Akazienratte
Systematik und Biologie
| Ordnung: | Nagetiere (Rodentia) |
| Unterordnung: | Mäuseverwandte (Myomorpha) |
| Familie: | Langschwanzmäuse (Muridae) |
| Unterfamilie: | Echte Mäuse (Murinae) |
| Gattung: | Thallomys |
| Art: | Akazienratte (Thallomys nigricauda) |
4 Arten
- Thallomys nigricauda
- Thallomys paedulcus
- Thallomys loringi
- Thallomys shortridgei
Die in Deutschland gehaltenen Tiere stammen von Wildfängen aus Tansania ab, von denen einige Exemplare als Thallomys nigricauda bestimmt worden sind. Da die Tiere aber unter dem Namen Th. paedulcus importiert wurden, findet sich bei vielen Tieren immer noch dieser Name als lateinische Bezeichnung, obwohl davon auszugehen ist, dass überwiegend Th. nigricauda importiert wurden.
Da die einzelnen Arten optisch kaum zu unterscheiden sind und ihre Verbreitungsgebiete sich teilweise überschneiden, ist es durchaus möglich, dass auch einige Exemplare von Th. paedulcus importiert wurden. Daher ist nicht auszuschließen, dass ein Teil der als Haustiere gehaltenen Akazienratten Bastarde aus diesen Arten sind.
Die Akazienratte als Wildtier
Über die wildlebenden Akazienratten ist eher wenig bekannt.
Sie kommen im östlichen Afrika von Äthiopien über Angola bis nach Südafrika nur in Savannen mit Akazienbewuchs vor, da sie an das Vorhandensein bestimmter Bäume und Sträucher gebunden sind. Sie leben hier fast ausschließlich auf Akazienbäumen und zwar auf dem Gelbfieberbaum (Acacia xanthophloea) und auf dem Regenschirmbaum (A. tortilis), die auch zu einem großen Teil ihre Nahrungsquelle bilden. Damit hat sich die Akazienratte in einer ökologische Nische eingerichtet, in der wenig Konkurrenz vorhanden ist und die ihr auch den Namen gegeben hat. Die dornigen Akazienäste schützen die Ratten vor manchen Fressfeinden, geben ihnen Unterkunft und Nahrung.
Auf einer großen Akazie leben in der Regel nicht mehr als zehn Tiere, die hauptsächlich in den oberen Regionen anzutreffen sind. So findet ein Großteil des Lebens dieser Nager auf den Bäumen statt. Nur bei Gefahr oder zur Nahrungssuche und zum Anlegen von Vorräten im Boden verlassen die Tiere ihre Bäume. Es wird zudem vermutet, dass sich die Tiere bei kühleren Temperaturen in ihre unterirdischen Baue zurückziehen.
Ebenfalls ungeklärt ist, ob diese Tiere nun als Paare mit ihren Jungen auf den Bäumen leben oder als Familiengruppe oder Kolonie.
Ihre Nester bauen Akazienratten aus Ästen und anderem Pflanzenmaterial in Astgabeln, Baumhöhlen, hohlen Ästen oder unter loser Rinde.
Akazienratten ernähren sich zu einem großen Teil von den Knospen und Blättern ihrer Bäume sowie von Beeren, Wurzeln und Samen, Insekten und auch jungen Vögeln.
In freier Natur regelt die Regenzeit und damit das vorhandene Nahrungsangebot die Fortpflanzung, so dass die Jungen im März und April zur Welt kommen. Die Jungtiere bleiben relativ lange bei ihren Eltern. Sie verlassen das gemeinsame Nest erst, wenn sie fast ganz erwachsen sind und suchen sich einen eigenen Baum.
Zu den natürlichen Feinden der Akazienratten zählen Eulen, Marder und hauptsächlich baumbewohnende Schlangen wie etwa die Schwarze Mamba.
Anatomie und Erscheinung
Akazienratten sind mit einer Körperlänge von 12 bis 16 cm, einer Schwanzlänge von 14 bis 20 cm und einem Gewicht von 50 bis 100 g längst nicht so groß, wie die Bezeichnung „Ratte“ vermuten lässt.
Bei der wildfarbenen Form ist die Oberseite der Tiere grau-braun, die Bauchseite hellcreme bis weiß und sie tragen eine deutliche schwarze Maske um die Augen, die die ohnehin recht großen Augen noch größer erscheinen lässt. Der Schwanz ist schwach behaart und schwarz.
Inzwischen gibt es bei Akazienratten auch erste Farbvarianten. Gehalten werden neben den wildfarbenen Tieren Schecken, Bänderschecken, aufgehellte Tiere ohne Maske (so genannte „Dilute“) und goldfarbene Tiere mit braunem Augenring.
