Bleiche Rennmaus

Systematik und Biologie

Ordnung:Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung:Mäuseartige (Myomorpha)
Überfamilie:Mäuseartige (Muroidea)
Familie:Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie:Rennmäuse (Gerbillinae)
Gattung:Gerbillus
Art:Bleiche Rennmaus (Gerbillus perpallidus)

Im Deutschen ist diese Rennmausart als Blasse, Bleiche oder Ägyptische Rennmaus bekannt. Manchmal wird sie auch mit der Cheesman-Rennmaus (Gerbillus cheesmani) verwechselt, der sie sehr ähnlich sieht. Im direkten Vergleich sind die beiden Arten aber recht gut zu unterscheiden.

Wildtier Bleiche Rennmaus

Bleiche Rennmäuse bewohnen in Familiengruppen die Wüstengebiete an der nordwestägyptischen Küste. Deshalb sind sie gut an die Bewegung im feinen Sand der Dünen angepasst. In diese graben sie bis zu einem Meter tiefe, weit verzweigte Gangsysteme, in denen sie sich vor der Hitze des Tages verstecken. Erst kurz nach Sonnenuntergang, wenn die Hitze des Tages abgeklungen ist, begeben sie sich auf Nahrungssuche.

Anatomie und Erscheinung

Typische sandfarben-weiße Zeichnung

Die 36 bis 50 g schweren, zierlichen Rennmäuse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 8 bis 13 cm. Der spärlich behaarte Schwanz wird etwa 10 bis 13 cm lang. Die großen Augen weisen die Bleiche Rennmaus als nachtaktives Tier aus. Um die Augen hat sie einen weißen Ring. Die Ohren sind unpigmentiert und nackt und bergen ein exzellentes Gehör, das im Bereich niederfrequenter Töne besonders leistungsfähig ist.
Auf der Oberseite ist das Fell sandgelb bis rötlich, das Unterfell ist grau. Die Unterseite ist weiß.
Ihre sehr großen Hinterfüße erlauben den Tieren in ihrer Heimat die sichere, schnelle Fortbewegung auf dem sandigen Untergrund und sind hervorragende Hilfen beim Graben.

Die Bleiche Rennmaus als Haustier

Eignung

Da Bleiche Rennmäuse sehr neugierige, freundliche und friedliche Tiere sind, die auch auf ihren Halter zugehen, sind sie interessante Hausgenossen, an denen auch Anfänger viel Freude haben, wenn sie die Grundregeln der Haltung beachten.
Sie eignen sich für Halter, die futterzahme Tiere möchten, die ein interessantes Spektrum an Verhaltensweisen zum Beobachten zeigen. Als Streicheltiere sind diese Rennmäuse jedoch ungeeignet, da ihr Fell durch die Berührung schnell verfettet und die meisten Tiere lieber an der Hand schnuppern als auf ihr zu sitzen.
Für Kinder sind sie nicht geeignet!

Handhabung

Handling für zahme Tiere

Da Bleiche Rennmäuse eher ruhige bis neugierige Vertreter ihrer Gattung sind, ist der Umgang mit ihnen sehr einfach. Zur Geschlechtsbestimmung und zum Umsetzen können Sie sie einfach in die Hand nehmen.
Beim Tierarzt lassen sie sich ebenfalls für Untersuchungen und Tastbefunde gut in die Hand nehmen. Die Gefahr, gebissen zu werden, ist dabei sehr gering.
Für Injektionen nehmen Sie das Tier an einer großen Nackenfalte, da es sich sonst im Fell noch zu sehr bewegen und zu weit umdrehen kann. Stark zappelnde Tiere können auch mit Nackenfalte und an der Schwanzwurzel auf der Unterlage fixiert werden.
Wenn Ihnen einmal eine Ihrer Rennmäuse entkommt, können Sie diese recht gut mit der Hand wieder einfangen. Für scheuere Exemplare eignet sich aber auch eine Gitterfalle oder ein Kescher.

