Farbratte

Systematik und Biologie

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Rattus
Art: Wanderratte (Rattus norvegicus)
UnterartFarbratte (Rattus norvegicus f. domestica)


Die Wanderratte als Wildtier

Die Wanderratte besiedelte ursprünglich Steppen im Gebiet der heutigen Mongolei. Vermutlich um 1300 gelangte sie über die Seidenstraße nach Europa. Schnell hat sie sich zu einem ungeliebten Kulturfolger und Schädling in der Nähe des Menschen entwickelt. Doch nicht alle Menschen sehen sie als Plage an. Es gibt in Indien den Karni-Mata-Tempel, in dem Ratten als heilig verehrt werden und wo die Menschen ihnen Opfergaben mit der Bitte auf ein glückliches Leben darbringen.
In Europa wurden Ratten schnell mit der Pest in Zusammenhang gebracht, da der auf den Ratten lebende Rattenfloh diese Bakterien auf den Menschen übertragen kann. Dabei wird vergessen, dass die Ratten genauso an der Pest starben und die Rattenflöhe erst mangels ihres natürlichen Wirts aus Not auf den Menschen auswichen.
Im 18. Jahrhundert wurden im Großbritannien Wanderratten für Hundekämpfe eingefangen: Auf die Hunde wurden Wetten abgeschlossen, welcher die meisten Ratten töten würde. Bei den Fängen waren auch gelegentlich wilde Albinoratten dabei, die das Interesse der Menschen erregten. Die Tiere wurden als Haustiere gehalten und weitergezüchtet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelangten von diesen Albinoratten auch Tiere in die Labore der Forschung, da Ratten von Natur aus sehr anfällig für Tumore sind und sich damit für die Untersuchung von Krebs eigneten.


Anatomie und Erscheinung

Die Farbratte wird so genannt, weil sie durch gezielte Zucht weg von der graubraunen Wildfarbe bis heute eine große Vielfalt an möglichen Fellfarben und verschiedene Fellzeichnungen erhielt.
Zwischen den verschiedenen Farben und Zeichnungen besteht kaum ein Unterschied. Eine Sonderstellung nehmen die Albinoratten mit ihren roten Augen ein. Diese Tiere sind lichtempfindlicher und sehen schlechter als andere Ratten. Wegen ihrem schlechten Sehvermögen pendeln sie öfter mit dem Kopf, um ihre Umgebung quasi anzuvisieren. Umgangsprachlich spricht man bei diesen Tieren auch von „Leseratten“.
Die gesündeste Form der Farbratte ist die normale, glatt- und kurzhaarige Form. Es gibt daneben noch verschiedenste andere Formen, die zum größten Teil als Qualzucht eingestuft werden, da mit Veränderungen an Körperbau und Fellstruktur Beeinträchtigungen für die Tiere einhergehen.

Daten und Fakten

Weibliche Farbratten wiegen zwischen 250 und 350g, Böcke sind mit 400 bis 600g größer und schwerer. Wie bei allen Tierarten sind natürlich auch hier Ausnahmen möglich, die weniger oder mehr als diese durchschnittlichen Gewichtswerte auf die Waage bringen. Die Körperlänge liegt bei 20 bis 30 cm, dazu kommt ein fast ebenso langer Schwanz.
Die Körpertemperatur einer gesunden Farbratte liegt mit 37,5-39,5°C höher als die des Menschen. Die Atemfrequenz liegt bei ca. 70-120 Respirationen/min, Herzfrequenz bei ca. 250-450 Schläge/min.
Farbratten besitzen insgesamt 16 Zähne. Vier davon sind die ständig nachwachsenden Nagezähne vorn im Kiefer, die mit einer starken Zahnschmelzauflage umgeben sind. Diese Auflage ist bei gesunden Tieren gelblich bis orange. Bei Mangelerscheinungen kann sie heller bis weiß werden. Hinter den Nagezähnen haben die Tiere eine Lücke, nach der insgesamt 12 Backenzähne folgen, die im Gegensatz zu den Nagezähnen nicht nachwachsen. Eine weitere Besondereit ist eine Hautfalte im Maul, die verhindert, dass beim Nagen kleinere Nagepartikel verschluckt werden. Die Falte trennt dabei den vorderen Teil des Maul vom hinteren Rachenraum ab.

Sinne

Durch die seitlich am Kopf befindlichen Augen haben die Tiere zwar einen guten Rundumblick, aber fast kein räumliches Sehvermögen. Somit können sie Entfernungen und Tiefe nur schwer abschätzen. Die Augen der Farbratte sind dafür eingerichtet, Bewegungen gut wahrzunehmen. Das Farbsehen ist dagegen kaum entwickelt. Sie sehen überwiegend schwarz-weiß. Einen Eindruck zum Sehvermögen der Farbratte bieten die Videos der RatCam, die zu verbildlichen versuchen, was bisher durch Forschung zum Sehvermögen von Ratten bekannt ist. Angeblich sind sie auch in der Lage, bestimmte Spektralbereiche des ultravioletten Lichts wahrzunehmen. Urinmarkierungen sind in UV-Licht sichtbar, verschiedene Körperbereiche könnten in der UV-Wahrnehmung verschieden aussehen und auch im Tagesverlauf sind im Lichtspektrum unterschiedliche Anteile an UV-Licht vorhanden, so dass UV-Wahrnehmung auch eine Erkennung der Tageszeit ermöglichen könnte.
Anders als der Mensch sind Farbratten keine Augentiere, sprich andere Sinne als das Sehvermögen sind für sie viel wichtiger.
Das Gehör der Tiere ist deutlich besser ausgebildet als der visuelle Sinn. Die Ohren können unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegt werden und nehmen Töne wahr, die Mensch nicht mehr hört, weil sie im Ultraschallbereich liegen. In diesem Bereich findet auch vorwiegend die akustische Kommunikation der Tiere statt, so dass Ratten von Menschen oft als recht stumme Tiere empfunden werden.
Der Geruchssinn ist ebenfalls sehr gut entwickelt und hilft dem Tier sowohl bei der Orientierung wie auch in der sozialen Kommunikation. Sie erkennen ihre Rudelmitglieder am Geruch, sie markieren ihr Revier mit Urintropfen, laufen auf Duftstraßen, die sie auch in absoluter Dunkelheit zuverlässig und sicher beschreiten können, und orientieren sich auch bei der Partnerwahl am Geruch.
Ratten besitzen ein hochdifferenziertes Gleichgewichtsorgan im Innenohrbereich. Dieses ermöglicht ihnen sicheres Gehen und Klettern auch auf dünnen Ästen, schmalen Kanten und auf Seilen. Der Schwanz dient dabei als Balancierstange. Um den Gleichgewichtssinn der Tiere nicht verkümmern zu lassen, muss er regelmäßig angesprochen werden. Untrainierte Tiere bewegen sich in anspruchsvollem Gelände anfangs etwas unsicher, bis sie wieder gelernt haben, diesen Sinn richtig zu gebrauchen.

