Fettschwanz-Rennmaus
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Überfamilie: | Mäuseartige (Muroidea) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Rennmäuse (Gerbillinae) |
| Gattung: | Pachyuromys |
| Art: | Fettschwanz-Rennmaus (Pachyuromys duprasi) |
In Deutschland sind diese Nager auch unter den Namen Dickschwanz-Rennmaus oder Duprasi-Rennmaus bekannt.
Wildtier Fettschwanz-Rennmaus
Die Fettschwanz-Rennmaus bewohnt die dürren, vegetationsarmen Wüsten und Halbwüsten Nordafrikas von Algerien bis Marokko.
Dies spiegelt sich sowohl in der Nahrung als auch in der physischen Anpassung der Tiere wieder. Durch die spärliche Vegetation besteht in der Wildnis ein großer Teil ihrer Nahrung aus Insekten. Das Fell wie auch die behaarten Füße sind hervorragend an den sandigen Untergrund angepasst.
Anatomie und Erscheinung
Fettschwanzrennmäuse erinnern mit ihrer recht plumpen Erscheinung eher an Zwerghamster als an Rennmäuse, werden aber mit einem Gewicht von 40 bis 50 g und einer Körperlänge von 10 bis 14 cm deutlich größer. Weitere 4 bis 6 cm entfallen auf den namensgebenden, keulenförmigen, nackten Schwanz. Darin speichert das Tier Nahrungsreserven in Form von Fett für schlechte Zeiten, falls seine Hauptnahrung, Insekten, rar wird.
Die schwarzen Augen sind verhältnismäßig groß und weisen die Tiere als nachtaktiv aus.
Mit ihren kurzen Beinen können sie weder gut springen noch klettern. Selbst an Gitter klettern sie fast nie hoch, obwohl sie es rein theoretisch könnten. Die Füße sind relativ groß, flächig und behaart. So sinken die Tiere im Sand weniger stark ein und können darauf leichter laufen.
Das Fell ist sehr weich, fettet aber sehr leicht ein, weshalb die Wahl des richtigen Untergrundes für die Tiere hier besonders wichtig ist. Auf der Oberseite ist es gelbgrau, auf der Unterseite weißlich.
Bilder dieser Rennmäuse finden Sie auch in der Galerie.
Die Fettschwanz-Rennmaus als Haustier
Eignung
Durch ihr nicht ganz einzuordnendes Sozialverhalten und die daraus entstehenden Konsequenzen, sind Duprasis eher Tiere für erfahrene Halter, die mit eventuellen Streitigkeiten nicht überfordert sind und auch Anzeichen erkennen und auf sie reagieren können.
Im übrigen sind diese Nager für eher abends aktive Menschen durchaus interessante und sehr niedliche Pfleglinge.
Für Kinder sind sie keinesfalls geeignet!
Handhabung
Duprasi-Rennmäuse sind meist sehr umgänglich gegenüber dem Menschen, was die Handhabung vereinfacht. Sie können sie also problemlos auf die Hand nehmen. Scheue Tiere, die sich nicht anfassen lassen mögen, können Sie recht problemlos mit einer kleinen Transportbox einfangen. Für bissige Exemplare, die durchaus auch vorkommen können, empfiehlt sich ein stabiler Lederhandschuh.
Zur Geschlechtsbestimmung nehmen Sie die Tiere entweder in die Hand und drehen sie auf den Rücken oder Sie setzen sie in eine durchsichtige Box und betrachten sie von unten.
Beim Tierarztbesuch nehmen Sie die Tiere auf die Hand. Sollte es, etwa für Injektionen, notwendig werden, können sie auch an der Nacken- oder Nacken-Rückenfalte genommen werden. Hierbei sollten Sie nie vergessen, dass das Fell der Rennmäuse relativ weit ist und sie sich noch sehr weit darin drehen können, wenn Sie die Falte zu klein nehmen.
Für scheue und/oder bissige Tiere verwenden Sie am besten ein Handtuch, in das Sie das betreffende Tier bis auf die zu untersuchende Stelle einwickeln.
Entflohene Nager fangen Sie am besten mit einer Gitterfalle, einem Kescher oder einer kleinen Transportbox wieder ein. Sind die Tiere nicht scheu, können Sie sie auch einfach vom Boden aufsammeln.
