Große Wüstenspringmaus
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Familie: | Dipodidae (Springmäuse) |
| Unterfamilie: | Dipodinae (Wüstenspringmäuse) |
| Gattung: | Jaculus |
| Art: | Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis) |
4 Arten
| Kleine Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus) | Nordafrika, Sahelzone, Westasien ostwärts bis Iran |
| Blanford-Springmaus (Jaculus blanfordi) | Iran, Afghanistan, Pakistan |
| Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis) | Nordafrika, Palästina |
| Turkmenische Springmaus (Jaculus turkmenicus) | Turkmenistan, Usbekistan |
Wildtier Große Wüstenspringmaus
Große Wüstenspringmäuse kommen im nördlichen Afrika von Marokko über Algerien und Ägypten bis Israel vor. Dort bewohnen sie Küsten-, Sand-, Salz- und Felswüsten, Halbwüsten, Savannen, Ausläufer von Gebirgen, aber auch die Gerstenfelder der Beduinen.
Im harten Boden ihres Lebensraumes legen die Wüstenspringmäuse ein weit verzweigtes Gangsystem an, das bis zu zwei Meter tief in den Boden reicht. Die Ausgänge dieser Bauten verschließen sie in den heißen Sommermonaten tagsüber mit Sand und Pflanzenteilen, um den Bau vor der Austrocknung zu bewahren und sich vor Fressfeinden zu schützen. Während der kühleren Wintermonate bleiben die Ausgänge offen.
Den Tag verschlafen die streng nachtaktiven Tiere in ihrer mit Kamelhaaren und Pflanzenteilen gepolsterten Schlafklammer, die gleichzeitig auch als Nestkammer dient. Von dieser führen zwei bis drei Fluchtgänge direkt nach draußen. Außerdem gibt es Hinweise, dass diese Tiere Vorratskammern anlegen.
Ob Große Wüstenspringmäuse Winterschlaf halten, da scheiden sich die Geister. Die Mehrzahl der Quellen verneint es, stellt aber fest, dass es bei Springmäusen eine Art Schlafstarre (Topor) gibt, in die die Nager bei Nahrungsknappheit und ungünstigem kalt-regnerischem Wetter verfallen. Auch eine Art „Sommerschlaf“ wird erwähnt, den die Tiere bei zu heißer Witterung und knapper Nahrung halten.
Wenn sich die Tiere auf Nahrungssuche begeben, laufen sie mitunter 14 km und mehr in einer einzigen Nacht. Dabei sammeln sie Samen, Pflanzenteile, Körner, Früchte, Wurzeln und Insekten. Das notwendige Wasser kann von den Tieren metabolisch erzeugt werden, muß also nicht aufgenommen werden. Flüssigkeit wird jedoch auch mit grünen Pflanzenteilen aufgenommen.
Große Wüstenspringmäuse haben in ihrer natürlichen Umgebung viele Feinde. Dazu gehören Fennek, Eulen, Schlangen und andere kleine Räuber. Auf der Flucht vor diesen Bedrohungen können die Tiere eine enorme Geschwindigkeit entwickeln. Fühlt sich eine Wüstenspringmaus bedroht, kann man allerdings auch beobachten, dass sie mit den Vorderpfoten Sand in das Gesicht des Gegners schleudert.
Für den Menschen ist die Große Wüstenspringmaus in Teilen Nordafrikas als Getreideschädling von Bedeutung. Außerdem wird sie von manchen Beduinenstämmen auch als Mahlzeit geschätzt.
Anatomie und Erscheinung
Die Große Wüstenspringmaus ist mit einer Körperlänge von 13 bis 16 cm, einer Schwanzlänge von 19 bis 25 cm und einem Gewicht von 110 bis 145 g kein ganz kleines Nagetier. Die namengebenden Hinterbeine, deren Füße je drei Zehen tragen, werden mehr als 15 cm lang und erlauben den Tieren Sprünge aus dem Stand von bis zu 1 m Höhe und 2 bis 3 m Weite. In ihrer Heimat sorgt ein Büschel weißer Haare unter den Füßen dafür, dass die Tiere im Sand nicht zu sehr einsinken. Auf festem Boden bewirken die scharfen langen Krallen der Hinterfüße optimalen Bodenkontakt, da sie ähnlich wie Spikes arbeiten. Die vergleichsweise winzigen Vorderbeine tragen starke Krallen, mit denen die Tiere gut wühlen können.