Mit Hilfe der Tasthaare am Kopf (Vibrissen) können Ratten auch in absoluter Dunkelheit ihre Umgebung gut wahrnehmen. Sie können damit und mit den seitlich am Körper befindlichen Tasthaaren unter anderem auch abschätzen, ob sie durch ein Loch hindurchpassen oder nicht.
Durch die hohe Entwicklung von Gehör, Geruchssinn und Tastsinn, finden sich auch blinde Ratten meist problemlos zurecht.


Die Farbratte als Haustier

Eignung

Farbratten sind zwar dem Ruf nach recht robuste Tiere, aber das entspricht nicht der Wahrheit. In der Natur sind sie durch eine hohe Reproduktionsrate so erfolgreich, wohingegen das Einzeltier keineswegs robust ist. Daher erfordern auch unsere Haustiere einiges an Zeit und Aufwand in der Pflege und hinsichtlich der medizinischen Versorgung. Sie benötigen als bewegungs- und kletterfreudige Tiere viel Platz und damit große Käfige; dazu kommen täglich mindestens 1 bis 2 Stunden Auslauf in einem rattensicheren Bereich. Insgesamt ist die tägliche Versorgung aber vergleichsweise unkompliziert. Sowohl Weibchen untereinander, als auch Weibchen und Kastraten oder reine Böckchenrudel haben meist ein sehr friedliches Sozialverhalten, das sie zusammen mit den oben angeführten Punkten zum idealen Haustier macht. Gerade Berufstätige wissen die Vorteile von Ratten zu schätzen, da die dämmerungsaktiven Ratten tagsüber schlafen und erst abends aktiv werden. Zudem suchen Ratten allgemein auch von sich aus den Kontakt zu ihren Menschen, der für sie nicht nur Futtergeber, sondern auch Bezugsperson ist.
Für Kinder sind Ratten nur geeignet, wenn die Eltern auch hinter der Anschaffung stehen und wenn die Kinder alt genug sind, um zu begreifen, dass die Tiere tagsüber schlafen und nicht gestört werden dürfen.
Manche Menschen reagieren empfindlich auf den Geruch von Ratten. In Internetforen wie www.ratteneck.eu oder www.rattenforum.de bieten verschiedene User an, dass man bei ihnen zu Hause probeschnüffeln und probekuscheln kommt, um vor der eigenen Anschaffung Ratten live zu erleben und Allergien auszuschließen.

Handhabung

Farbratten sind in der Regel recht einfach zu händeln, da sie weder beißen, noch sonderlich scheu sind. Sie können sie bei Bedarf meist einfach auf die Hand nehmen und auch beim täglichen Kontakt im Auslauf suchen viele Ratten regelrecht den Kontakt zu ihrem Menschen, beklettern ihn und lassen sich bespaßen. Allerdings ist diese Zahmheit natürlich abhängig von den Erfahrungen, die die Tiere mit dem Menschen machen: Tiere, die kaum Menschenkontakt kennen oder nur schlechte Erfahrungen gemacht haben, sind oft sehr scheu und werden, wenn überhaupt, erst nach längerer Zeit zahm. Zu diese schlechten Erfahrungen gehört das häufig in Zoohandlungen praktizierte Hochheben am Schwanz - ein No-go, da der Schwanz die Verlängerung der Wirbelsäule ist und sich die Ratte dadurch leicht schwerwiegende Verletzungen zuziehen kann. Zudem ist diese Art des Handlings für die Tiere schon aufgrund ihres Gewichts sehr schmerzhaft.
Anfangs sollte man, wenn die Ratten nicht von vorne herein zahm sind, Geduld und Zeit mitbringen, um sie zu zähmen. Dafür setzt man sich am besten vor den Käfig und hält kleine Leckereien (es bieten sich gut Obstbabybrei, Naturjoghurt oder ähnliches an) bereit, die die Ratten lieben, aber nicht wegtragen können und so sanft gezwungen werden, die Gegenwart des Menschen zu suchen, um an die Leckerbissen zu kommen.
Um scheue Tiere einzufangen, nutzt man am besten Röhren oder Häuschen mit Boden. Mit den Händen greifen Sie Ratten am besten von der Seite, indem sie unter den Bauch fassen, sie hochheben und dann sofort die Hinterbeine mit der anderen Hand abstützen. Von oben auf die Ratte zu greifen, sollte vermieden werden, da das Tier dann einen Fressfeind vermutet und unter Stress gerät. Üben Sie auch bei scheuen Tieren regelmäßiges Anfassen, wenn möglich: Nehmen Sie die Ratte immer mal wieder kurz hoch und setzten sie sie nach 1 bis 2 Sekunden wieder ab, damit sie merkt, es passiert ihr nichts dabei. Viele Ratten verlieren auf diese Weise ihre Scheu ganz.
Dieses Training ist spätestens beim Tierarztbesuch wichtig, um das Herausfangen aus dem Käfig und umsetzen in die Transportbox möglichst stressfrei zu gestalten. Außerdem empfiehlt es sich immer, 1 bis 2 Rudelmitglieder quasi als moralische Unterstützung mit zum Tierarzt zu nehmen.
Beim Tierarzt wie auch allgemein bei durch schlechte Erfahrungen bissigen Tieren leisten gefütterte, dicke Spaltlederhandschuhe (z.B. Schweißerhandschuhe) gut Dienste, da sie zu den wenigen Handschuhen gehören, durch die Ratten mit ihrem kräftigen Gebiß nicht durch kommen.


