Dschungarischer Zwerghamster

Systematik und Biologie

Ordnung:Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung:Mäuseartige (Myomorpha)
Familie:Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
Gattung:Kurzschwanz-Zwerghamster (Phodopus)
Art:Dschungarischer Zwerghamster (Phodopus sungorus)

Der Dschungarische Zwerghamster ist extrem eng mit dem Campbell-Zwerghamster verwandt. Daher ordnet ihn die Wissenschaft als eigenständige Art innerhalb der Artengruppe Phodopus sungorus ein. Einige Wissenschaftler sehen den Campbell-Zwerghamster aber auch als eine Unterart des Dschungarischen Zwerghamsters.
In Haustierhaltung haben sich Dschungarische Zwerghamster stark mit Cambell-Zwerghamstern vermischt, so dass sich kaum noch sagen lässt, ob ein Dschungare wirklich reinrassig ist.


Wildtier Dschungarischer Zwerghamster

Dschungarische Zwerghamster leben hauptsächlich im Nordosten Kasachstans und im Südwesten Sibiriens. Ebenfalls zu finden sind sie in der chakassischen und minussinsker Steppe entlang des Flusses Jenissei. Diese beiden Verbreitungsgebiete sind jedoch räumlich voneinander getrennt, genauso wie von den Verbreitungsgebieten des Campbell- und des Roborowski-Zwerghamsters, so dass es in der freien Wildbahn nicht zu Hybriden kommen kann.
In seinen Heimatgebieten bewohnt der Dschungarische Zwerghamster relativ karge Steppen, Wiesen und lichte Birkenwäldchen. In der Nähe des Menschen ist er auf Getreide- und Luzernefeldern, aber auch auf kleinen Äckern inmitten der Wälder um Minussinsk.
Dschungarische Zwerghamster graben eigene Baue, die je nach Region und dem dort vorherrschenden Klima unterschiedlich in Form und Tiefe angelegt sind. Grundsätzlich besteht der Bau aus mehreren Gängen, einer Nestkammer und Vorratskammern. Findet der Hamster geeignete Baue vor, nutzt er auch verlassene Höhlensysteme anderer Tiere wie etwa des teilweise im gleichen Verbreitungsgebiet vorkommenden Murmeltiers.
Wilde Dschungaren ernähren sich hauptsächlich von Wildsaaten, vor allem von verschiedenen Grassamen. In Menschennähe plündern sie zur Erntezeit aber auch gern mal das Getreide. Grünes Pflanzenmaterial in Form von frischen Gräsern und Kräutern wird ebenfalls, aber in deutlich geringerem Umfang gefressen. Auch Insekten bilden eher eine kleine Ergänzung, wobei viele Tiere eine Präferenz für Heuschrecken zeigen.
Insgesamt variiert die Nahrungszusammensetzung der wilden Hamster im Jahresverlauf stark. Werden im Sommer am meisten komplexe Kohlehydrate und am wenigsten Proteine aufgenommen. Im Winter nimmt der Anteil von Fetten in der Nahrung ab, während der Eiweißanteil steigt.
Die meisten wilden Dschungaren bewegen sich zwar allein in ihrem Revier, versammeln sich jedoch nicht selten zum Schlafen auch in größeren Gemeinschaften. Paare leben mitunter auch dauerhaft zusammen.
Trotzdem vermehren sich die wilden Hamster nicht das ganze Jahr hindurch sondern machen im Winter eine Pause.
Für den Winter wechseln etwa 90% aller Dschungarischen Zwerghamster in ein (fast) weißes Winterfell. Der Fellwechsel wird von der Dauer des Tageslichts angeregt und beginnt im Oktober oder November und ist im Dezember abgeschlossen. Ins Sommerfell wechseln die Tiere dann von Januar oder Februar bis in den März oder Anfang April hinein.
Zu den Freßfeinden des Dschungarischen Zwerghamsters gehört unter anderem das Mauswiesel, das sie durch seine geringe Größe problemlos in ihren Bauen aufstöbern kann. In seiner natürlichen Umgebung ist diese Hamsterart nicht im Bestand gefährdet.
Für den Menschen hat dieser Zwerghamster vor allem als Labor- und Heimtier eine Bedeutung.


