Campbell-Zwerghamster
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseartige (Myomorpha) |
| Familie: | Wühler (Cricetidae) |
| Unterfamilie: | Hamster (Cricetinae) |
| Gattung: | Kurzschwanz-Zwerghamster (Phodopus) |
| Art: | Campbell-Zwerghamster (Phodopus campbelli) |
Der Campbell-Zwerghamster ist extrem eng mit dem Dschungarischen Zwerghamster verwandt. Daher ordnet ihn die Wissenschaft als eigenständige Art innerhalb der Artengruppe Phodopus sungorus ein. Einige Wissenschaftler sehen den Campbell-Zwerghamster aber auch als eine Unterart des Dschungarischen Zwerghamsters und ordnen ihm dann den Namen Phodopus sungarus campbelli zu.
In Haustierhaltung haben sich Campbell-Zwerghamster stark mit Dschungarischen Zwerghamstern vermischt, so dass sich kaum noch sagen lässt, ob ein Dschungare wirklich reinrassig ist.
Der Campbell-Zwerghamster als Haustier
Eignung
Cambell-Zwerghamster sind aufmerksame Tiere, die meist recht schnell futter- und handzahm werden. Den Ansprüchen der Tiere an ihre Umgebung können Sie recht einfach gerecht werden, da das Gehege keine ausgefallene Größe und Inventarien braucht.
Dennoch ist die Haltung dieser Zwerghamster nicht ganz einfach durch ihr ihr indifferentes Sozialverhalten, durch das sich immer die Frage stellt: „Wird das Tier in Einzelhaltung glücklich oder nicht?“ Dass es hier stark widerstreitende Überzeugungen gibt, wird das Kapitel „Sozialstruktur und Verhalten“ noch näher beleuchten. Will man also einen wirklich glücklichen Hamster, kann die Entscheidung „Duo, Gruppe oder allein“ zu einer echten Herausforderung werden!
Für Kinder sind sie nicht geeignet, da sie zum einen nachtaktiv sind und zum anderen bei unvorsichtigem Handling leicht herunterfallen und sich schwer oder gar tödlich verletzen können.
Handhabung
Das Handling von Campbell-Zwerghamstern ist recht einfach, wenn man beachtet, dass die Tiere sich nicht an der Hand festhalten und deshalb sehr leicht runterfallen können. Am besten nehmen Sie zappelige Tiere in eine Hand und bedecken diese mit der anderen. Zahme Tiere können Sie auch einfach auf die offene Hand nehmen. Ist ein Tier extrem scheu oder bissig – was eher selten vorkommt – empfiehlt es sich, zu einer Handlingbox zu greifen.
Beim Tierarzt können zahme Tiere genauso wie zu Hause in die Hand genommen und untersucht werden. Ist eine Fixierung des Tieres für eine Injektion oder Untersuchung vonnöten, können Sie den Hamster ganz einfach im Nacken- oder Nacken-Rückengriff nehmen. Dabei ist zu beachten, dass die „Jacke“ bei Campbell-Zwergen sehr weit ist und die Falte entsprechend groß sein muß, damit sich das Tier nicht trotzdem im Fell noch weit drehen kann. Achten Sie außerdem darauf, dass die Augen beim Nackengriff nicht hervorquellen. Das sieht nicht nur bedenklich aus, es kann auch zu einer dauerhaften Vorverlagerung des Augapfels (sogenannter Bulbusprolaps) kommen. Läßt sich dieser nicht behandeln, verliert das Tier das Auge.
Wenn ein Hamster mal ausbricht, gibt es mehrere Möglichkeiten, ihn wieder einzufangen. Zahme Hamster lassen sich meist recht gut wieder per Hand aufsammeln. Flottere und weniger zahme Exemplare fangen Sie am besten mit einer Faunabox oder einer TripTrap-Falle.
Sozialstruktur und Verhalten
Die nachtaktiven Campbell-Zwerghamster sind recht ruhige, umgängliche und neugierige Gesellen, die sich recht leicht zähmen lassen, wenn man sich ihnen nicht aufdrängt und ihre Ruhezeiten respektiert.
Auch sind sie eher selten bissig. Beißt ein Hamster, lässt sich das meist auf vorangegangene schlechte Haltung, negative Erfahrungen oder auch aktuelle Haltungsfehler zurückführen. So kann beispielsweise Platzmangel zu gesteigerter Aggression führen.
Um die optimale, dem Sozialverhalten am besten entsprechende Haltung von Campbell-Zwergen gibt es seit Jahren eine sehr lebhafte Debatte. Da sie zu den indifferenten Arten gehören, lässt sich die Frage „Einzelhaltung oder nicht?“ nämlich nicht so ohne weiteres beantworten. Das macht die Haltung aller Phodopus-Zwerghamster zu einer Herausforderung. Meinen Erfahrungen nach brauchen die meisten Zwerge den Kontakt zu Artgenossen. Daher halte ich meine Tiere mindestens zu zweit.