Sozialstruktur und Verhalten

Farbratten sind sehr gesellige Tiere, die Sie auf gar keinen Fall einzeln halten dürfen! Entgegen hartnäckigen Gerüchten werden einzeln gehaltene Tiere nicht schneller zahm als Gruppen. Scheinbare Zahmheit von Einzeltieren ist nichts anderes als Einsamkeit und Verzweiflung: Der Mensch ist das einzig verfügbare Lebewesen und darum fixieren sie sich auf ihn. Diese Verhaltensstörung wird dann fälschlicherweise als Zahmheit interpretiert. Die Tiere sind einzeln jedoch niemals glücklich, denn kein menschliches Wesen kann Artgenossen auch nur ansatzweise ersetzen. Ein Teil der in Einzelhaft gehaltenen Tiere wird krank, trägt psychische Schädigungen davon, zeigt Verhaltensstörungen oder stirbt gar vor Einsamkeit.
Farbratten brauchen ihre Artgenossen zum Spielen, Rangeln, gegenseitigem Putzen, Kuscheln, um sich sicher zu fühlen und auch zum Kommunizieren im Ultraschallbereich. Daher sollten Sie mindestens 3 gleichgeschlechtliche Ratten oder Weibchen mit Kastraten halten. Zwei Tiere sind natürlich besser als ein Einzeltier, aber dennoch ist das eine Art Zwangsehe, in der sich keine richtige Rangordnung etablieren kann und es oft zu Streitereien kommt. Ein richtiges Rudel beginnt erst ab 3 Tieren. Reicht das Platzangebot aus und harmonieren die Tiere miteinander, kann ein Rudel viele Tiere umfassen; am stabilsten scheinen allerdings Rudel zwischen 4 und 6 Tieren zu sein. Halten Sie reine Weibchengruppen, steigt mit der Zahl der Tiere die Gefahr von Zickenterror. Kastraten können manchmal als Ruhepol unter Weibchen fungieren; in manchen Fällen müssen sie aber auch als Prügelknaben der Weibchen herhalten.
Rudel aus Rattenböcken lassen sich fast ebenso problemlos halten. Lediglich Integrationen können hier etwas langwieriger sein durch Dominanzgehabe und mit manchen Böcken gehen die Hormone durch, was zu aggressivem Verhalten führt und dann doch gegebenenfalls eine Kastration erforderlich macht.
Die Haltung gemischter Gruppen mit unkastrierten Böcken verbietet sich aufgrund der enormen Nachkommenflut von selbst. Im schlimmsten Fall können aus 2 Tieren in 3 Monaten knapp 100 werden. Dies überfordert jeden Halter! Zudem können die Tiere versteckte, nicht bekannte Gendefekte tragen, die oft schlimme Folgen für den Nachwuchs haben.
Jede Gruppe kennzeichnet ihr Revier mit Urinmarkierungen. Daher riechen Ratten nach dem Umzug in ein neues Heim durch vermehrtes Markieren intensiver als Tiere, die schon länger an einem Ort wohnen. Versuchen Sie diesen Geruch wegzuputzen, schrubben Käfig und Inventar übermäßig oder versuchen gar dem Rudelgeruch mit Duftmitteln beizukommen, markieren die Tiere so intensiv nach, dass sie deutlich mehr riechen, als würden Sie Käfig und Inventar nur mit klarem Wasser abspülen. Man sollte also das richtige Maß zwischen angemessener Sauberkeit und nicht zu viel Putzen finden. Meist reicht eine gründliche Käfigreinigung 1x pro Woche, wobei das natürlich von der Rudelgröße abhängt.


Verschiedene Verhaltensweisen

Ratten haben eine ausgeprägte Rangordnung, welche sie mit diversen Ritualen festlegen und festigen. Ranghöhere Ratten besteigen rangniederere Rudelmitglieder (was aussieht wie bei der Paarung, was aber, wenn man sich gleicher Geschlechter sicher ist, nicht besorgniserregend ist) oder fordern sie auf, sich vor ihnen auf den Rücken zu drehen. Die Bindung der Mitglieder untereinander etwa wird durch die gegenseitige Körperpflege gestärkt.
Schwanzschlagen hat im Wesentlichen zwei Bedeutungen: Es ist eine Drohung oder Anzeichen starker Erregung (und daher häufig auch bei Integrationen zu beobachten).
Dem Menschen gegenüber zeigen sie einige Verhaltensweisen, die sich recht gut deuten lassen: Weicht die Ratte vor der menschlichen Hand zurück oder verharrt ruhig mit zusammengekniffenen Augen, ist sie unsicher und hat Angst. In diesem Fall sollte man die Hand dem Tier einfach ganz ruhig hinhalten. Generell gilt es für scheuere Tiere, ruckartige und zu schnelle Bewegungen zu vermeiden.
Neugierige Ratten, die ihre Umgebung beobachten, tun dies mit aufgerichteten Ohren, indem sie Männchen machen und neugierig schnüffeln.
Putzt sich die Ratte ausgiebig in der Gegenwart des Menschen, ohne ihn zu beachten, fühlt sich das Tier sicher und ist gelassen. Wiederholtes, kurzes Putzen dagegen ist eine so genannte Übersprungshandlung und ein Anzeichen von Nervosität, Unsicherheit und Angst.
Wird die Ratte beim Streicheln unruhig, will weglaufen oder zwickt ihren Menschen in den Finger, hat sie genug vom Kuscheln und möchte eine Ruhepause.
Zähneknirschen kann verschiedene Bedeutungen haben. Es ist immer Ausdruck sehr starker Empfindungen und muss im Kontext zur Situation gedeutet werden. Abhängig davon kann es größtes Wohlbefinden, größte Angst oder größten Schmerz zum Ausdruck bringen.