Am rundlichen Kopf sitzen große 2,8 bis 3,5 cm lange Ohren. Die großen Augen weisen das Tier als nachtaktiv aus.
Das Fell der Tiere ist auf der Oberseite sandfarben bis gelb, auf der Unterseite cremefarben. An den seitlichen Oberschenkeln tragen sie einen mehr oder minder deutlichen weißlichen Streifen.
Auffallend ist der Büschel schwarzweißer Haare am Ende des sonst nur sehr spärlich behaarten Schwanzes.
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Die Große Wüstenspringmaus als Haustier
Eignung
Große Wüstenspringmäuse sind recht sensible, anspruchsvolle Nager, die enorm viel Platz brauchen und in der Regel nicht gern angefasst werden wollen. Zudem können sie das Leben und auch die Wohnung des Halters in nicht geringem Maße umkrempeln.
Damit qualifizieren sie sich lediglich als Hausgenossen für echte Liebhaber und erfahrene Exotenhalter, die ihnen auch alles bieten können und wollen, was die Nager zum Wohlfühlen brauchen. Prüfen Sie also gut, ob Sie diese Tiere wirklich aufnehmen möchten.
Für Kinder sind die sensiblen Geschöpfe als Haustiere völlig ungeeignet!
Handhabung
Die Handhabung hängt stark von der Zahmheit der Tiere ab. Ruhige, ausgeglichene Tiere können Sie einfach in die Hand nehmen, um sie umzusetzen oder das Geschlecht zu bestimmen. Lassen Sie dabei die langen Hinterbeine zwischen Fingern herausschauen, so dass die Tiere ins Leere strampeln, wenn sie zappeln. Das vermindert das Verletzungsrisiko für die Tiere erheblich. Achten Sie dabei darauf, dass die Tiere dabei nicht zu weit mit den Füßen in Richtung Kopf kommen, da sich die Tiere mit ihren scharfen Krallen ernsthaft selbst verletzen können. Die Krallen sind so scharf, dass Sie auch menschliche Haut, besonders die dünnere Frauenhaut, zerschneiden können.
Scheue Tiere sollten Sie nach Möglichkeit niemals anfassen. Läßt es sich nicht vermeiden und Sie können die Tiere nicht mit der Hand fangen, verwenden Sie ein Handtuch, das Sie auf das betreffende Tier werfen und das Tier so mitsamt Handtuch greifen. Achten Sie hier sorgfältig darauf, dass sich die Tiere nicht im Stoff verfangen. Das erhöht das Verletzungsrisiko für die dünnen Beine enorm. Frotteehandtücher sind daher für diesen Zweck ungeeignet.
Wickeln Sie das Tier fest in das Handtuch und legen Sie nur die zu betrachtende Stelle, bei der Geschlechtsbestimmung die Afterregion, frei. Wenn Sie die Augen der Springmaus bedecken, wird diese etwas ruhiger.
Geht es nur um das Umsetzen der Tiere, können Sie sie auch einfach mitsamt Häuschen von einem Gehege ins andere verfrachten.
Beim Tierarzt handhaben Sie zahme Tiere wie zu Hause. Scheue Tiere sollten Sie in einer nicht allzu großen Box zum Arzt transportieren. Wenn die Tiere an den Deckel stoßen, wenn sie sich aufrichten, ist die Gefahr wesentlich kleiner, dass sie mit Kraft dagegen springen und sich schwer verletzen. Müssen sehr scheue Exemplare vom Tierarzt untersucht werden, empfiehlt sich eine leichte Gasnarkose. So kann die Untersuchung besser und schneller ablaufen. Außerdem sinkt die Gefahr, dass die Springmaus bei der Untersuchung flüchtet oder verletzt wird.
Entflohene Tiere können Sie einfach wieder einsammeln, wenn sie zahm sind. Scheue Nager fangen Sie am besten mit einem dünnwandigen, möglichst großen Karton. Der gibt im Gegensatz zu einer Faunabox, mit der man sonst scheue Exoten gut fangen kann, etwas nach, wenn die Tiere dagegen springen. Zudem sehen die Tiere die Wände im Gegensatz zur durchsichtigen Fauna. Das Fangen mit dem Karton minimiert also wieder das Verletzungsrisiko für die Tiere.