Sozialstruktur und Verhalten

Die Mäuse brauchen (mindestens) einen Partner

Am besten halten Sie diese nachtaktiven, kleinen Nager in Gruppen von 4 bis 6 Tieren. Aber auch größere Gruppen sind möglich, jedoch mit etwas Vorsicht zu genießen, da dann auch ab und zu die Gefahr von Unruhe in der Gruppe besteht.
In einer Gruppe, in der mehr Weibchen als Männchen leben, kann es zu heftigen Rivalenkämpfen kommen. Da sich die Tiere aber recht einfach vermehren, verbietet sich eine gemischte Haltung ohnehin von selbst, da sie Ihnen sonst recht schnell über den Kopf wachsen werden.
Zwei Tiere müssen Sie mindestens halten, da Bleiche Rennmäuse wie alle Rennmäuse soziale Nager sind, die bei Einzelhaltung sich schnell langweilen und sogar depressiv werden.
Bleiche Rennmäuse sind neugierige, aktive Nagetiere, die ihren Halter kaum jemals beißen würden. Durch ihre Neugier werden sie auch recht gut futterzahm. Die Berührung mit der Hand schätzen jedoch selbst die Tiere nicht, die bei Öffnen des Geheges sofort neugierig zur Tür stürzen.

Haltung

Verwenden Sie nur Naturinventar

Die optimale Gehegelösung für Bleiche Rennmäuse ist die Haltung in einem Aquarium von mindestens 120 x 50 x 50 cm Größe für 2 bis 3 Tiere. Eine gute Alternative wäre ein Nagerschrank oder Eigenbau, der den Tieren mindestens eine Etage zum Buddeln anbietet. Handelsübliche Käfige, Volieren oder Terrarien sind dagegen völlig ungeeignet.
Da die Tiere etwa 30 cm hoch und 50cm weit springen können, sollte ein Aquarium immer mit einem Gitterdeckel abgedeckt werden.
Als Untergrund wählen Sie am besten Sand (Sepiolith oder Attapulgit). Damit ist eine optimale Fellpflege und damit eine gesunde Fellstruktur sichergestellt. Bei der Haltung auf Kleintierstreu oder ähnlichen Untergründen verfettet das Fell trotz Sandbad immer noch vergleichsweise schnell und die Tiere können sich leicht erkälten. Wenn Sie sich also gegen Sand als Einstreu entscheiden, sollten Sie in jedem Fall eine größere Sandbadefläche, zum Beispiel in Form eine großen Sandbadekiste oder mehreren großen Sandschüsseln, zur Verfügung stellen, damit die Fellpflege für die Tiere gewährt ist.

Sand ist der optimale Untergrund

Da die Tiere kaum Urin absetzen, genügt es, den Sand einmal pro Woche durchzusieben und so von Verunreinigungen zu befreien. Ein kompletter Wechsel ist je nach Gehegegröße nur alle 2 bis 3 Monate notwendig. Da die Tiere gern wühlen, kann die Dicke der Sandschicht 15cm und mehr betragen.
Die zierlichen Nagetiere bauen gerne umfangreiche Nester. Deshalb müssen Sie immer ausreichend Nistmaterialien anbieten. Das können beispielsweise Heu, Kokosfasern, Kapok und ähnliches sein. Als naturnahe Einrichtung können Sie Wurzeln, Äste, Steine (gut verkeilen!) und Häuschen aus Ton, Holz und anderen natürlichen Materialien verwenden. Auch an einem großen, mit Heu gefüllten Korb haben die Tiere viel Spaß. Stellen Sie unbedingt sicher, dass die Tiere ihre Einrichtung nicht untergraben und von ihr erschlagen werden können.
Eine Wärmequelle ist bei Zimmertemperatur überflüssig. Aber da das Fell der Kleinen ziemlich dünn ist, sollten sie nicht in Räumen unter 18°C gehalten werden.
Trocken- und Feuchtfutter reichen Sie am besten in erhöht angebrachten, getrennten Schüsseln. Frisches Wasser muss den Tieren in einer Flasche jederzeit zur Verfügung stehen.