Haltung

Die Mindestgröße für 2 Ratten beträgt 100x50x80cm (obwohl mindestens 3 Tiere die bessere Alternative sind). Dies ist allerdings wirklich nur das Mindestmaß und mehr Platz, sowohl in der Länge, als auch in der Höhe, werden die Tiere immer danken. Größere Rudel benötigen natürlich größere Käfige. Wie viele Tiere in einem Käfig untergebracht werden können, kann mit dem CageCalc errechnet werden.
Um Farbratten unterzubringen gibt es sehr vielfältige Möglichkeiten: Gitterkäfige in ausreichender Größe, Selbstbauten aus Schränken, Volieren und der Uni-Dom eignen sich recht gut als Farbrattenbehausung. Aquarien und Terrarien sind für die Haltung von Ratten ungeeignet. Sie sind für die empfindlichen Atemwegen durch den schlechten Luftaustausch auf Dauer gesundheitsschädlich und die rattengerechte Einrichtung mit mehreren Etagen und Klettermöglichkeiten ist kaum oder gar nicht möglich.
Die wichtigste Käfigeinrichtung sind mehrere Etagen aus Holz (mit mehreren Schichten von ungiftigem Acrylbuntlack auf Wasserbasis, Norm EN71.3, werden die Etagen urindicht gemacht - andernfalls stinken sie schnell), die es den Ratten durch Lauffläche ermöglichen, die Höhe des Käfigs vollständig zu nutzen. Etwa alle 30 bis 35 cm sollte eine Etage eingezogen werden, wobei aber nicht ausschließlich Volletagen, sondern auch teilweise kleinere Etagen zum Einsatz kommen sollten.
Als Etagenauflage eignen sich am besten dicke Lagen aus Zeitungen. Diese stauben nicht - im Gegensatz zu etlichen Streusorten - schonen so die empfindlichen Atemwege und sind außerdem die kostengünstigste Möglichkeit. Druckerschwärze ist heutzutage ungiftig, darum können Zeitungen bedenkenlos verwendet werden. Einstreu sollten Sie am besten nur in den Toiletten verwenden Es sollte auf jeden Fall staubarm sein. Sie können dafür normale Kleintierstreu, Hanf-, Leinen- oder ähnliche Streu verwenden. Farbratten können Sie auch ein Sandbad anbieten. Allerdings nutzen sie es weniger zum Baden als vielmehr als Toilette. Um das Fell nicht zu schädigen, sollte es mit Chinchillasand gefüllt werden und auf keinen Fall mit scharfkantigem Quarzsand oder Vogelsand, der Muschelstückchen enthält. Bei der Verwendung von Katzenstreu in den Toiletten sollten Sie darauf achten, dass es kein Klumpstreu ist, da es im Magen klumpen könnte, wenn es gefressen wird.
Als Nistmaterial können Sie Zeitungsschredder, unparfümierte Taschentücher, normale Küchentücher (keine reißfesten!) und anderes Material anbieten. Heu und Stroh können in geringen Mengen gegeben werden, aber es sollte wegen der Parasitengefahr vor der Verwendung mindestens 48 Stunden eingefroren werden.
Als Inventar für Farbratten eignet sich fast alles, was es aus Naturmaterialien gibt. Nagertunnel, Korkröhren, Äste und Wurzeln jeder Größe und Ausführung sind beliebtes und artgerechtes Inventar. Letztere sind dazu noch sehr günstig, wenn man sie selbst sucht. Wichtig ist dabei, keine bodennahen Äste zu verwenden und die Wurzeln richtig zu desinfizieren und mit heißem Wasser gut abzuschrubben.
Häuschen können aus verschiedensten Materialien wie etwa Holz, Ton und Keramik bestehen und in den verschiedensten Formen angeboten werden. Plastik sollte möglichst wenig im Rattenkäfig Verwendung finden. Die Eingänge sollten mindestens 10 bis 15 cm im Durchmesser sein, so dass kein Tier stecken bleiben kann. Heunester bieten einen fertigen Unterschlupf. Auch hier empfiehlt es sich, die Heunester vorher mindestens 48 Stunden einzufrieren.
Seile schulen Koordination und Muskulatur der Tiere. Sie können auch gut als Klettermöglichkeit zur nächsten Etage verwendet werden.
Auch Steine oder umgedrehte Fliesen können Sie in die Einrichtung integrieren. So sind Weinsteine, Dachziegeln, etc. eine schöne Ergänzung des Inventars. Selbst gesammelte Natursteine müssen gründlich desinfiziert werden. Steine helfen, wenn sie an günstigen Stellen wie etwa dem Weg zum Futternapf liegen, regelmäßig die Krallen der Ratten abzunutzen.
Schnell wieder zernagt, aber dafür kostenlos überall zu haben sind Pappröhren und Klorollen, über die sich die meisten Ratten freuen. Sie können Futter darin verstecken und sie an beiden Seiten mit Zeitungspapier verschließen. Dickere Papprollen, z. B. aus Teppichgeschäften, eignen sich ebenfalls als Käfigeinrichtung. Sehr beliebt bei Ratten sind Hängematten; hierfür kann man am kostengünstigsten alte Handtücher, Küchentücher oder zurechtgeschnittene Fleecedecken nehmen. Meist lohnt sich die Anschaffung von käuflichen Hängematten nicht, da sie ohnehin bald zernagt werden. Auch Kuschelröhren oder Kuschelhäuser aus Fleecestoff stehen bei Farbratten sehr hoch im Kurs und sind fast ständig von einigen Tieren besetzt.
Ebenfalls zum Inventar gehört eine Trinkflasche oder Wassernäpfe. Näpfe sollten so aufgestellt werden, dass sie nicht von Etagen geworfen oder schnell verunreinigt werden können. Auch ein Futternapf und eine Frischfutterschüssel sollten vorhanden sein.

Nicht in einen Rattenkäfig gehören Laufräder. Die Ratten müssen bei herkömmlichen Laufrädern die Rücken- und Schwanzwirbelsäule stark biegen, was dann zu dauerhaften Haltungsschäden führt. Rein rechnerisch müsste ein rattengerechtes Laufrad einen Durchmesser von 1 Meter haben, damit die Tiere darin laufen können ohne ihre Wirbelsäule zu verbiegen. So ein Rad ist im Handel nicht erhältlich und passt in keinen Käfig.