Anatomie und Erscheinung

Dschungarische Zwerghamster werden dem „Zwerg“ im Namen vollkommen gerecht und haben eine Körperlänge von 7 bis 10 cm. Dazu kommt der kleine 0,5 bis 1,5cm lange Schwanz. Natürlicherweise erreichen Dschungaren ein Gewicht von 19 bis 45 g, wobei die Weibchen im Schnitt leichter sind als die Männchen. In menschlicher Obhut wiegen die Tiere durch die gleichmäßige und (oft zu) reichliche Nahrungszufuhr aber auch bis zu 60 g und mehr. Während das Körpergewicht wilder Dschungaren im Jahresrhythmus durch das wechselnde Nahrungsangebot stark schwankt, ist es bei den Haustieren recht stabil. Starke Gewichtsveränderungen in kurzer Zeit können bei ihnen auf eine Erkrankung hindeuten.
Wildfarbene Zwerghamster (= agouti) haben ein aschraues bis dunkelbraunes, sehr dichtes Fell auf der Körperoberseite, über die ein schwarzbrauner Aalstrich läuft. Dieses dunklere Fell wird vom hellgrauen bis weißlichen Fell der Unterseite durch die sogenannte Dreibogenlinie getrennt, die an den Körperseiten verläuft. Auch die Fußsohlen sind von einem recht dichten, weißlichen Fell überzogen
Die agoutifarbenen Tiere können im Winter zu einem teilweise oder vollständig weißen Fell wechseln. Da der Fellwechsel vom Licht und nicht von der Temperatur abhängig ist, wechseln auch Haustiere ins Winterfell, allerdings beginnen sie später mit dem Wechsel und wechseln eher ins Sommerfell zurück.
Neben den agoutifarbenen Tieren gibt es noch die Farben „Winterweiß“, „Saphir“ oder „Blau“ und „Perlmutt“ oder „Pearl“.
Die verhältnismäßig großen, schwarzen Augen weisen diesen Zwerghamster als nachtaktiv aus.


Der Dschungarische Zwerghamster als Haustier

Eignung

Dschungare putzt sich im Auslauf

Dschungarische Zwerghamster sind aufmerksame Tiere, die meist recht schnell futter- und handzahm werden. Den Ansprüchen der Tiere an ihre Umgebung können Sie recht einfach gerecht werden, da das Gehege keine ausgefallene Größe und Inventarien braucht.
Dennoch ist die Haltung dieser Zwerghamster nicht ganz einfach durch ihr ihr indifferentes Sozialverhalten, durch das sich immer die Frage stellt: „Wird das Tier in Einzelhaltung glücklich oder nicht?“ Dass es hier stark widerstreitende Überzeugungen gibt, wird das Kapitel „Sozialstruktur und Verhalten“ noch näher beleuchten. Will man also einen wirklich glücklichen Hamster, kann die Entscheidung „Duo, Gruppe oder allein“ zu einer echten Herausforderung werden!
Für Kinder sind sie nicht geeignet, da sie zum einen nachtaktiv sind und zum anderen bei unvorsichtigem Handling leicht herunterfallen und sich schwer oder gar tödlich verletzen können.