Ernährung

Rennmaus frißt Bombyx mori

Bleiche Rennmäuse sind sehr gute Futterverwerter und neigen entsprechend leicht zum Verfetten mit den typischen Folgen (Organschäden wie etwa Fettleber). Um dem vorzubeugen, besteht das ideale Futter für die kleinen Rennmäuse hauptsächlich aus Kleinsaaten wie Hirse, Grassamen, Glanzsaat und ähnlichem. Dazu können Trockengemüse, Kräuter und etwas Getreide mit einem geringen Anteil an Fettsaaten gemischt werden.
Obwohl diese Rennmäuse eher weniger Feuchtfutter fressen, können Sie ihnen bis auf die üblichen Ausnahmen wie zum Beispiel sämtliche Kohlsorten regelmäßig verschiedenste Gemüsesorten und sonstiges Frischfutter anbieten. Meine Tiere hier zeigen eine deutliche Affinität zu Eisberg und Eisblattsalat. Obst sollten Sie nur selten als Leckerli füttern.
Wie fast alle kleinen Nager benötigen auch die Bleichen Rennmäuse tierisches Eiweiß. Davon sollten sie etwas mehr bekommen als Mongolische Rennmäuse, da ihr Bedarf höher ist. Besonders geeignet sind Insekten wie Grillen und Heuschrecken, weil diese zum einen nicht zu fett sind und zum anderen den Tieren bei der Jagd noch etwas Bewegung abfordern. Alternativ können Sie auch Trockeninsekten füttern. Wasser muss immer frisch zur Verfügung der Tiere stehen.

Fortpflanzung

Bleiche Rennmäuse bekommen bis zu fünfmal im Jahr Junge. Die Tragzeit liegt bei 20 bis 22 Tagen. Danach werden bis zu 8 Jungtiere geboren, selten mehr. Die durchschnittliche Wurfgröße liegt bei 4 bis 5 Kindern, die bei der Geburt nackt, blind und völlig hilflos sind. Erst mit 16 bis 20 Tagen öffnen sie ihre Augen. Von den Eltern sollten sie frühestens mit 5 Wochen getrennt werden. Die Geschlechtsreife setzt mit 90 bis 120 Tagen verhältnismäßig spät ein.
Die durchschnittliche Lebenserwartung variiert mit 3 bis maximal 6 Jahren sehr stark. Diese Variation kann ihre Ursache unter anderem in falscher Ernährung haben. Es gibt jedoch Aufzeichnungen, nach denen ein Tier über 8 Jahre alt geworden sein soll. Dies ist jedoch als absolute Ausnahme anzusehen.

Da diese Rennmäuse sich recht einfach und gut vermehren, sollten Sie als Hobbyhalter nur gleichgeschlechtliche Gruppen halten, weil Sie sonst schnell vor dem Problem der Überbevölkerung stehen und die Tiere auch nicht immer so leicht abgeben können, da die Nachfrage nach dieser Nagerart eher gering ist.

Krankheiten

Wenn Sie Ihre Bleichen Rennmäuse richtig halten, werden diese Tiere nur sehr selten krank. Abgesehen von Bissverletzungen bei Unverträglichkeiten oder Erkältungen bei Zug, gibt es bei diesen Tieren keine erwähnenswerten Krankheiten.
Trotzdem sollten Sie für den Fall des veterinärmedizinischen Notfalles eine Rücklage von etwa 100 Euro für Tierarztbesuche anlegen.

Vergesellschaftung

Da diese Rennmäuse in der Regel recht friedlich sind, ist ihre Vergesellschaftung nicht sehr schwer. Verwenden Sie am besten die Etappenmethode, lassen Sie die Tiere aber auch wenn sie sich vertragen, noch ein paar Tage in einem kleineren Aqua oder Käfig und schauen Sie, ob die Gruppe hier stabil bleibt. Ist das der Fall, können Sie sie in das frisch gereinigte, neutrale Endgehege setzen.
Ab und zu gibt es leider auch Exemplare, die sich überhaupt nicht verstehen. Hier hilft es, wenn Sie ein anderes, charakterlich passendes Partnertier suchen.