Das Haus sollten Ratten nur in einer gut verschlossenen und gegen Zugluft geschützten Transportbox verlassen, wenn z. B. der Gang zum Tierarzt ansteht. Auf keinen Fall dürfen Ratten einfach so draußen mit herum getragen werden, da sie dabei Atemwegserkrankungen bekommen können, sich Parasiten einfangen oder dem Halter weglaufen. Außerdem sind Ratten neophob, d. h. sie haben Angst vor neuer, unbekannter Umgebung, so dass das fremde Gebiet außerhalb ihres gewohnte Reviers für sie sehr viel Stress bedeutet. Fälschlicherweise wird dabei das hektische Schnüffeln der Ratten oft als Neugier interpretiert. Leider werden immer noch zu oft Ratten unüberlegt und fälschlicherweise mit nach draußen genommen. Wenn Weibchen entlaufen, kann es passieren, dass sie sich draußen mit wilden Böcken paaren. Nachdem sie dann von tierlieben Menschen wieder eingefangen werden, stellt sich dann häufig Nachwuchs ein. Wenn diese halbwilden Babys sehr früh, noch mit geschlossenen Augen, in die Hände von erfahrenen Menschen kommen, die wissen wie man sie zähmen muss, können sie sogar relativ zahm werden, aber zu oft wachsen sie in unerfahrenen Händen oder in Tierheimen auf. Die Ratten, die meist rein agoutifarbenes Fell haben (aber nicht zu verwechseln mit agoutifarbenen Farbratten), bleiben zeitlebens sehr scheu und dem Menschen gegenüber misstrauisch. Manchmal nehmen sie nicht einmal Futter aus der Hand an, was später eventuell zu einer nur eingeschränkten medizinischen Versorgung führen kann, da orale Medizingabe nicht möglich ist und selbst recht einfache Untersuchungen beim Tierarzt im Extremfall nur unter Narkose möglich sind. Etliche Tiere beißen auch aus instinktiver Angst vor dem Menschen.
So schön man ihnen das Leben in Menschenhand macht, so leben sie doch trotzdem immer ein Leben, das von den Instinkten ihres wilden Erbes geprägt ist und das von viel Angst und Misstrauen und damit Stress bestimmt wird. Weder die Ratten haben es mit dem Halter leicht, noch der Halter mit solchen Ratten. Manche Tiere sitzen darum ihr Leben lang in Tierheimen, weil sich keine Menschen finden, die sich diese schwierigen Ratten zutrauen - obwohl ich versichern kann, dass sie, wenn man es wagt sie aufzunehmen, mit ihnen Leben zu lernen und sich auf sie einzulassen, das Leben auf ganz besondere Weise bereichern können.
Auch das Risiko halbwilder Rattenbabys sollte also ein sehr guter Grund sein, Farbratten nicht einfach nach draußen mitzunehmen!


Ernährung

Farbratten haben einen sehr schnellen Stoffwechsel. Deshalb brauchen sie im Vergleich zum Körpergewicht deutlich mehr Nahrung als ein Mensch. Das Grundfutter der Farbratten sollte aus einer Körnermischung bestehen (Mischung 1, Mischung 2).
Für eine möglichst natürliche Ernährung kann man das Trockenfutter selbst mischen, da käufliche Fertigfutter neben stark verarbeiteten gepoppten Zutaten auch künstliche Vitamin- und Mineralstoffzusätze enthalten sowie Zutaten, deren Inhaltsstoffe von den Herstellern nicht klar deklariert sind.
Neben verschiedenen Getreidesorten kann die Mischung zusätzlich getrocknetes Gemüse und in kleinen Anteilen auch Ölsaaten und Nüsse enthalten. In sehr kleinen Mengen können auch getrocknete Kräuter zugesetzt werden; diese enthalten allerdings sehr viele Mineralstoffe und können daneben auch Wirkungen als Heilpflanzen haben. Sie sollten daher nur sehr vorsichtig verwendet werden.
Neben dem Futter, das Sie in einen Napf geben, können Sie die Ratten ihr Futter auch erarbeiten lassen, indem Sie das Trockenfutter im Käfig verstreuen. Wichtig ist hierfür, dass die Ratten im Käfig hauptsächlich ihre Toiletten benutzen, da sonst Futter zwischen Kötteln liegt, was nicht sehr hygienisch ist. Auch natürliche, ungezuckerte Futtermittel wie z. B. Kolbenhirse können angeboten werden; v. a. jüngere Ratten nehmen das sehr gerne an.
Eine reine Körnermischung kann auf keinen Fall den Vitaminbedarf decken. Darum wird, wenn man sein Trockenfutter selbst mischt, das tägliche Frischfutter, das ohnehin in der Rattenernährung täglich gegeben werden sollte, absolut essentiell. Bei Frischfutter gilt immer, mehr Gemüse und sonstiges Grün als Obst zu füttern, da Obst sehr viel Zucker enthält und darum leicht dick macht (eine ausführliche Futterliste finden Sie auf dieser Seite). Auch Keimlinge können als guter Vitaminlieferant angeboten werden. Nicht verfüttern sollten Sie die meisten Kohlarten, da sie stark blähen, rohe Kartoffeln samt Kraut, Papaya, Avocado (hochgiftig!) sowie Zimmerpflanzen.
Auch indem das Frischfutter aus Obst und Gemüse auf Futterspießen angeboten wird, können Sie die Nager beim Nahrungserwerb beschäftigen. Für die Tiere auch sehr spannend sind ausgesäte Mischungen aus Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, und anderen Körnern. Entweder Sie geben nur die angekeimten Körner oder lassen die Pflanzen einige Zentimeter hoch wachsen.
Farbratten sind von Natur aus Omnivoren, d. h. sie fressen in der Natur nicht nur pflanzliche, sondern auch einen Anteil tierischer Nahrung. Wichtig ist tierische Nahrung vor allem, um die essentiellen Aminosäuren Methionin und Lysin abzudecken, die in Proteinen tierischen Ursprungs häufiger vertreten sind als in pflanzlichen Proteinen. Außerdem ist Vitamin B12 nur in tierischen Nahrungsmitteln zu finden.
Je nach Trockenfuttermischung besteht diese Ergänzung aus Hühnerei, etwas Fisch, Hackfleisch, Hühnerherzen oder mildem Käse. Auch die Fütterung von Gammarus oder Insekten sind eine Möglichkeit.
Mit Leckerli sollte man sparsam umgehen, da sie meist zu den Dickmachern zählen. Das können sein: Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Erdnüsse oder auch selbstgebackene Leckerlis (in diversen Rattenforen wie www.ratteneck.eu oder www.rattenforum.de können Sie Rezepte für rattengerechte, selbstgemachte Leckerlis finden). Wenn man käufliche Leckerlis wie etwa Drops verwenden möchte, dann sollte man unbedingt darauf achten, das sie zuckerfrei sind. Viele industriell hergestellten Knabberstangen, Kräcker und Biskuits enthalten leider viel Zucker, Honig oder Fett und sind daher nicht zu empfehlen.