Wie sozial der einzelne Hamster (noch) ist, hängt auch sehr von seiner Herkunft ab. So sind Tiere aus Verhältnissen, in denen auf das Sozialverhalten geachtet wurde, meist umgänglicher. Selbes gilt für die noch unverzüchteten Wildformen und Wildformnachkommen. Tiere, die aus Linien stammen, in denen das Sozialverhalten vernachlässigt wurde, haben mit Artgenossen erfahrungsgemäß die größten Probleme. Versuchen Sie also bei Ihren Hamstern möglichst viel über deren Herkunft zu erfahren.
Die Einzelhaltung von Zwerghamstern wird zwar nicht als Tierquälerei angesehen, wie dies definitiv für soziale Arten gilt. Da sie aber auch in der Natur öfter Kontakt zu Artgenossen pflegen, stellt die Einzelhaltung eine starke Einschränkung für die Tiere dar. Daher empfiehlt sich der Versuch, besser ein Duo oder eine Gruppe zu halten.
Haltung
Das Gehege Campbell-Zwerghamster sollte eine minimale Grundfläche von 100x50cm haben und in seiner dreidimensionalen Struktur der Tatsache Rechnung tragen, dass diese Hamster nur sehr schlecht klettern, schlecht Höhen abschätzen und schnell irgendwo runterfallen können. Achten Sie also bei der Gehegegestaltung darauf, dass ein Tier nicht tiefer als 30 cm fallen kann und möglichst weich landet. Für Hamster am besten geeignet sind ausgediente Aquarien, Eigenbauten, die auf ihre Bedürfnisse spezielle zugeschnitten wurden und Schrankumbauten.
Als Einstreu eignen sich verschiedene Sorten wie staubfreie Holzstreu, Eurolin oder ähnliches. Die Hamster bevorzugen allerdings Streu, in der sie auch Gänge bauen können. Alternativ kann auch ein Becken mit Terrarienhumus zum Buddeln angeboten werden oder Sie verwenden ein Sand-Lehm-Gemisch, in dem die Gänge ebenfalls dauerhaft halten. Essentiell ist für Campbells außerdem Sand (Sepiolith oder Attapulgit) zum Baden. Diesen können sie entweder in einem großzügigen Sandbad anbieten oder Sie streuen einen Teil des Geheges komplett mit Sand ein.
Bei der Einrichtung des Hamsterheims gibt es unzählige Möglichkeiten, Häuschen, Brücken, Rennbahnen, Tunnel und ähnliches aus allen möglichen Naturmaterialien wie Kork, Holz, Ton oder ähnlichem anzubieten. Wichtig ist, dass den Tieren mindestens ein mehrkammeriges Haus zur Verfügung steht, da dieses dem Hamsterbau in der Natur am nächsten kommt. Wurzeln und Äste können ebenfalls angeboten werden. Sie dienen jedoch eher als Deckung oder Deko, denn zum Klettern, da Hamster kaum klettern können.
Elementarer Bestandteil des Hamsterheims ist ein Laufrad. Trotz ihrer geringen Größe und den recht kurzen Beinchen laufen Zwerghamster weite Strecken von mehreren Kilometern in der Nacht. Um diesem Bewegungsdrang auch in der Haustierhaltung nachkommen zu können, brauchen die Tiere ein passendes Rad.
Wasser kann aus einer Flasche oder erhöht stehenden Schüssel angeboten werden. Für Trockenfutter können Sie eine Schüssel verwenden. Sie können es aber auch ganz einfach im Streu verteilen, so dass die Hamster ihre Nahrung wie in der Natur zusammensuchen müssen.
Da Campbells meist recht menschenbezogen sind, können sie auch Auslauf in einem gesicherten Teil der Wohnung erhalten, wo Sie den Tieren auch einen separaten Spielplatz aufbauen können. Die Mehrheit der Tiere nutzt die Möglichkeit recht gern und kommt auch freiwillig auf die Hand, wenn sie raus will. Dies ist eine gute Möglichkeit, dem Bewegungsdrang der Hamster nachzukommen, ohne dass sie nur das Rad dafür nutzen können.
Ernährung
Das Trockenfutter von Campbell-Zwerghamstern sollte aus einem Gutteil Kleinsämereien und verschiedenen Getreiden bestehen. Diese Mischung kann mit Kräutern und Trockengemüse und wechselnden Saaten ergänzt und variiert werden. Saaten und Getreide können aber auch als Kolben oder Rispe angeboten werden. So wird das natürliche Futtersuchverhalten der Tiere mit angesprochen.
Beim Frischfutter sollte der Schwerpunkt deutlich auf Gemüse und
sonstigem Frischfutter liegen. Obst
sollten Sie nur in geringen anbieten. Dabei gilt, je süßer das Obst, umso weniger sollte ein Hamster davon bekommen.
Campbells sind jedoch keine Vegetarier und benötigen daher auch tierisches Protein auf ihrem Speisplan. Das sollte am besten in Form von lebenden oder toten Insekten angeboten werden. Besonders gern nehmen die Tiere Heuschrecken an. Aber auch Mehlwürmer und Zophobas werden gern gefressen. Wenn Sie lebende Insekten füttern, achten Sie darauf, dass die Hamster diese nicht bunkern, da Sie sonst schnell eine kleine Insektenzucht im Hamsterheim haben könnten.
Dieser Steckbrief ist noch eine Baustelle. Die fehlenden Kapitel folgen in Kürze.