Im allgemein sind die Farbvarianten eher etwas kleiner als wildfarbene Tiere.
Die Akazienratte als Haustier
Eignung
Akazienratten sind neugierige, verspielte Zeitgenossen, die oft recht gut futterzahm, seltener auch handzahm werden. Wenn Sie jedoch Kuscheltiere möchten, sind Sie bei Akazienratten an der falschen Adresse.
Angenehm für den Halter ist, dass die Tiere kaum riechen.
Allerdings verlangen Sie dem Halter auch einiges ab: viel Platz nämlich. Die Tiere sind Baumbewohner und brauchen ein entsprechend großes und vor allem hohes Gehege.
Wenn Sie also gern viel Platz an Ihr künftiges Haustier abtreten können und wollen und Tiere mit einem breiten Verhaltensspektrum möchten, die auch einen Bezug zu ihrem Halter entwickeln, könnten Akazienratten Ihre neuen Mitbewohner werden.
Für Kinder sind diese flinken Tiere allerdings nicht geeignet!
Handhabung
Die Handhabung der Nager richtet sich danach, wie scheu Ihre Exemplare sind. Zahme Tiere können Sie einfach in die Hand nehmen. Ein Restrisiko gebissen zu werden, besteht allerdings auch bei einigen zahmen Exemplaren. Eventuell sollten Sie auch einen stabilen Lederhandschuh tragen, da weniger zahme Akazienratten empfindlich schmerzende Bisse verteilen können. Sehr scheue Tiere sollten Sie mit einer Transportbox fangen.
Mit diesen Methoden können Sie die Tiere umsetzen oder eine Geschlechtsbestimmung durchführen. Für letztere können sie das betreffende Tier auch einfach in eine durchsichtige Transportbox setzen.
Zahme Tiere können Sie auch beim Tierarzt in die Hand nehmen. Der Nackengriff sollte nur bei dringendem Bedarf angewendet werden. Scheuere Tiere wickeln Sie besser in ein Handtuch und lassen die zu untersuchende Stelle exponiert.
Entflohene Akazienratten fangen Sie am besten mit einem Kescher, zahme Tiere mit der Hand oder einer Faunabox.
Sozialstruktur und Verhalten
Die dämmerungs- und nachtaktiven Nager sind sehr gesellige Tiere und sollten daher niemals einzeln gehalten werden. Größere Gruppen sind – auch bei Männchen - oft kein Problem. Kommt es in einer Männergruppe zu Aggressionen, kann eine Kastration der Tiere die Ruhe nach einiger Zeit wieder herstellen.
Nach Transporten ist ein Ausbruch von Aggressionen nicht ausgeschlossen. Beobachten Sie Ihre Tiere also besonders intensiv in der ersten Zeit.
Die sonst so friedlichen Nager neigen ähnlich wie Afrikanische Knirpsmäuse bei Wassermangel zu Kannibalismus. Achten Sie also sorgfältig drauf, ob die Wasserflasche der Tiere immer richtig nachläuft.
Dem Menschen gegenüber sind Akazienratten recht aufgeschlossen. Daher ist es mit etwas Geduld (und Futter) durchaus möglich, sie handzahm zu bekommen. Sie nehmen nach einiger Zeit gern Leckerli aus der Hand. Manche Exemplare werden so zahm, dass sie sogar über die Hand auf die Schulter laufen und dort sitzen bleiben. Das tun meine Akazienratten zwar nicht, jedoch konnte ich nach anfänglicher Scheu eine regelrechte Gier bei den Tieren beobachten, wenn sie mit Banane und ähnlichem gefüttert wurden. Also achten Sie auf Ihre Finger. Manchmal beißen die Nager aus Versehen auch neben das Futter.
Bei Störungen, z.B. wenn eine ganze Gruppe beim Besitzer in ein neues Heim zieht, kann es plötzlich zum Ausbruch von Aggressionen bis hin zum Tod von Gruppenmitgliedern kommen. Vermeiden Sie also nach Möglichkeit ein Umsiedeln innerhalb des Haushaltes und geben Sie nur Paare oder Gruppen ab, die sich als relativ friedlich erwiesen haben.
Haltung
Die Empfehlungen zur Gehegegröße gehen bei Akazienratten sehr weit auseinander. Einige Quellen empfehlen als Minimum 80 x 50 x 55cm (BxTxH), andere Gehege, die 1,50 – 2 Meter hoch sind. Ich kann mich aus meiner Erfahrung mit den Tieren heraus nur letzterem anschließen. Eine Größe von 100x50x150cm sollte das absolute Minimum für eine kleine Gruppe von bis zu 4 Tieren darstellen. Zahme Tiere können zusätzlich Wohnungsfreigang bekommen. Geeignet sind für Akazienratten vor allem Volieren und umgebaute Schränke, die den Tieren viel Kletterfläche und ausreichend Platz bieten.
