauserfahrenen Halter durchführen oder zumindest begleiten lassen.
Neben der Vergesellschaftung kann auch die Trennung der Geschlechter für eine vorher friedliche, gemischte Gruppe schwierig werden. Vor allem die Männchen neigen dann zu Agressionen gegeneinander, die so weit gehen könne, daß die Männchengruppe in mehrere Gruppen zerfällt und getrennt werden muß.
Anschaffung
Wenn Sie nach Lektüre der obigen Informationen beschlossen haben, dass Knirpsmäuse geeignete Haustiere für Sie sind, haben Sie mehrere Möglichkeiten, woher Sie ihre Tiere beziehen können.
Im Tierschutz sind die winzigen Gesellen noch recht selten. Nachfragen lohnt sich aber vor allem bei privaten Notstationen. Werden Sie hier nicht fündig, sollte Ihr nächster Gang zu einem seriösen Züchter führen. Auch auf diversen Messen sind die kleinen Nager zu finden. Schauen Sie sich die angebotenen Tiere gründlich an, ob diese gesund sind. Denn gerade auf Messen tummeln sich oft schwarze Schafe.
In Zoohandlungen finden Sie die possierlichen Nager eher selten. Von einem Kauf ist im Geschäft zudem abzuraten. Zu groß ist das Risiko, sich kranke, parasitenverseuchte und/oder schwangere Tiere einzuhandeln. Auch die Geschlechterbestimmung ist im so genannten Fachgeschäft meist nicht so sicher wie beim Züchter.
Je nachdem, welche Gehegelösung und welche Einrichtung Sie wählen, kostet eine Erstausstattung für Knirpsmäuse (Gehege, Streu, Inventar, Transportbox) zwischen 100 und 150 Euro. Der monatliche Unterhalt für Streu, Naß-, Trocken- und Lebendfutter liegt je nach Gruppengröße bei etwa 20 Euro im Monat.
Artengesellschaft
Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Knirpsmäuse aufgrund ihrer geringen Größe nicht geeignet. Einzige Ausnahme: Eine Vergesellschaftung mit Eurasischen Zwergmäusen. Da die Tiere ähnlich groß sind, ist hier eine Gesellschaft möglich und den Erfahrungswerten nach sehr friedlich. Die Tiere haben ähnliche Ernährungsanforderungen, aber einen stark unterschiedlichen Aktivitätsrhythmus (Eurasische Zwergmäuse sind tagaktiv) und auch sehr unterschiedliche Ansprüche an ihre Umgebung. Beiden Arten können Sie am besten in einer großen Voliere (Mindestgrundfläche 100×60, Mindesthöhe 100cm) gerecht werden, die beiden Arten Nischen bietet.
Schaffen Sie aber niemals Knirpsmäuse für eine Artengesellschaft an, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten auch schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie, dass grundlegende Bedürfnisse der Tiere in der Artengesellschaft leiden.
Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft in jedem Fall absehen!
Weitere Informationen
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Quellen:
Rodent-Info
Zwergmaus.ag.vu