Fortpflanzung

Das Überleben ihrer Art sichern Farbratten mit vielen Nachkommen. Das ist bei der wilden Wanderratten genauso wie bei Farbratten als Haustieren. So kann ein Weibchen nach 21 Tagen Tragzeit bis zu 20 Junge gebären. Das Weibchen ist innerhalb von spätestens 12 Stunden nach der Geburt wieder empfängnisbereit, so dass der nächste Wurf schon nach 3 Wochen zur Welt kommen kann.
Da sich Farbratten auch noch unter ungünstigsten Bedingungen vermehren, ist bei ihnen Vermehrung kein Indikator dafür, dass sich die Tiere wohl fühlen.
Rattenbabys öffnen nach ca. 14 Tagen ihre Augen und erkunden ihre Umgebung. Sie werden jedoch noch bis zum Ende der 3. Woche weiter gesäugt. Auch wenn sie danach unabhängig von der Muttermilch sind, sollten Sie die Babys noch länger bei der Mutter belassen, da sie noch wichtiges Sozialverhalten von ihr lernen müssen. Mit 32 bis 35 Tagen sollten die männlichen Babys von Mutter und Schwestern getrennt werden, da sie mit 5 Wochen zeugungsfähig werden. Die jungen Weibchen sind mit 5-6 Wochen empfängnisbereit. Die so genannte Zuchtreife tritt mit 10 bis 14 Wochen ein. Werden Weibchen früher gedeckt, ist dies sowohl für die Mutter als auch für den Nachwuchs von Nachteil. So kann die Mutter Probleme bei der Geburt bekommen. Es können zu kleine, kranke oder gar tote Babys geboren werden oder die Mutter frisst die Babys nach der Geburt.
Farbratten werden durchschnittlich 2 bis 3 Jahre alt, selten älter.

Entwicklung der Jungen

  • 1-2 Tage die Jungen sind nackt und blind
  • 2-4 Tage die Fellzeichnung wird erkennbar
  • 3-5 Tage die Ohren öffnen sich
  • 13-14 Tage die Augen öffnen sich
  • 3 Wochen die Ratten beginnen feste Nahrung zu fressen, werden aber weiterhin gesäugt

Die Geschlechtsbestimmung ist bei Ratten im Vergleich zu anderen Tierarten sehr einfach: Die Männchen (Böcke genannt) tragen ihre Hoden sehr auffällig unter der Schwanzwurzel. Außerdem finden sich bei Männchen nur zwei „Löcher“ (Penis und After), wohingegen sich bei Weibchen drei „Löcher“ (Harnröhrenöffnung, Vagina, After); außerdem haben die Weibchen zwei Reihen Zitzen am Bauch.


Krankheiten

Ratten sind für Krankheiten recht leicht anfällig. Mancherorts kursiert noch das Gerücht, dass sei so weil die Ratten von Labortieren abstammen. Das stimmt allerdings nicht: Unsere als Haustiere gehaltenen Ratten stammen von Tieren ab, die erstmals in England im 18. Jahrhundert für Hundekämpfe gefangen und dann weitergezüchtet wurden.
Erst später wurden dann Ratten - eben wegen ihrer natürlichen Anfälligkeit für etliche Krankheiten wie auch Tumore - für die Forschung interessant. Wilde Wanderratten erkranken genauso häufig an diversen Krankheiten. Darum und wegen vieler Fressfeinde vollenden die meisten wilden Wanderratten draußen nicht einmal das erste Lebensjahr.
Am häufigsten treten wohl Atemwegserkrankungen auf. Behandelt werden müssen die Tiere im Falle von Symptomen meist mit Antibiotika. Generell sind die Lungen der Tiere sehr empfindlich, so dass die Tiere auch zu Erkältungen und Lungenentzündungen neigen. Bei Symptomen sollte schnell eine Behandlung erfolgen, da es einen harmlosen Schnupfen wie bei uns Menschen bei Nagern nicht gibt; es kann bei ihnen immer sehr schnell ernst werden. Ein sauberer, warmer, trockener und zugfreier Käfig ist hier die beste Vorbeugung. Wichtig ist auch eine konstante Raumtemperatur von 19-23°C und 40-70% Luftfeuchtigkeit.
Neben der Anfälligkeit der Lunge sind bei Ratten vor allem Tumore als Erkrankung von Bedeutung. Längst nicht alle Tumore sind bösartig, v. a. die bei Weibchen häufigen Mammatumore entlang der Milchleiste sind überwiegend gutartig. Öfter handelt es sich auch um Lipome, Geschwülste des Fettgewebes. Das Wachstumstempo der Tumore ist höchst unterschiedlich. So kann auch ein Tier mit einem Tumor noch sehr lange leben, bevor der Tumor so belastend wird, dass deswegen eingeschläfert werden muss. Tumore können mitunter auch operiert werden. Vor allem solange sie noch klein sind, sind die Chancen gut, dass die OP positiv und mit wenig Belastung für die Ratte verläuft. Letztlich muss der Tierarzt entscheiden, ob der Eingriff Aussicht auf Erfolg und damit eine deutliche Lebensverlängerung für das Tier hat.
Neben diesen recht häufigen Krankheiten sind aber auch sehr viele seltenere Krankheiten bei Ratten denkbar. Als Wirbel- und Säugetiere sind sie von uns Menschen gar nicht so verschieden, so dass auch Epilepsie, Schilddrüsenfehlfunktionen, Knochenbrüche und weitere Krankheiten auftreten können.
Für veterinärmedizinische Notfälle sollten Sie eine Finanzreserve von mindestens 100 bis 200 Euro anlegen, je nach Rudelgröße.