Sozialstruktur und Verhalten
Über das Sozialverhalten der nachtaktiven Fettschwanz-Rennmäuse gibt es unterschiedliche Angaben, welche von gesellig über territorial bis hin zu eher einzelgängerisch reichen. Es gibt Zuchtlinien, die sehr soziale Tiere hervorbringen, bei denen es im ganzen Leben nie zu Streitigkeiten oder schwereren Zwischenfällen kommt. Jedoch gibt es auch Linien mit Tieren, die sich kaum vergesellschaften lassen und nahezu jeden Partner verbeißen. Es ist also hilfreich, die Vorgeschichte seines Tieres oder seiner Tiere zu kennen, um beurteilen zu können, aus welcher Linie die Tiere stammen. Eine Vergesellschaftung ist der Einzelhaltung in jedem Falle vorzuziehen.
Dem Menschen gegenüber zeigen die meisten Duprasis kaum Scheu und sind oft leichter zu zähmen als einige andere Rennmausarten. Bissige Exemplare sind selten, kommen aber vor.
Eine Besonderheit, die sie mit den Bleichen Rennmäusen teilen, ist das häufige Schlafen auf dem Rücken. Die öfter etwas verschlafenen und trägen Tiere ruhen ausgestreckt auf dem Rücken liegend, so dass Sie als Halter leicht den Eindruck bekommen, das Tier sei tot. Auch auf Berührung reagieren sie im Gegensatz zu vielen anderen Arten eher zögerlich und werden nur langsam wach.
Ein weiterer, sehr interessanter Verhaltensaspekt dieser Rennmäuse ist ihr Jagdverhalten. Lernen sie lebende Insekten kennen, entwickeln sie in der Regel schnell ein aktives Such-, Jagd- und Tötungsverhalten und hören oft auch wirklich erst dann auf, nach Beute zu suchen, wenn sie das Insekt weder hören noch riechen noch in der näheren Umgebung finden können.
Bekommen sie Tiere, die kein Lebendfutter kennen, möchten aber welches verfüttern, können Sie die Tiere in einem kleinen Aquarium (ab 80x40cm) oder ähnlichem geschlossenen Gehege trainieren. Meist dauert es etwa 14 Tage, bis die Tiere ein aktives Jagdverhalten entwickelt haben.
Haltung
Obwohl in der Regel Becken mit einer Grundfläche 80x40cm als Minimum angegeben werden, würde ich die Untergrenze bei 130x50cm für 2 bis 3 Tiere ansiedeln. Eher sollte die Unterbringung größer sein, da Duprasis mit Etagen nichts anfangen können und ihnen deshalb eine möglichst große Bodenfläche zur Verfügung stehen sollte. Zudem können sie in einer Nacht deutlich über 10 km weit laufen.
Durch den starken Buddeltrieb eignet sich ein Aquarium für die Unterbringung dieser Tiere am besten. Da die Tiere ohnehin kaum klettern können, stellt die bei anderen Arten problematische geringe Höhe kein Hindernis da. Es muss lediglich sichergestellt sein, dass das Aquarium nicht höher als breit ist.
Für Selbstbauten wie umgebaute Schränke sind Duprasis nur bedingt die richtigen Bewohner. In diesem Fall sollten Sie explizit schon beim Bau darauf achten, dass die Tiere auch jede Etage wirklich erreichen können. Zu beachten ist auch, dass die Selbstbauten eine große Grundfläche haben und nicht zu sehr in die Höhe gehen, da die Tiere kein Interesse an höheren Etagen zeigen.
Für Volieren aller Art sind die kleinen Rennmäuse komplett ungeeignet.
Als Einstreu verwenden Sie im Idealfall Sand (Attapulgit, Sepiolith), da das feine Fell der Tiere sonst schnell verfettet und sie nicht mehr richtig isoliert. Verwendet werden kann auch feiner, abgerundeter Quarzsand, dem man entweder Talkum oder Urgesteinsmehl untermischt. Werden die Tiere auf Kleintierstreu oder ähnlichen Untergründen gehalten, muss in jedem Fall mindestens ein Sandbad, besser mehrere, angeboten werden.
Die Einstreu selbst kann 20cm und mehr tief sein, damit die Tiere ihrem Buddeltrieb nachgehen können.