Als Untergrund können Sie beispielsweise Kleintierstreu, Leinenstreu oder auch Sand/Erde-Gemisch verwenden, das am Boden etwa 10cm dick sein sollte.
Orientieren Sie die Einrichtung des Geheges am natürlichen Lebensraum der Nager. Äste, bevorzugt von Obstbäumen oder Weißdorn, sind als Bestandteil des Inventars also unverzichtbar. Als Unterschlupf eigenen sich besonders gut Nistkästen, die ins Gitter gehängt werden können. Aber auch Korkröhren, Wurzeln, Körbe und Häuschen können angeboten werden. Bevorzugt schlafen die Tiere jedoch in möglichst hoch gelegenen Unterschlupfen, etwa dem höchsten Nistkasten.
Da die Tiere relativ viel Urin abgeben und sehr gerne feuchte Nahrung mit in ihr Nest schleppen, sollten Sie Streu oder noch besser Baumwollstreu in die Kästen geben, um zu vermeiden, dass das Holz durchweicht oder gar schimmelt. Als Nistmaterial können Sie auch Heu, Stroh oder Blätter anbieten. Kontrollieren Sie die Kästen regelmäßig, ob diese gereinigt werden müssen.
Da Akazienratten recht geschickte Kletterer sind, freuen sie sich auch über dicke Seile, an denen sie ihre Kletterkünste trainieren können.
Da die Tiere sehr neugierig sind und beschäftigt werden müssen, sollten Sie immer wieder neue Objekte in den Käfig einbringen, die die Tiere untersuchen und mit denen sie spielen können. Eine andere Möglichkeit ist es, den Käfig regelmäßig umzudekorieren und die Tiere so zur Beschäftigung anzuregen. Auch können Sie Obst oder sonstige Leckereien an der Spitze der Kletteräste aufhängen, so dass die Tiere ihr Futter erarbeiten müssen.
Trockenfutter können Sie in einem Futternapf anbieten. Außerdem muß den Tieren immer frisches Wasser in einer Trinkflasche zur Verfügung stehen.
Ernährung
Das Nahrungsspektrum frei lebender Akazienratten umfasst Knospen, Blätter, Samen, Saaten, Beeren, Früchte und Insekten. Daran sollten Sie sich bei der Fütterung Ihrer Haustiere orientieren.
Als Basisfutter eignet sich ein Gemisch aus Exotenfutter und einer Getreidemischung versetzt mit einigen Fettsaaten, getrockneten Kräutern und ähnlichem. Akazienratten sind zwar relativ resistent gegen Verfettung, aber dauerhafte Gesundheitsschäden sind bei zu fettreicher Ernährung nicht auszuschließen. Daher sollten Sie darauf achten, dass die Basismischung nicht zu viele fette Saaten enthält. Neben dem losen Futter können Sie die Tiere ihr Futter auch an Hirsekolben und Rispen erarbeiten lassen.
Dazu verfüttern Sie frisches Obst, Gemüse und sonstiges Frischfutter, wobei süßes Obst wie Bananen oder Melonen, aber auch Äpfel besonders gern genommen wird. Aber auch Gemüse wie Salat, Karotten, Gurke oder Löwenzahn mögen einige Tiere sehr gern. Probieren Sie am besten aus, was Ihre Tiere gern fressen.
Ein essentieller Bestandteil der Ernährung von Akazienratten ist tierisches Eiweiß. Dieses können Sie in Form von lebenden oder getrockneten Insekten oder gekochtem Eiweiß anbieten.
Wasser in Trinkflaschen ist bei der Haltung dieser Tiere ebenfalls essentiell notwendig. Wassermangel veranlasst die Tiere sich gegenseitig zu töten, um aus dem toten Artgenossen den Flüssigkeitsbedarf zu decken
Fortpflanzung
Während Akazienratten in freier Wildbahn nur im Frühjahr Nachwuchs aufziehen, werfen sie in Gefangenschaft das ganze Jahr hindurch. Sie bekommen dann bis zu 3 Würfe pro Jahr, wobei sich die Männchen als echte Familienväter entpuppen. Sie kümmern sich gemeinsam mit dem Weibchen um die Jungtiere und verteidigen diese auch. Bei Nestkontrollen klappern die Eltern drohend mit den Zähnen, um den Störenfried zu verjagen. Aggressionen der Männchen gegenüber dem Nachwuchs ist jedoch selten und meist auf falsche Haltungsbedingungen zurückzuführen.