Zur Handhabung von Großen Wüstenspringmäusen benötigen Sie allerdings keine Lederhandschuhe. Diese Nager würden ihren Halter niemals beißen. Selbst Wildfänge beißen nicht. Auch bei schmerzhaften, notwendigen Behandlungen sind die Tiere dem Halter gegenüber kein bisschen aggressiv, geschweige denn bissig.
Grundsätzlich gilt beim Umgang mit diesen Tieren: Agieren Sie ruhig, langsam und vermeiden Sie jegliche Hektik! Dann lassen sich die Tiere wesentlich besser handhaben, da sie so weniger schreckhaft sind.
Sozialstruktur und Verhalten
Diese streng nachtaktiven Nager leben in sozialen, kleinen Gruppen. Sie sollten also immer mindestens zwei Tiere halten. Es darf aber auch gern eine Gruppe von vier bis acht Tieren sein. Allerdings berichten die meisten Halter, dass es bei den Männchen in einer Gruppe zu heftigen Kämpfen kommen kann. Ob sich dies mit einer besonderen Haltungsform vermeiden lässt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht sagen.
Auffallend ist das Aggressionspotential vor allem der Weibchen. Sie verfolgen und verletzen ihr Männchen mitunter sogar. In geschlossenen Gehegen unter 10 qm Grundfläche kann dies mit dem Tode des Verfolgten enden. Eine Integration in geschlossenen Gehegen ist also risikoreicher als im Freilauf.
In der Haltung im Gehege (Grundfläche 300×70 cm) haben die Tiere bei uns starke Aggressionen gezeigt und sich auch verletzt. Dies ließ mit der Änderung der Haltungsform (siehe Kapitel „Haltung“) stark nach.
Interessant ist die Schlafposition der Wüstenspringmäuse. Entweder schlafen sie auf der Seiten liegend und drehen den Kopf leicht ein oder sie sitzen dabei auf ihren Hinterbeinen, den Kopf zur Brust hin eingedreht.
Die Tiere sind hochintelligent, langweilen sich schnell und wollen beschäftigt werden. Egal, ob Sie Ihre Tiere in einem Gehege oder frei in einem Zimmer halten, Sie sollten den Tieren permanent neues Spielzeug anbieten. Dabei sind Ihrer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ich lasse den Tieren öfter etwas im Zimmer stehen, das sie untersuchen, beklettern und zernagen können oder worin sich Futter versteckt. Dazu gehören: alte Naturfaserteppiche, volle Altpapierkartons, Weinsteine mit verstecktem Futter, Inventar aus anderen Gehegen, das ausgiebig untersucht und beschnuppert wird, Foodbälle und ähnliches.
Haltung
Einige Quellen empfehlen für die Haltung von Großen Wüstenspringmäusen Aquarien mit Grundflächen von mindestens 120 x 60 bis 200 x 50 cm. Ich habe schnell feststellen müssen, dass selbst mein Gehege von 300 x 70 cm Grundfläche noch zu klein für die sehr agilen, neugierigen Tiere ist. Meine Springmäuse leben daher freilaufend in Teilen der Wohnung. Mehr darüber finden Sie im Exkurs zur Wohnungshaltung.
Als Mindestmaß sollten Sie bei zwei Großen Wüstenspringmäusen von einer Gehegegrundfläche von 350×350 cm ausgehen.
DienHaltung in Aquarien ist dagegen sehr problematisch und alles andere als ideal ist. Manche Halter berichten von panikartigem Umherspringen, wenn man im Becken hantiert. Die scheuen Tiere versuchen mit großen Sprüngen zu fliehen, wenn sie sich erschrecken oder der Halter nach ihnen greift. Dabei tendieren sie dazu, ungebremst gegen die Aquarienscheibe zu laufen, was schwere bis tödliche Verletzung nach sich ziehen kann. Ein Experiment zeigte bei uns ein ähnliches Problem, da die Tiere die Glasscheiben nicht sehen.