Dabei sollten Sie jegliches Inventar so absichern, dass es von den Tieren nicht untergraben werden kann, da die Tiere dann von schweren Gegenständen leicht erschlagen werden.
Als Einrichtung eignen sich Steinhaufen (immer gut verkeilen!), Wurzeln, dicke Äste und Häuschen aus verschiednen Naturmaterialien. Diese können Sie auf einer in der Streu vergrabenen Etage anbringen, so dass die Tiere gefahrlos nach unten wühlen können. Andernfalls könnten sie von schweren Einrichtungsteilen erschlagen oder erdrückt werden. Als Nistmaterial bieten Sie den Tieren am besten Heu an.
Zudem benötigen die Tiere noch je eine Schüssel für Trocken- und Frischfutter sowie eine Trinkflasche.
Ernährung
Betrachtet man die Ernährung der Tiere in freier Wildbahn, leitet sich daraus auch für die Haustiere ab, dass der Anteil an Insektenfutter bzw. Lebendfutter deutlich höher sein muss, als bei anderen Rennmausarten, um den Bedarf an tierischem Eiweiß zu decken. Verfüttern können Sie alle Arten von Futterinsekten wie Schaben, Heimchen, Grillen, Heischrecken, Zophobas und Mehlwürmer. Die Insekten werden von den Nagern auch gejagt und aktiv erbeutet. Deshalb eignen sie sich gut dazu, die Rennmäuse zu mehr Bewegung zu animieren. Dieses Futter sollte 45 bis 50% der Nahrung ausmachen.
Als Körnerfutter können Sie Mischungen füttern, die auch für Mongolische Rennmäuse verwendet werden, also Mischungen aus größeren und kleineren Saaten mit Schwerpunkt auf den Kleinsaaten.
Beim Frischfutter sollte der Schwerpunkt deutlich auf Gemüse und sonstigem Grün liegen. Obst sollten Sie nur selten und als Leckerli reichen!
Gut genährte Fettschwanz-Rennmäuse erkennt man an der straffen, glatten Schwanzhaut. Ist die Haut hingegen faltig, weist das auf Mangelernährung oder Stress hin und Sie sollten der Ursache schnellstmöglich auf den Grund gehen.
Auch wenn die Tiere aus Wüsten und Halbwüsten stammen, müssen sie jederzeit die Möglichkeit haben, frisches Wasser aufzunehmen, das Sie am besten in einer Flasche anbieten. Näpfe werden von den Tieren leicht zugeschüttet.
Fortpflanzung
Bei den Daten über die Fortpflanzung variieren die Angaben verschiedener Quellen. So wird die Tragzeit in der kleinsten Spanne mit 20 bis 22 Tagen beziffert, in der größten mit 19 bis 24 Tagen. Auch die Angaben über die Größe des Wurfes schwanken zwischen 3 bis 5 und 4 bis 6 Jungen bei bis zu 5 Würfen pro Jahr. Die Geschlechtsreife der als Nesthocker geborenen Jungtiere tritt mit etwa 2 Monaten ein.
Die Zahlen zur Lebenserwartung schwanken mit Angaben zwischen 3 und 7 Jahren wieder beträchtlich. Jedoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Tiere deutlich über 3 Jahre alt werden.
Ist Nachwuchs erwünscht, ist die Harmonie des gewählten Paares extrem wichtig. Dann ist auch der erste Wurf innerhalb kurzer Zeit zu erwarten. Oftmals bleiben aber scheinbar harmonische Paare ohne ersichtlichen Grund ohne Nachwuchs. Das zeigt, wie wichtig die perfekte Harmonie bei diesen Tieren ist.
Möchten Sie jedoch keinen Nachwuchs und fehlt das nötige Grundwissen und die Erfahrung sollten Sie in jedem Fall eine gleichgeschlechtliche Gruppe halten. Diese sind leider nicht immer ganz einfach und gehören in rennmauserfahrene Hände.
Auch sehr aggressive und eigenbrötlerische Tiere sollten nicht vermehrt werden, da sie ihr schwieriges Wesen meist an ihre Jungen weitergeben.
Zur Unterscheidung finden Sie hier Geschlechterbilder.
Krankheiten
Am häufigsten sind bei dieser Rennmausart Bissverletzungen zu beobachten, wenn die Gruppe nicht harmonisch ist. Kälte, fettiges Fell und/oder Zugluft können Erkältungen verursachen.