Nach einer Tragzeit von etwa 24 Tagen werden durchschnittlich 2 bis 4 nesthockende Jungtiere geboren. Müssen die Babys transportiert werden, schleppt die Akazienrattenmutter die Jungtiere nicht einzeln im Maul herum sondern alle zusammen an ihren Zitzen hängend.
Selbständig werden die Jungen dann etwa im Alter von 30 Tagen. Geschlechtsreif werden die Tiere zwischen der 8. und der 14. Lebenswoche
Akazienratten werden etwa 3 Jahre alt.
Da die Nachzucht relativ einfach ist, kann es Ihnen bei gemischtgeschlechtlichen Gruppen leicht passieren, dass sie schnell mehr Tiere haben, als im Gehege Platz haben. Halten Sie daher als Hobbyhalter grundsätzlich nur gleichgeschlechtliche Gruppen, um einer Bevölkerungsexplosion von vornherein vorzubeugen.
Krankheiten
Akazienratten sind bei richtiger Haltung und Fütterung eher selten krank. Daher lassen sich auch keine typischen Krankheiten benennen.
Trotzdem sollten Sie in jedem Fall für veterinärmedizinische Notfälle eine finanzielle Reserve von etwa 100 Euro anlegen.
Vorsicht bei Kastrationen und anderen Operationen: Akazienratten scheinen auf Narkose ein wenig sensibel zu reagieren. Sie schlafen in Isoflorannarkose sehr tief und brauchen auch zum Aufwachen sehr lange. Wählen Sie also in jedem Fall einen Tierarzt, der Erfahrung mit der Kastration/Operation solch kleiner Tiere hat und lassen Sie die Tiere nicht mit Spritzennarkose betäuben.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung fremder, erwachsener Akazienratten ist schwierig bis unmöglich, wenn die Tiere vom gleichen Geschlecht sind. Besonders Männchen greifen ihren Rivalen dabei sofort an. Daher kann es bei einer solchen Vergesellschaftung sogar zu Todesfällen kommen.
Als weniger problematisch erwiesen sich bei einigen Haltern Vergesellschaftungen von erwachsenen, gegengeschlechtlichen Tieren. Um Nachwuchs zu vermeiden, sollte(n) das/die Männchen vorher kastriert werden.
Bei Akazienratten fruchtet am ehesten die Kleinraummethode. Fangen Sie bei den Tieren also am besten mit einem kleinen, bis auf Streu und Futter leeren Hamsterknastkleiner, handelsüblicher Gitterkäfig bis zu einer Seitenlänge von 80cm
an und beginnen Sie, die Tiere nach etwa einer Woche langsam Schritt für Schritt größer zu setzen, wobei jeder Schritt mindestens zwei bis drei Tage dauern sollte.
Anschaffung
Wenn Sie nach der Lektüre der vorangegangenen Texte Akazienratten als Haustiere für sich entdeckt haben, sollten Sie für die Erstausstattung (Gehege, Inventar, Streu, Futter, Transportbox) je nach Gehegelösung zwischen 300 und 500 Euro einplanen. Monatlich ergeben sich je nach Gruppengröße und Futterplan Kosten für Futter und Streu in Höhe von ca. 20 bis 40 Euro.
Akazienratten sind zwar schon im Tierschutz angekommen, aber dankenswerter Weise eher seltene Gäste. Dennoch lohnt es sich in jedem Fall, bei Tierheimen größerer Städte und privaten Nothilfen nachzufragen. Eventuell können diese Sie auf Notfalltiere hinweisen, wenn sie selbst keine beherbergen.
Werden Sie im Tierschutz nicht fündig, sollten Sie sich an einen seriösen Züchter wenden. Dieser kennt seine Tiere, kann Sie gut beraten und ist sicher bei der Geschlechtertrennung.
Die Geschlechtertrennung ist auch das größte Problem, wenn Sie Ihre Tiere in der Zoohandlung erwerben wollen. Die Gefahr, wider Willen ein vermehrungsfreudiges Pärchen zu erstehen, ist enorm groß. Ebenso können die Tiere Parasiten oder Krankheiten haben, die nicht erkannt und/oder nicht behandelt wurden.
Auch auf Börsen werden Akazienratten angeboten. Schauen Sie sich Tiere und Verkäufer hier gut an. Denn auch schwarze Schafe versuchen auf solchen Börsen, ihre Tiere an den Mann und die Frau zu bringen.
Artengesellschaft
Mit Akazienratten liegen keine Erkenntnisse zu Artengesellschaften vor. Da die Tiere auf Störungen und fremde Tiere aber recht empfindlich reagieren, würde ich in jedem Fall von einem Versuch abraten!
Weitere Informationen
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Quellen:
Animal Land
rodent-info.net