Bauen Sie Ihr Gehege, so Sie sich dafür entscheiden, also ganz oder teilweise aus Glas, sollten Sie die Scheiben mit Inventar versehen, das die Tiere noch vor der Scheibe abbremst. Ein Stein, ein Häuschen oder ähnliches erfüllen diesen Zweck sehr gut. Damit die Tiere im Gehege gar nicht zuviel Tempo kriegen können, sollte die Einrichtung so verteilt sein, dass die Tiere Slalom laufen müssen. Aus einer geraden Strecke machen die Nager schnell eine Sprintstrecke.
Als Einstreu empfiehlt sich in jedem Fall Sand. Mindestens einen Teil des Geheges sollten Sie mit Attapulgit oder Sepiolith auslegen oder den Sand mit Talkum oder Urgesteinsmehl versetzen, so dass die Tiere darin ihre Fellpflege betreiben können. Bekommen Springmäuse keinen geeigneten Sand, verfettet das Fell extrem schnell und die Tiere können sich leicht erkälten. Den Rest des Geheges können Sie beispielsweise mit durchgesiebtem Flusssand oder Strandsand auffüllen.
Ebenfalls sehr gern angenommen wird eine nach oben offene Kiste, die mit Erde oder einem Erde-Humus-Gemisch gefüllt wird. Diese Kiste darf gern bis 10cm unter den Rand gefüllt werden und 50 cm und höher sein. Wissen die Tiere erst einmal, was sich in der Kiste verbirgt, wird die Rampe schnell überflüssig und die Tiere springen einfach vom Boden aus in die Kiste. Ich konnte auch schon beobachten, dass in der Erde Nester angelegt und auch bewohnt werden.
Obwohl Große Wüstenspringmäuse soziale Tiere sind, schlafen einige von ihnen konsequent in getrennten Unterschlupfen. Daher sollten Sie einen Unterschlupf pro Exemplar anbieten, sonst streiten die Tiere eventuell um das Häuschen. Als Einrichtung für das Gehege eignen sich größere Wurzeln, Stammteile und Äste sowie Weinsteine, Tontöpfe oder größere Holzhäuschen für Nager.
In Wohnungshaltung verteilen Sie einfach Schlaf- und Sandkisten im Raum/den Räumen der Tiere. Sie können den Tieren auch eine Ecke mit dem genannten Inventar einrichten. Unbedingt notwendig ist dies in Wohnungshaltung jedoch nicht.
Als Nistmaterial können Sie beispielsweise Heu anbieten, aber auch Zellstoff wird gern angenommen. Manche Tiere freuen sich auch über Kokosfasern oder Hundehaare. Mit Leidenschaft werden Kleidungsstücke aus Naturfasern zerlegt und in das Nest eingearbeitet. Wenn Sie die Möglichkeit haben, können Sie aber auch in einem Zoo, der Kamele hält fragen, ob Sie etwas Kamelhaar für Ihre Tiere bekommen können.
Ob die Springmäuse Rotlicht brauchen, scheiden sich die Geister. Meinen Beobachtungen nach fühlen sich die Tiere auch bei Zimmertemperatur wohl, wenn diese 18 bis 20°C nicht unterschreitet. Bietet man aber ein Rotlicht an und bestrahlt damit gezielt eine Sandfläche oder einen Stein, genießen die Nager die kleine Wärmedusche trotzdem sehr. Besonders im Übergang vom Sommer zum Herbst, wenn es kühler wird, empfiehlt sich ein solches Rotlicht, da sich die Tiere sonst eventuell durch die ungewohnt niedrigen Temperaturen erkälten. Ist die Temperaturumstellung vorüber, können Sie auch das Rotlicht wieder entfernen.
Alternativ können Sie den Tieren auch Heizsteine oder Wärmeplatten anbieten. Auch auf diesen halten sich die Springmäuse besonders bei kühleren Raumtemperaturen ab und zu gern auf.
Dieser Text ist nur ein Anhaltspunkt zur Haltung. Mit diesen lebhaften Tieren können Sie viele Überraschungen erleben. Welche wir mit unseren Tieren schon erlebt haben, können Sie im Tagebuch nachlesen.
Ernährung
Die Ernährung Ihrer Großen Wüstenspringmäuse sollte sich an der natürlichen Nahrung orientieren. Daher empfiehlt sich als Basisfutter ein Mix aus Exoten- und Wellensittichfutter, dem Sie nach Belieben Grassamen und verschiedenste Mischungen von Wild- und Unkrautsamen beimischen können. Der Versuch, Löwenzahn- und Petersilienwurzeln zu verfüttern, ist bis jetzt aber gescheitert. Dafür können sich die Nager sehr für getrocknete Möhren begeistern.