Davon abgesehen sind die Tiere jedoch bei korrekter Haltung wie die meisten Exoten von robuster Gesundheit und eher selten krank.
Trotzdem sollten Sie für veterinärmedizinische (Not)Fälle immer eine finanzielle Reserve von ca. 100 Euro im Hause haben.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung ist bei den Fettschwanz-Rennmäusen ein problematisches Thema, da es eher einzelgängerisch veranlagte Tiere, Tiere mit Paareignung, aber auch Tiere mit Gruppeneignung gibt. Die Tiere sind bei der Partnerwahl zudem sehr wählerisch. Manche Tiere lassen sich nie aneinander gewöhnen.
Deshalb sollten Sie Vergesellschaftungen bei dieser Rennmausart immer mit der nötigen Sorgfalt und einem gewissen Zeitrahmen ausführen. Empfehlenswerte Techniken sind etwa Etappenmethode, Trenngittermethode oder die Badewanne.
War die Vergesellschaftung erfolgreich, ist das noch keine Garantie für dauerhaften Frieden in der Gruppe oder unter den Partnern. Es kann auch danach noch zu eher harmlosen Auseinandersetzungen kommen. Manchmal jedoch entwickeln diese Kämpfe ernstere Züge. Bei Verletzungen müssen die Tiere sofort getrennt werden.
Anschaffung
Da Duprasi-Rennmäuse in Tierheimen und Notfallstationen fast nie zu finden sind, empfiehlt sich der Gang zu einem seriösen Züchter. Im Optimalfall können Sie die Tiere abholen und sich die Zucht- und Haltungsbedingungen anschauen.
Auch auf Messen und Börsen werden diese Tiere verkauft. Schauen Sie sich hier den Züchter und seine Tiere gut an. Schwarze Schafe verkaufen hier mitunter auch kranke Tiere.
Zum Kauf in der Zoohandlung kann ich nicht raten. Der Händler weiß in der Regel nicht, wie es um das Sozialverhalten der Tiere bestellt ist, was gerade bei dieser Rennmausart sehr wichtig ist. Zudem können Sie sich schnell kranke, schwangere oder mit Parasiten behaftete Tiere einhandeln. Auch sind die meisten Zoohändler nicht sicher in der Bestimmung der Geschlechter, so dass Sie unter Umständen ein Pärchen erwerben, obwohl Sie gar keines wollten.
Je nach Beckengröße und gewählter Einstreu und Einrichtung sollten Sie bei der Anschaffung (Gehege, Einstreu, Inventar, Futter, Transportbox) mit 200 – 300 Euro rechnen. Wenn Sie ein gebrauchtes Aquarium erstehen, können Sie die Kosten entsprechend reduzieren. Eigenbauten sind hier nicht immer die kostengünstigere Variante.
Durch den hohen Konsum an lebenden Insekten ist der Unterhalt dieser Nager etwas kostenintensiver als bei anderen Rennmäusen. Sie sollten hier für Trockenfutter, Frischfutter und Insekten sowie Einstreu mit ca. 50 Euro im Monat rechnen.
Artengesellschaft
Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
In Artengesellschaften sind Duprasis aufgrund ihrer Ansprüche an Futter und Untergrund und auch wegen der Reaktion bestimmter Arten von Wühlern auf sie nur bedingt geeignet. Den geeigneten Lebensraum für beide Arten vorausgesetzt, wäre beispielsweise eine Gesellschaft mit Stachelmäusen denkbar. Wichtig ist hierbei, dass für die Rennmäuse keine Absturzgefahr besteht. Die Kletterflächen der Stachelmäuse sollten also gesichert oder für die Rennmäuse nicht erreichbar sein. Das Gehege sollte eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 3 bis 3,5 qm haben.
Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!
Für Gesellschaften mit mehr als zwei bis drei Arten sind diese Rennmäuse allerdings nicht zu empfehlen. Auch von Vergesellschaftungen mit anderen Wühlern und/oder Rennmausarten sollten Sie absehen, da die Fettschwanz-Rennmäuse dabei oft den Kürzeren ziehen und teilweise sogar sehr aggressiv angegriffen werden.
Weitere Informationen
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Quellen:
http://www.rodent-info.net/fettschwanz_rennmaus_allgemeines.htm