Handhabung

Das Handling Dschungarischer Zwerghamster ist recht einfach, wenn man beachtet, dass die Tiere sich nicht an der Hand festhalten und deshalb sehr leicht runterfallen können. Am besten nimmt man zappelige Tiere in eine Hand und bedeckt diese mit der anderen. Zahme Tiere kann man auch einfach auf die offene Hand nehmen.
Ist ein Tier extrem scheu oder bissig – was eher selten vorkommt – empfiehlt es sich, zu einer Handlingbox zu greifen.
Beim Tierarzt können zahme Tiere genauso wie zu Hause in die Hand genommen und untersucht werden. Ist eine Fixierung des Tieres für eine Injektion oder Untersuchung vonnöten, kann man den Hamster ganz einfach im Nacken- oder Nacken-Rückengriff nehmen. Dabei ist zu beachten, dass die „Jacke“ bei Dschungaren sehr weit ist und die Falte entsprechend groß sein muß, damit sich das Tier nicht trotzdem im Fell noch weit drehen kann. Achten Sie außerdem darauf, dass die Augen beim Nackengriff nicht hervorquellen. Das sieht nicht nur bedenklich aus, es kann auch zu einer dauerhaften Vorverlagerung des Augapfels (sogenannter Bulbusprolaps) kommen. Läßt sich dieser nicht behandeln, verliert das Tier das Auge.
Wenn ein Hamster mal ausbricht, gibt es mehrere Möglichkeiten, ihn wieder einzufangen. Zahme Tiere lassen sich meist recht gut wieder per Hand aufsammeln. Flottere und weniger zahme Exemplare fangen Sie am besten mit einer Faunabox oder einer TripTrap-Falle.


Sozialstruktur und Verhalten

Die nachtaktiven Dschungarischen Zwerghamster sind recht ruhige, umgängliche und neugierige Gesellen, die sich recht leicht zähmen lassen, wenn man sich ihnen nicht aufdrängt und ihre Ruhezeiten respektiert.
Auch sind sie eher selten bissig. Beißt ein Hamster, lässt sich das meist auf vorangegangene schlechte Haltung, negative Erfahrungen oder auch aktuelle Haltungsfehler zurückführen. So kann beispielsweise Platzmangel zu gesteigerter Aggression führen.
Um die optimale, dem Sozialverhalten am besten entsprechende Haltung von Dschungarischen Zwergen gibt es seit Jahren eine sehr lebhafte Debatte. Da sie zu den indifferenten Arten gehören, lässt sich die Frage „Einzelhaltung oder nicht?“ nämlich nicht so ohne weiteres beantworten. Das macht die Haltung aller Phodopus-Zwerghamster zu einer Herausforderung. Beim Dschungarischen Zwerghamster geht die Gruppenhaltung in aller Regel bis zum Einsetzen der Geschlechtsreife und vielleicht auch noch eineige Zeit danach gut. Die Mehrheit gleichgeschlechtlicher Duos und Gruppen zerstreitet sich aber früher oder später. Eine Option kann die Haltung eines Weibchens mit einem Kastraten darstellen, da die Tiere auch in der Natur teils in Paaren zusammenleben. Allerdings gibt es hierzu noch wenige Erkenntnisse, da dieser Ansatz bisher nur von wenigen Haltern ausprobiert wurde. Die Ergebnisse sind zwar recht positiv, jedoch noch zu wenige, um allgemeine Rückschlüsse ziehen zu können.
Die Einzelhaltung von Zwerghamstern wird zwar nicht als Tierquälerei angesehen, wie dies definitiv für soziale Arten gilt. Da sie aber auch in der Natur öfter Kontakt zu Artgenossen pflegen, stellt die Einzelhaltung eine starke Einschränkung für die Tiere dar. Daher empfiehlt sich der Versuch, besser ein Duo zu halten.