Neben dem losen Saatenmix können Sie den Springmäusen Hirsekolben und –rispen sowie Getreideähren anbieten. Auch gern genommen werden Fruchtstände von Gräsern, die Sie im Sommer auf fast jeder Wiese finden. Dieses Futter hat zudem den Vorteil, dass die Tiere länger mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind.
Obst und Gemüse werden meist verschmäht. Sie können es aber trotzdem immer wieder anbieten. Manche Tiere entdecken erst nach einiger Zeit ihre Leidenschaft für ein bestimmtes Obst oder Gemüse. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie Obst nur selten anbieten, da die Tiere nicht zu süß gefüttert werden sollten.
Auch bei Eiweißfutter dauert es oft lange, bis die Tiere überhaupt etwas annehmen. Um dennoch die Eiweißversorgung zu sichern, mische ich Brösel von getrockneten Seidenraupen unter die Kleinsaatenmischung.
Ebenfalls anbieten können Sie einen Nagerstein oder eine Sepiaschale zur Kalkversorgung. Achten Sie hier darauf, dass die Tiere nicht zuviel davon fressen. Nehmen Sie den Stein notfalls für einige Zeit aus dem Gehege. Mitunter wird der Stein aber lediglich mit Zähnen und Krallen bearbeitet, ohne das das Tier davon etwas frisst.
Die Saaten bieten Sie den Tieren am besten in einer Schüssel an. Fruchtstände von Gräsern und Getreiden können Sie einfach im Gehege verteilen oder aufhängen.
Auch wenn die Tiere sehr wenig trinken, sollten Sie ihnen immer eine Wasserschüssel mit frischem Wasser zur Verfügung stellen. Da die Tiere aus der hohlen Hand trinken, kommt ihnen eine Wasserschüssel eher entgegen als eine Flasche.
Fortpflanzung
Die meisten in Deutschland gehaltenen Großen Wüstenspringmäuse sind importierte Wildtiere. Die Nachzucht ist immer noch eine große Seltenheit. Meist handelt es sich hier um schon trächtig importierte Tiere.
Manche Halter experimentieren auch mit einem Wechsel von karger und reichhaltiger Ernährung, um den jahreszeitlichen Rhythmus zu imitieren und die Tiere so zur Paarung anzuregen. Bei uns werden die Tiere das ganze Jahr über möglichst optimal gefüttert, ziehen aber trotzdem Nachwuchs auf. Inwiefern diese Fütterungsmethode also Erfolg zeitigt, können wir also nicht beurteilen.
Wir konnten allerdings die Beobachtung machen, dass unsere Tiere sich nur dann vermehren, wenn sie ausreichend Platz zur Verfügung haben. Im Gehege haben sie wahrscheinlich einen Wurf gehabt, aber nicht aufgezogen, sondern die Jungtiere gefressen. Dies ist im Wohnungsfreilauf noch nicht passiert. Zudem scheint die Harmonie des Paares von Bedeutung zu sein.
Das Paarungsverhalten der Großen Wüstenspringmäuse lässt sich gut beobachten. Dabei läuft das Männchen seinem Weibchen nach. Immer wieder tänzeln die Tiere umeinander, während er seine Angebetete anzirpt, bis sie ihm die Paarung schließlich gestattet. Diese Prozedur kann sich mehrmals wiederholen und mehrere Stunden dauern.
War die Paarung erfolgreich, werden nach etwa 28 Tagen zwei bis vier nackte und blinde Jungtiere geboren, die in den folgenden Wochen völlig von der Versorgung durch eine der acht Zitzen der Mutter abhängig sind. Erst mit sechs bis sieben Wochen verlassen die kleinen Wüstenspringmäuse erstmals das Nest, benötigen aber noch mindestens weitere vier Wochen, bis sie selbständig sind. Daher sollten die Jungtiere mindestens 2,5 Monate bei ihren Eltern bleiben.
Ruhe ist für die Aufzucht der Kleinen unabdingbar. Verzichten Sie daher auf Nestkontrollen, sonst besteht die Gefahr, dass die Eltern ihren Nachwuchs verlassen und Sie die Waisen mit der Flasche aufziehen müssen.