Vergesellschaftung

Einander fremde Ratten dürfen auf gar keinen Fall einfach so zusammen in einen Käfig „gestopft“ werden. Selbst Geschwister, die sich ein paar Wochen nicht gesehen haben, kann man nicht einfach so zusammensetzen. Es muss eine richtige Integration durchgeführt werden. Die Ausnahme sind Jungtiere, jünger als ca. 10 Wochen.
Junge Ratten entwickeln ihr vollständiges Revierverhalten erst mit ca. 10 Wochen. Nur wenn alle Ratten, die vergesellschaftet werden sollen, jünger als ca. 10 Wochen sind, können sie, nach einen kurzen Probetreffen auf neutralem Boden, gleich zusammen in einen gründlich gereinigten Käfig ziehen.
Wenn auch nur eine der teilnehmenden Ratten älter als ca. 10 Wochen ist, muss unbedingt eine Integration durchführt werden, ansonsten kann es zu Revierkämpfen kommen, die blutig und im schlimmsten Fall tödlich enden können.
Für eine Integration gibt es kein Patentrezept - sie ist so individuell wie es die einzelnen Ratten sind - aber es gibt einige Grundregeln und Tipps.
Zu Beginn muss der Standort des zweiten Käfigs/Integrationskäfigs gewählt werden. Die beiden Käfige kann man in einen Raum (nebeneinander) stellen oder aber in zwei verschiedene Räume.
Viele Ratten sind absolut verträglich und haben keine Probleme damit, wenn fremde Ratten im Nachbarkäfig sind oder mit im selben Raum stehen, aber es kann auch vorkommen, dass Aggressionen entstehen. Die Ratten riechen sich gegenseitig, können aber nicht zueinander gelangen und das könnte dazu führen, dass sich Aggressionen anstauen, die sich dann beim direkten Treffen entladen.
Da man vor der Integration nicht weiß, wie die eigenen oder die neuen Ratten auf den Geruch der anderen reagieren werden, ist man im Zweifel auf der sicheren Seite, wenn man die Käfige in getrennte Zimmer stellt oder zumindest im selben Raum einige Meter entfernt voneinander.
Vor der Integration kann gegebenenfalls der Austausch von bepieselter Eintreu oder das Tauschen von Einrichtungsgegenständen erfolgen. Aber hierfür gilt dasselbe wie für das Nebeneinanderstellen der Käfige. Da der Geruch der Fremden plötzlich im eigenen Käfig ist, kann auch das eventuell zu Aggressionen bei späteren Treffen führen.
Ob man also zwischen den beiden Käfigen Dinge austauscht, muss man sich gut überlegen bzw. die Reaktion der Ratten genau im Auge behalten.

Eine Integration besteht grundsätzlich aus 3 Schritten.
1. Schritt:
Tägliche Treffen auf neutralem Boden, wo noch keine der beteiligten Ratten vorher war - diese von wenigen Minuten täglich steigern bis man sie mehrere Stunden (!) zusammen lassen kann und alles friedlich bleibt. Das kann mindestens 1 Woche, je nachdem auch deutlich länger dauern. \\ 2. Schritt:
Tägliche Treffen im normalen Auslaufbereich der bisherigen Ratten - auch hier erst eher kurze Treffen und so lange täglich steigern, bis sie sich mehrere Stunden (!) friedlich verstehen. Auch das wird mindestens 1 Woche dauern, eventuell auch länger.
3. Schritt:
Den Käfig sehr gründlich reinigen, eventuell Gegenstände umstellen und dann alle Ratten zusammen einziehen lassen. Natürlich müssen Sie alle die folgenden Stunden und Tage sehr genau beobachten.

Sehr sinnvoll wäre es, wenn man bei den Treffen dicke Handschuhe, etwas zusammengerollte Zeitung oder eine Blumenspritze dabei hat. Denn wenn es zu heftig werden sollte, müssen die Parteien sofort getrennt werden und im Eifer des Gefechts unterscheiden die Ratten nicht zwischen dem Gegner und einem Finger.

Verhaltensweisen bei einer Integration:
Aufgestellte Haare (borsteln) und fauchen sind normale Drohgesten. Gegenseitiges Besteigen oder Drehen auf den Rücken sind Dominanz- und Unterwerfungsgesten, die die Festlegung der Rangordnung dienen.
Wichtig: Es darf kein Blut fließen!
Bei einer Integration besteht ständige Anwesenheitspflicht! Die Ratten müssen die ganze Zeit über gut im Auge behalten werden, denn sie können schnell sein, vor allem mit ihren Zähnen. Geduld und Zeit sind besonders wichtig. Immer die Ratten bestimmen den Verlauf und die Geschwindigkeit der Integration!
Sollte eine Integration nicht sauber abgeschlossen werden, kann es sogar nach Wochen und Monaten zu blutigen Kämpfen kommen.
In einigen Fällen kann es vorkommen, dass es Ratten gibt, die nicht integrierbar sind. Sollte eine einzelne Ratte wegen ihrer Aggressivität trotz mehrfacher, ausführlicher Versuche nicht zu einem Rudel integrieren lassen, bleibt als letzter Schritt bei den Böcken noch die Kastration, die helfen kann, auch wenn so ein operativer Eingriff immer ein großes Risiko darstellt. Man muss, wie bei jeder OP, mit Risiken rechnen; im schlimmsten Fall mit dem Tod der Ratte.