Haltung

Das Gehege Dschungarischer Zwerghamster sollte eine minimale Grundfläche von 100x50cm haben und in seiner dreidimensionalen Struktur der Tatsache Rechnung tragen, dass diese Hamster nur sehr schlecht klettern, schlecht Höhen abschätzen und schnell irgendwo runterfallen können. Achten Sie also bei der Gehegegestaltung darauf, dass ein Tier nicht tiefer als 30 cm fallen kann und möglichst weich landet. Für Hamster am besten geeignet sind ausgediente Aquarien, Eigenbauten, die auf ihre Bedürfnisse spezielle zugeschnitten wurden und Schrankumbauten.
Als Einstreu eignen sich verschiedene Sorten wie staubfreie Holzstreu, Eurolin oder ähnliches. Die Hamster bevorzugen allerdings Streu, in der sie auch Gänge bauen können. Alternativ kann auch ein Becken mit Terrarienhumus zum Buddeln angeboten werden oder Sie verwenden ein Sand-Lehm-Gemisch, in dem die Gänge ebenfalls dauerhaft halten. Essentiell ist für Dschungaren außerdem Sand (Sepiolith oder Attapulgit) zum Baden. Diesen können sie entweder in einem großzügigen Sandbad anbieten oder Sie streuen einen Teil des Geheges komplett mit Sand ein.
Bei der Einrichtung des Hamsterheims gibt es unzählige Möglichkeiten, Häuschen, Brücken, Rennbahnen, Tunnel und ähnliches aus allen möglichen Naturmaterialien wie Kork, Holz, Ton oder ähnlichem anzubieten. Wichtig ist, dass den Tieren mindestens ein mehrkammeriges Haus zur Verfügung steht, da dieses dem Hamsterbau in der Natur am nächsten kommt. Wurzeln und Äste können ebenfalls angeboten werden. Sie dienen jedoch eher als Deckung oder Deko, denn zum Klettern, da Hamster kaum klettern können.
Elementarer Bestandteil des Hamsterheims ist ein Laufrad. Trotz ihrer geringen Größe und den recht kurzen Beinchen laufen Zwerghamster weite Strecken von mehreren Kilometern in der Nacht. Um diesem Bewegungsdrang auch in der Haustierhaltung nachkommen zu können, brauchen die Tiere ein passendes Rad.
Wasser kann aus einer Flasche oder erhöht stehenden Schüssel angeboten werden. Für Trockenfutter können Sie eine Schüssel verwenden. Sie können es aber auch ganz einfach im Streu verteilen, so dass die Hamster ihre Nahrung wie in der Natur zusammensuchen müssen.
Da Dschungaren meist recht menschenbezogen sind, können sie auch Auslauf in einem gesicherten Teil der Wohnung erhalten, wo Sie den Tieren auch einen separaten Spielplatz aufbauen können. Die Mehrheit der Tiere nutzt die Möglichkeit recht gern und kommt auch freiwillig auf die Hand, wenn sie raus will. Dies ist eine gute Möglichkeit, dem Bewegungsdrang der Hamster nachzukommen, ohne dass sie nur das Rad dafür nutzen können.


Ernährung

Das Trockenfutter Dschungarischer Zwerghamster sollte aus einem Gutteil Kleinsämereien und verschiedenen Getreiden bestehen. Diese Mischung kann mit Kräutern und Trockengemüse und wechselnden Saaten ergänzt und variiert werden. Saaten und Getreide können aber auch als Kolben oder Rispe angeboten werden. So wird das natürliche Futtersuchverhalten der Tiere mit angesprochen.
Beim Frischfutter sollte der Schwerpunkt deutlich auf Gemüse und sonstigem Frischfutter liegen. Obst sollten Sie nur in geringen anbieten. Dabei gilt, je süßer das Obst, umso weniger sollte ein Hamster davon bekommen.
Dschungaren sind jedoch keine Vegetarier und benötigen daher auch tierisches Protein auf ihrem Speisplan. Das sollte am besten in Form von lebenden oder toten Insekten angeboten werden. Besonders gern nehmen die Tiere Heuschrecken an. Aber auch Mehlwürmer und Zophobas werden gern gefressen. Wenn Sie lebende Insekten füttern, achten Sie darauf, dass die Hamster diese nicht bunkern, da Sie sonst schnell eine kleine Insektenzucht im Hamsterheim haben könnten.


Dieser Steckbrief ist noch eine Baustelle. Die fehlenden Kapitel folgen in Kürze.





Quellen:
Wikipedia
Rodent-info.net

 
arten/dschungare.txt · Zuletzt geändert: 01.11.2011 11:16 von angelus     Nach oben
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