Die Geschlechtsreife tritt bei der Großen Wüstenspringmaus mit 8 bis 12 Monaten ein.
Diese Nager erreichen ein durchschnittliches Lebensalter von etwa 4 bis 5 Jahren.
Krankheiten
Wenn Sie die grundlegenden Bedürfnisse dieser Tiere in Haltung und Ernährung beachten, sind Wüstenspringmäuse eher selten krank.
Empfindlich reagieren sie allerdings auf starke Temperaturschwankungen oder auf ein stark verfettetes Fell. Beides kann Erkältungen auslösen, die in jedem Fall behandelt werden müssen.
Auch wenn die Tiere eher selten erkranken, sollten Sie in jedem Fall eine finanzielle Reserve für veterinärmedizinische Notfälle in Höhe von etwa 100 Euro anlegen.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung Großer Wüstenspringmäuse im Gehege ist eher schwierig und risikobehaftet. Hier kann es durchaus vorkommen, dass die meist recht dominanten Weibchen ihren Bock jagen. Da er mangels Platz nicht ausweichen kann, kann dies zu ernsthaften Verletzungen und sogar zur Tötung des Männchens führen.
Bei Vergesellschaftungen im dauerhaften Freilauf ist dieses Problem noch nicht aufgetreten.
Bewährt hat es sich, die Tiere vormittags einander vorzustellen. Zu dieser Zeit sind sie ruhiger. Meist fällt das Kennenlernen dann recht kurz aus, bevor alle wieder schlafen gehen. Nutzen Sie für die Vergesellschaftung ein Wochenende, um auch am ersten Abend und der darauffolgenden Nacht ein Auge auf die Tiere haben zu können. Im Idealfall nutzen Sie einen Raum dafür, den die Tiere sonst nicht betreten dürfen.
Bewährt hat sich auch, ein neues Tier einfach in das Nest der schlafenden Gruppe zu setzen. Hier verschläft es mit den anderen den Tag und nimmt so schon den Gruppengeruch an. Auch hier sollten Sie am Vormittag anfangen und die erste Nacht gut überwachen.
Da die Tiere sehr unterschiedlich reagieren, kann hier nicht jeder Fall für die folgende Zeit beschrieben werden. Wenn Sie Fragen dazu haben, können Sie diese aber in unseren Forum stellen.
Anschaffung
Haben Sie nach der Lektüre festgestellt, dass Große Wüstenspringmäuse die richtigen Tiere für Sie sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren.
Da die Tiere sehr selten sind, werden Sie im Tierschutz kaum fündig werden. Suchen Sie daher in Kleinanzeigen und Foren nach einem seriösen Züchter. Da diese Tiere so selten nachgezogen werden, sollten Sie sich auf eine längere Suche einstellen.
Alternativ können Sie auf Messen und Börsen nach Ihren neuen Mitbewohnern suchen. Hier gilt jedoch besondere Vorsicht, da nicht alle Angebote auf einem solchen Event seriös sind und Sie auch kranke Tiere verkauft bekommen. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass sie hier Wildfänge erwerben.
Sehr selten verkaufen auch spezialisierte Zoohandlungen Große Wüstenspringmäuse. Die Gefahr, kranke und/oder parasitenhaftete Tiere verkauft zu bekommen, ist hier aber durchaus vorhanden. Zudem führen die Läden oft Wildfänge.
Für die Anschaffung Großer Wüstenspringmäuse sollten Sie je nach Gehegelösung für die Grundausstattung (Gehege, Einstreu, Inventar, Futter, Transportbox) 300 bis 500 Euro einplanen.
Die laufenden Kosten für ein Paar belaufen sich im Monat für Trocken- und Frischfutter, sowie Sand auf etwa 30 bis 40 Euro.
Artengesellschaft
Große Wüstenspringmäuse sind sehr friedliche Tiere, die sich mit jedem Nager vertragen, der ihnen freundlich begegnet. Jedoch würden Artengesellschaften mit Großen Wüstenspringmäusen soviel Platz beanspruchen, dass es für den normalen Nagerhalter nicht praktikabel ist. Daher sollten Sie davon absehen, diese Tiere mit anderen Arten zu vergesellen.
Weitere Informationen
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Quelle:
rodent-info.net