Anschaffung

Bleiche Rennmäuse sind neugierig

Haben Sie nach der Lektüre festgestellt, dass Bleiche Rennmäuse die richtigen Tiere für Sie sind, beginnt die Suche nach den passenden Tieren.
Bleiche Rennmäuse sind inzwischen etwas häufiger zu finden, so dass sich mitunter sogar die Nachfrage im Tierheim oder in der Nothilfe lohnt. Manchmal können Ihnen Nothelfer auch sagen, wo Sie Tiere bekommen, wenn sie vor Ort keine haben.
Wenn Sie im Tierschutz nicht fündig werden, ist ein seriöser Züchter die richtige Alternative. Er kann Ihnen etwas über das Wesen seiner Tiere erzählen und offene Fragen beantworten. Züchter finden Sie in Kleinanzeigen, Foren und auf verschiedenen Homepages.
Alternativ können Sie auf Messen und Börsen nach Ihren neuen Mitbewohnern suchen. Hier gilt jedoch besondere Vorsicht, da nicht alle Angebote auf einem solchen Event seriös sind und Sie auch kranke Tiere verkauft bekommen.
Seit einiger Zeit werden Bleiche Rennmäuse auch in Tierhandlungen angeboten. Vom Kauf dort sollten Sie hier allerdings Abstand nehmen. Die Gefahr, kranke, parasitenhaftete und/oder schwangere Tiere verkauft zu bekommen, ist groß. Auch die Geschlechtsbestimmung ist in den Läden meist alles andere als sicher.

Für die Anschaffung Bleicher Rennmäuse sollten Sie je nach Gehegelösung für die Grundausstattung (Gehege, Einstreu, Inventar, Futter, Transportbox) 100 bis 200 Euro einplanen. Wenn Sie ein gebrauchtes oder defektes Aquarium erwerben, können Sie aber auch einiges an Geld sparen.
Die laufenden Kosten für ein Duo belaufen sich im Monat für Trocken- und Frischfutter, sowie Sand auf etwa 30 Euro.

Artengesellschaft

Fettschwanz-Rennmaus (rechts) und Bleiche Rennmaus (links)

Bitte bedenken Sie in jedem Fall: Artengesellschaften gehören immer in Hände erfahrener Halter und benötigen deutlich mehr Platz als die artreine Haltung!
Für eine Artengesellschaft sind Bleiche Rennmäuse nur bedingt geeignet, da sie sehr spezielle Ansprüche stellen. Am besten eignen sich dafür andere Gerbile, die ähnliche Ansprüche haben wie die Bleiche Rennmaus. Da jedoch nie eine 100%ige Garantie besteht, dass sich die beiden Arten auch vertragen, sollten Sie niemals Bleiche Rennmäuse für eine Artengesellschaft anschaffen, wenn Sie bei Nichtvertragen nicht auch die Möglichkeit haben, beide Arten getrennt zu halten.
Sie sollten beide Arten, die Sie vergesellen möchten, schon als artreine Gruppe längere Zeit gehalten haben und ausreichend über die Bedürfnisse und Eigenheiten beider Arten informiert sein. So vermeiden Sie Artenkombinationen, unter denen einige Bedürfnisse der Tiere leiden würden.
Das Gehege sollte eine Gesamtgrundfläche (Etagen eingerechnet) von mindestens 2 bis 4qm haben, je nachdem, welche Art sie dazu vergesellschaften möchten. Können Sie diese Grundbedingungen nicht sicherstellen, sollten Sie von einer Artengesellschaft absehen!


Weitere Informationen

Sie haben noch Fragen, die dieser Steckbrief noch nicht beantwortet hat? Dann können Sie diese ganz einfach in unserem Forum stellen!





Quellen:
IG Rennmäuse
Gerbil Info
Rodent-Info

 
arten/bleicherennmaus.txt · Zuletzt geändert: 19.08.2011 10:00 von angelus     Nach oben
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