Anschaffung

Sollten Sie sich nach der Lektüre des Textes für Farbratten entschieden haben, gibt es mehrere Möglichkeiten, die Tiere zu bekommen.
Aufgrund der immensen Vermehrungsrate muss man bei der Anschaffung immer sichergestellt werden, dass Sie gleichgeschlechtliche Tiere aufnehmen, vor allem aus nicht fachkundigen Quellen (z.B. Zoohandlung). Wer ganz sicher gehen will, wendet sich auf der Suche nach seinen neuen Mitbewohnern an ein Tierheim oder einen guten Notfallvermittler, da man dort viel Übung mit dem Erkennen und Trennen der Geschlechter hat. Im Zweifel sollte man sofort einen rattenerfahrenen Tierarzt aufsuchen und das Geschlecht der Tiere nachkontrollieren lassen.
Farbratten gibt es sehr oft im Tierschutz. Deshalb sollte Ihr erster Weg Sie zum örtlichen Tierheim oder im Internet zu einer entsprechenden Tierschutzorganisation bzw. einem tierschutzorienterten Rattenforum mit Vermittlungsbereich wie www.ratteneck.eu oder www.rattenforum.de führen. Private Nothilfen wissen oft, wo Tiere dringend auf ein Zuhause warten, wenn Sie in Ihrem Tierheim nicht fündig werden. Transporte, auch über längere Strecken, können oft organisiert werden. Es ist also auch möglich, Tiere aus entfernteren Nothilfen oder Tierheimen aufzunehmen, wenn in der Nähe keine passenden Ratten sitzen.
Auch wenn Sie eine bestimmte, eher seltene Farbe suchen, können Sie durchaus im Tierschutz fündig werden. Die Zucht von Ratten sollte man in meinen Augen nicht unterstützen: Es gibt eben so viele Ratten, die bereits ein zu Hause suchen. Außerdem sind viele, die sich als Züchter bezeichnen, bloße Vermehrer, die nicht die erforderlichen Kenntnisse in Genetik besitzen, um wirkliche Gesundheit der Tiere zu garantieren, sondern Ratten mit besonders schönen Farben einfach zusammensetzen und verpaaren, um wiederum Babys mit außergewöhnlichen Fellfarben zu erhalten. Bei der Wahl der Ratten sollte aber der Charakter eine viel wichtigere Rolle spielen als die Fellfarbe. Tiere vom Züchter sind keinesfalls immer zahmer oder gesünder als Tiere aus Notfällen.
Von Tieren aus der Zoohandlung sollten Sie in jedem Fall Abstand nehmen. Das Risiko, kranke, mit Parasiten behaftete, zu junge oder schwangere Tiere zu erwerben ist enorm groß. Auch können die Händler oft die Geschlechter nicht sicher unterscheiden, so dass Sie Gefahr laufen, wider Willen ein Pärchen zu erwerben und gleich mit einem Haufen Babys dazustehen.
Die Anschaffungskosten für Farbratten schwanken sehr stark - je nachdem, ob Sie sich für einen Gitterkäfig, einen Selbstbau oder einen Uni-Dom entscheiden. Käfige in rattengerechter Größe findet man zwar im Zoohandel beinahe gar nicht, aber im Internet lassen sich oft günstig gebraucht wie auch neu rattengerechte Käfige erwerben. Ein neuer Gitterkäfig kann zwischen 40€ und 400€ kosten, ein Uni-Dom liegt im Bereich von 200€ bis über 600€. Schrankumbauten können recht günstig sein, je nachdem für welchen Schrank als Grundlage man sich entscheidet und wie man ihn ausbaut. An Käfiginventar lässt sich neben spezieller Ratteneinrichtung auch vieles aus dem Haushalt oder vom Flohmarkt für Ratten zweckentfremden und auch hier finden Sie z. B. in Rattenforen gebraucht viele Dinge, die andere nicht mehr benötigen. Der Unterhalt richtet sich dann stark nach der Gruppengröße, dem verwendeten Streu in den Toiletten und der Gehegegröße/-art. Er kann deshalb auch zwischen 20 und 50 Euro schwanken.
Immer wichtig: Die Hauptkosten bei der Rattenhaltung machen die Tierarztkosten aus, die bei einer größeren OP durchaus im dreistelligen Bereich liegen können. Legen Sie sich am besten eine Tierarztkasse an, in die sie monatlich 10€ pro Ratte einzahlen. So haben Sie im Ernstfall eine Reserve.


Artengesellschaft

Farbratten sollten nicht mit anderen im Haushalt lebenden Tieren in direkten Kontakt kommen. Kleinere Nagetiere oder Vögel werden von den Ratten als Beutetiere betrachtet und es wurden schon einige Fälle bekannt, in denen Ratten andere Haustiere wie Mäuse oder Hamster getötet haben oder Vögel, die beim Freiflug auf dem Rattenkäfig landeten, schwer verletzt oder getötet haben. Dieses Verhalten ist allerdings für omnivore Tiere wie Ratten, die auch in freier Wildbahn gelegentlich Kleintiere jagen, völlig normal. Mit ähnlich großen Tieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen kann es zu Kämpfen und schweren Verletzungen durch Krallen und Zähne kommen.
Haustiere wie Katzen oder Hunde, für die Ratten ins Beuteschema fallen, können wiederum die Ratten schwer verletzen oder töten. Die Ratten ihrerseits können mit ihren scharfen Zähnen in empfindliche Körperteile wie die Nase beißen. Selbst ein noch so lieber und scheinbar berechenbarer Hund kann unerwartet einmal zuschnappen oder im Spiel der Ratte einen Hieb mit der Pfote versetzen, der dann leicht zu (tödlichen) Verletzungen führt. Darum sollte man das Risiko nicht eingehen, dass Ratten mit anderen Tierarten Kontakt haben.
Im gleichen Käfig sollte man daher auf gar keinen Fall eine zweite Art mit Ratten zusammen halten. Aus Ernährungsgründen und den allgemeinen Haltungsbedürfnissen kann man sonst keiner der beiden Arten gerecht werden. Zudem ist das Risiko, dass Ratten gerade kleinere Tiere oder weniger aggressive Arten verletzen oder gar töten einfach zu groß.


Weitere Informationen

Sie haben noch Fragen, die dieser Steckbrief noch nicht beantwortet hat? Dann können Sie diese ganz einfach in unserem Forum stellen!





Text:
Tanja Maier

 
arten/farbratte.txt · Zuletzt geändert: 01.11.2011 10:13 von angelus     Nach oben
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